Regionalverkehr 2021: Zugverspätung um 24 Prozent gestiegen, mehr Ausfälle

Regionalverkehr 2021 : Zugverspätung um 24 Prozent gestiegen, mehr Ausfälle

Die Verspätung bei den RB-, RE- und S-Bahnen in der Region sind im vorigen Jahr um 24 Prozent gestiegen. 14 Prozent der Züge fielen aus. Nahverkehrsanbieter und -Kunden erlebten ein extremes Jahr. Gibt es Hoffnung auf Besserung?

Bei der Qualität des Nahverkehrs hat es eine Trendumkehr gegeben – zum Schlechten. Zuletzt hatten sich die Zugverspätungen Jahr für Jahr reduziert. Doch 2021 hat sich diese Entwicklung umgekehrt. Deutlich. Die Verspätung bei den RB-, RE- und S-Bahnen stieg um durchschnittlich 24 Prozent auf über zwei Minuten. Der Anbieter für den regionalen Zugverkehr selbst ist damit nicht zufrieden. „Für 2021 lässt sich eine spürbare Verschärfung der Verspätungssituation feststellen“, heißt es im jetzt vorgelegten Qualitätsbericht des Nahverkehrs Rheinland (NVR). Auch die Zahl der Zugausfälle stieg an.

Die Gründe sieht der NVR neben der weiteren Zunahme von Baustellen vor allem in außergewöhnlichen, externen Faktoren: den massiven Folgen der Hochwasserkatastrophe im Juli und den Personalauswirkungen der Corona-Pandemie. Dazu seien eine wochenlange Stellwerksstörung in Köln und ein Lokführerstreik im August und September gekommen. Diese Sonderbelastung sei auf die ohnehin überlasteten Strecken, die ohnehin hohe Bautätigkeit, die Trassenkonflikte zwischen Nah-, Fern- und Güterverkehr und die Verspätungskette, die von einem einzigen verspäteten Zug ausgelöst werden kann, obendrauf gekommen.

Die stark genutzten Pendlerzüge zwischen Aachen und Köln, RE1 und RE9, sind 2021 im Durchschnitt rund zwei Minuten zu spät gekommen, der RE4 zwischen Aachen und Düsseldorf sogar um fast drei Minuten – und damit noch eine Minute später als zu Vor-Coronazeiten im Jahr 2019. Was man aber nicht verschweigen darf: Beim RE1 lag dieser Wert 2017 noch bei knapp fünf Minuten.

Erfahrungsgemäß pünktlich sind für gewöhnlich die Bahnen, die auf (teilweise) eigenen Trassen unberührt von anderen Zügen fahren. Die Euregiobahn bleibt deswegen unter einer Minute Verspätung, die Rurtalbahn – pünktlichste Linie in der Region – fährt komplett unabhängig auf ihren eigenen Gleisen. Die S-Bahnlinien zwischen Köln und Düren (12, 19) weisen inzwischen dennoch 2021 im Schnitt über zwei Minuten Verspätung auf (2:04, 2:16). Noch vor fünf Jahren lag dieser Schnitt bei nur etwa einer Minute. Die dort eingesetzten Fahrzeuge seien „inzwischen sehr schadensanfällig“ hieß es, oft seien Türen defekt, was die Ein- und Ausstiegszeit verlängere.

Dass sie nicht einfach repariert wurden, lag an den Flutfolgen und den durchaus geplanten Streckensperrungen auf der Strecke Aachen–Köln. Dadurch konnte laut NVR die Werkstatt in Aachen zur Wartung und Instandsetzung der Züge nicht wie gewohnt angefahren werden. Die Fahrzeuge waren teils auf einem Streckenabschnitt „eingeschlossen“. Fast jeder achte RB33 etwa sei auch aus diesem Grund mit mindestens einer defekten Toilette eingesetzt worden. Beim RE9 war das sogar bei jedem sechsten Zug der Fall. In jedem fünften dieser Doppelstockzüge war mindestens eine Tür defekt. Sie seien dafür besonders anfällig, hieß es.

Gleichzeitig kehrten ab dem Sommer 2021 die Kunden, die wegen Corona lange im Homeoffice waren, nun mehr und mehr wieder an die Arbeitsstelle zurück. Mehr Kunden bedeuten längere Fahrgastwechselzeiten auf den Bahnhöfen. Trifft dieser Trend auf einen verzögerten Ein- und Ausstieg durch defekte Ausstiegstüren, potenziert sich die Verspätung. Mangels Zufahrt zur Werkstatt für die modernen Fahrzeuge hätte ersatzweise teils auch auf ältere Zugmodelle zurückgegriffen werden müssen. Sie sind wiederum noch störanfälliger und das Ausfahren der Austrittsrampe etwa dauert deutlich länger. So potenzierten sich die Probleme bei den Ausfällen und der Verspätung.

Komplett ausgefallen ist im Rheinland im vorigen Jahr jeder siebte Zug. Mehr als ein Drittel dieser Ausfälle (38 Prozent) geht laut NVR auf das Konto des Hochwassers, ein weiteres Drittel auf das Konto von ohnehin geplanten Baustellen, 13 Prozent sind eine Folge des Streiks.

Besonders stark von Zugausfällen durch Flutschäden war in unserer Region die Euregiobahn und der RE4 betroffen. 25 Prozent der Euregiobahn fielen laut NVR wegen der teils nicht mehr befahrbaren Strecke aus. Und zwischen Herzogenrath und Geilenkirchen war wegen eines abgerutschten Gleisdamms die Strecke monatelang gesperrt. Beim RE4 fuhren deswegen insgesamt rund 18 Prozent der Züge nicht. Dort gab es einen Ersatzverkehr mit Bussen. Selbstverständlich ist das nicht. Laut NVR-Qualitätsbericht gilt das „für weit über die Hälfte der Zugausfälle“. Für den Rest der ausgefallenen Fahrten aber eben auch nicht.

Die Nahverkehrsanbieter jedenfalls hoffen auf ein besseres Jahr 2022 „ohne katastrophales Unwetter“. Eine Prognose sei derzeit aber noch schwierig. Einerseits sei die Zahl der Baustellen etwas zurückgegangen, andererseits seien die Züge durch die wieder zurückgekehrten Fahrgäste und das 9-Euro-Ticket aktuell sehr voll. „Daher kommt es jetzt wieder zu längeren Fahrgastwechselzeiten und in der Folge zu Verspätungen.“