Selfkant-Tüddern: Zündende Ideen der Bürger sind gefragt

Selfkant-Tüddern: Zündende Ideen der Bürger sind gefragt

Jetzt müssen zündende Ideen und Vorschläge auf den Tisch, damit die Gemeinden Gangelt, Selfkant und Waldfeucht sowie die Stadt Heinsberg mit ihrem Entwicklungskonzept bei der Landesjury, die über die Anerkennung als Leader-Region und damit über die Förderung entscheidet, punkten können.

Selfkants Bürgermeister Herbert Corsten begrüßte bei der Auftaktveranstaltung im Tüdderner Rathaus rund 60 Gäste, die er über Struktur und Organisation bei Leader sowie über das Bewerbungsprozedere informierte. Bis zum 16. Februar 2015 muss die Bewerbung raus sein. Bis zum 31. Januar muss das kommunale Quartett, dass sich in dieser Formation erstmals bewirbt, das Gerüst erarbeitet haben. Dem mit der Erstellung der Konzeption beauftragten VDH Projektmanagement aus Erkelenz verbleiben dann zwei Wochen bis zur Abgabe, um die Ideensammlung in eine überzeugende Form zu gießen. „70 Millionen Euro sind insgesamt bei den Leader-Fördermitteln zu verteilen, dabei gibt die EU 80 Prozent, das Land NRW 20 Prozent“, ließ Corsten wissen. Neu sei dabei, dass auch Dritte, sprich Sponsoren, mit ins Boot geholt werden können: „Das ist ein besonderer Anreiz.“

Gangelts Bürgermeister Bernhard Tholen (l.) erläutert hier das Bewerbungsverfahren im Rathaus Tüddern, besonders aus den Reihen der Heinsberger Gäste kamen viele Nachfragen. Foto: -agsb-

Bei einem Zuschlag darf die Leader-Region (deren Name erst noch gefunden werden muss) mit Zuwendungen in Höhe von 2,6 Millionen Euro rechnen. Gangelts Bürgermeister Bernhard Tholen erklärte, warum seine Kommune trotz anfänglicher Zurückhaltung nun doch mit dabei ist: „Wir wollen uns als Region aufstellen. Es gibt bereits eine enge Zusammenarbeit etwa bei der Städtebauförderung, deshalb spricht alles dafür, auch bei der Entwicklung des ländlichen Raums grenzüberschreitend zusammenzuarbeiten. Mit Heinsberg haben wir zudem einen neuen Impulsgeber.“ Sein Heinsberger Amtskollege Wolfgang Dieder stellte heraus, dass die Region bevölkerungsmäßig zulege: „Wir sind attraktiv und wollen noch attraktiver werden. Wir müssen die Ortskerne modernisieren.“ Als Quartett sei man eine Kraft, der man den Zusammenhalt abkaufe.

Sebastian Schütt von VDH Projektmanagement zeigte auf, welche Stärken genutzt und welche Schwächen behoben werden müssten. Und er beschrieb die Handlungsfelder, um die sich die Ideen ranken sollen. Während bei der vergangenen Förderperiode 2008 bis 2013 noch sechs Handlungsfelder im Konzept zu finden waren, sollen es der Einfachheit halber diesmal nur drei sein: Tourismus und Naherholung, regionale Entwicklung und Nahversorgung sowie demografischer Wandel und Mobilität. Jedem Handlungsfeld hat das Erkelenzer Büro verschiedene Maßnahmenbereiche zugeordnet, in die Anregungen und Vorschläge aus der Bevölkerung (Bottom-Up-Prinzip) nun einfließen sollen.

Nachdem aus dem Publikum geäußert wurde, das Leader-Verfahren dürfe nicht zu einer „elitären Veranstaltung“ geraten und die Verantwortlichen sollten die Öffentlichkeit stärker mobilisieren, unterstrichen die Bürgermeister den speziellen Charakter von Leader. Der Prozess entwickle sich von der Basis nach oben — und nicht umgekehrt. Man nutze alle medialen Möglichkeiten, die Bürger zur Teilnahme zu motivieren. So finde bereits am kommenden Samstag, 29. November, von 9 bis 12 Uhr in der Heinsberger Stadthalle ein Workshop statt, um an konkreten Ideen und Vorschlägen zu feilen.

Heinz-Josef Schrammen, Bürgermeister von Waldfeucht, machte deutlich, dass es nicht darum gehe, gleich im Bewerbungskonzept im Detail ausgearbeitete Ideen zu benennen: „Wichtig ist, dass wir mit einem gut strukturierten Konzept überzeugen. Einzelheiten, wo etwa am Radweg die Steckdosen für E-Bikes angebracht werden, können später, nach einem Zuschlag, geklärt werden.“ Wer gedacht hatte, an diesem Abend regne es Ideen, sah sich getäuscht. Darum ging es auch nicht. Es ging um das Markieren der Handlungsfelder als Richtschnur. Dass aber einige interessante Vorschläge beim Workshop in der Stadthalle zu erwarten sind, zeigten erste Anregungen aus dem Publikum: In Heinsberg gibt es eine Bürgerinitiative für Elektro-Mobilität, die sich eine Rallye für E-Autos durch die Region vorstellen kann, immerhin, so die Begründung, ein „Alleinstellungsmerkmal“, das Leute anlocke. Oder Touren für E-Bikes, vom Lago Laprello bis zum westlichsten Punkt. Der Startschuss ist gefallen. Bis zum 16. Februar 2015 muss das Konzept in Düsseldorf vorliegen. Mitte 2015 fällt die Entscheidung, welche maximal 24 Bewerber als Leader-Region anerkannt werden.

(dawin)