Aachen: Zwischenrufe gehören zum guten Ton

Aachen : Zwischenrufe gehören zum guten Ton

Beim Kalten Büffet schwelgen die Herren in Erinnerungen. In ihrer Kindheit, in den Fünfzigern und Sechzigern, waren Kartoffelsalat, roter Heringssalat, hartgekochte Eier mit einem Tüpfelchen Mayonnaise, Mettbrötchen und solche mit Roastbeef oder Schweinebraten, Puttes und nicht zuletzt Weißbrot mit echtem (!) Lachsersatz lukullische Höhepunkte.

In diesen Zeiten war auch das Wort Highlight völlig unbekannt. Dieses nostalgische Büffet wird immer dann geboten, wenn die Krüzzbrür, die Herren Pfarrausschussmitglieder von Heilig Kreuz, ihren Orden an einen Herrn verleihen. Die Herren sind an diesem Abend unter sich, Frauen sind auf keinen Fall zugelassen. An Traditionen hält man „ejjene Ponk”, also im Pontviertel, eisern fest. Traditionell wird der Herrenabend in der Gaststätte „Am Knipp” gefeiert.

Die Familie Ramrath verzichtet selbstlos für die geschlossene Veranstaltung auf ihren Ruhetag, Heiner Schnitzler flitzt mit vollen Tabletts durch die Gaststätte. Verdurstungsgefahr besteht nicht. Tradition ist auch, dass der Abend kein festes Programm hat, abgesehen mal von der Verleihung des Krüzzbrür-Ordens, der diesmal an Opernsänger Willi Schell ging.

Der Abend „lebt” von der Beteiligung der Anwesenden und vor allem von der Begrüßungsarie durch den Pfarrausschussvorsitzenden Leo Bardenheuer. Bardenheuer führt durch den Abend, hält über jeden der Erschienenen ein Bonmot bereit, und wird häufig von den Herren unterbrochen. Schlechtes Benehmen? Das gehört dazu. Jeder darf einen Redner unterbrechen, nur ein hohes Niveau darf er nicht verlassen.

Zu Beginn stellt Bardenheuer den neuen Präses der Krüzzbrür vor. Ruprecht van de Weyer, Propst von St. Adalbert, übernimmt das Amt von Pfarrer Heinrich Korr, der voriges Jahr in den Ruhestand ging. Er wird mit der Sonderstufe des Krüzzbrür-Ordens ausgezeichnet, mit Dank für seine Arbeit. Auch Paul Jodocy und Martin Waldeck werden für ein Vierteljahrhundert geleistete Arbeit geehrt.

Die Laudatio auf den neuen Preisträger hat Professor Max Kerner übernommen. Der Vorjahres-Krüzzbrür-Ordensträger glänzt mit seinen Opernkenntnissen und stellt Schell als Pavarotti von der Wurm vor. Ansonsten muss er ums Wort kämpfen, launige Zwischenrufe lassen den Historiker zur Höchstform auflaufen. Dann kommt der große Augenblick. Ruprecht van de Weyer hängt Willi Schell den Orden um. Und der bedankt sich mit einer kurzen humorigen Rede und dem Chiantilied. Und weil´s so schön war, singt der Tenor noch ein paar Operettenlieder, „dann geh´ ich ins Maxim”, sein Kollege Dag Waade intoniert „Ol´ Man River”. Die versammelten Krüzzbrür-Gäste revanchieren sich mit dem Lied „Trinkfest und arbeitsscheu, aber der katholischen Kirche treu, halleluja”.

Kölscher Fasteleer

Hubert Geulen hat zwar kein Saaltheater in Eilendorf mehr, das heißt aber nicht, dass er sich keine Veranstaltungen mehr nach Aachen holt. Am Sonntag, 25. Januar, bietet er im Eurogress ab 18 Uhr das „Lachende Geulen-Theater”. Viele Stunden kölschen Fasteleer können die Öcher Pappnasen erleben, die Höhner sind dabei, de Bläck Fööss ebenso, die Räuber stehlen sich in die Herzen der Narren, und auch Bernd Stelter gibt sich die Ehre. Karten ab 48,80 Euro gibt´s im Ticket-Center des Zeitungsverlages in der Mayerschen, Buchkremerstraße.

Jeckes Jubiläum

5 x 11 Jahre närrisches Treiben in Eilendorf: Die KG Nirmer Narrenzunft feiert in dieser Session ein besonderes Jubiläum. Anlass genug für ein festliches Matinee mit allen Vereinsmitgliedern und vielen Gästen. „Der KG Nirmer Narrenzunft gebührt großer Dank”, lobte Oberbürgermeister Jürgen Linden. „Alle aktiven Vereine helfen, den Karneval als wichtiges Kulturgut zu bewahren.” Auch der Eilendorfer Bezirksvorsteher Herbert Dondorf pries den traditionsreichen Ieledörper Fastelovvend.

Die Gesellschaft kann auf eine lange Erfolgsgeschichte zurückblicken. Viele große Sitzungen, Auftritte und Kinderprinzen weist die Chronik auf. Und nicht zuletzt ein tolles Vereinsleben. „Wir sind eine große Familie”, beschreibt Pressewart Thilo Cyliax. Da ist es kein Wunder, dass die erste große Marie des Vereins, Gertrud Gördes, bis heute dem Verein treu geblieben ist und noch immer kräftig mitfeiert.

Kinderprinz Marvin II. gab sein Prinzenlied zum Besten. Die große und die kleine Garde, das kleine Mariechen Alina, die Showtanzgruppe und die große Marie Silke sorgten mit ihren schwungvollen Tanzauftritten für Stimmung. „Die Jugend ist der ganze Stolz unseres Vereins”, strahlte Präsident Jürgen Sommer. Und mit solchem Nachwuchs werden auch die nächsten 11 jecken Jahre sicher eine tolle Zeit für die Nirmer Narrenzunft.

Mit viel Elan ist die KG Vaalserquartier in die heiße Phase der Session gestartet. Beim „Karnevalsauftakt und Ordensfest” konnte Präsident Josef Krützen eine kleine aber gut aufgelegte Narrenschar begrüßen. Unter den Gästen im Konradkeller viele Ehrenhüte (und Ehrenhütinnen?), die dem neuen Ehrenhut der KG das Geleit gaben. Wegen seiner großen Verdienste fiel in dieser Session die Wahl auf das KG-Mitglied Hans Franken, dem es vor Rührung glatt die Sprache verschlug.

Wenn man so nahe an den Grenzen zu den Nachbarstaaten residiert wie die KG Vaalserquartier, dann ist ein „dreiländereckiges” Programm geradezu Pflicht, zu dem die KG Les 21 aus Gemmenich mit Prinz Philippe I. und die Vaalser Prinzengarde ihr Teil beitrugen. Als wahre Stimmungskanonen erwiesen sich die frisch gebackenen Deutschen Meister der Show-Tanz-Formation Aix Dance Temptation mit der Kindermarie Verena und der großen Marie Janine.