Eschweiler: Zöliakie: „Es kommt wirklich auf jeden Krümel an“

Eschweiler : Zöliakie: „Es kommt wirklich auf jeden Krümel an“

„Glutenfrei“ — ob im Supermarkt, In Zeitschriften oder in Kochbüchern, diesen Begriff liest man immer häufiger. Doch für wen hat das überhaupt eine Bedeutung?

Müdigkeit und Schwächeanfälle führten Anika Weiß vor drei Jahren zum Arzt. Recht schnell erhielt sie die Diagnose: Zöliakie, eine Glutenunverträglichkeit. Zunächst war die Eschweilerin schockiert. „Ich wollte davon erstmal nichts wissen“, sagt sie. Doch schließlich musste sie sich mit ihrer unheilbaren Krankheit auseinandersetzen.

Gluten ist ein Klebereiweiß, das im Samen vieler Arten von Getreide vorkommt. Bei Menschen mit Zöliakie reagiert die Dünndarmschleimhaut überempfindlich auf dieses Eiweiß und entzündet sich. Das wiederum verhindert die Aufnahme wichtiger Nährstoffe.

Bei Anika Weiß war es vor allem Eisen, das ihr fehlte und weshalb sie sich schlapp fühlte. Mittlerweile geht es der 29-Jährigen gut, doch sie muss strenge Diät halten. Viele Lebensmittel, die sie vorher gerne gegessen hat, kommen nicht mehr in Frage. Brot, Pizza, Pasta und Kuchen sind tabu. Auch in Wurst, Saucen, sogar in Getränken kann Gluten enthalten sein. Wenn die Mahlzeit mit dem Eiweiß in Berührung kommt, kann das bereits schädlich für einen an Zöliakie Erkrankten sein: „Es kommt wirklich auf jeden Krümel an“, erklärt Weiß. „Gelangt nur ein kleines bisschen Gluten in den Darm, entzündet er sich wieder.“

Daher musste die junge Mutter ihre gesamte Küche kontaminieren: Holz- und Plastikutensilien, in denen sich auch nur der Staub von Gluten festgesetzt haben könnte, wurden ausgetauscht. Zudem hat sie ihren eigenen Toaster, einen kleinen Backofen und eigene Butter. Die Umstellung war nicht nur aufwendig, sondern auch teuer, erklärt Weiß.

Generell ist ihre Krankheit sehr kostspielig, denn speziell gefertigte glutenfreie Produkte kosten oft das Doppelte als ihr glutenhaltiges Pendent. Zudem hat längst nicht jeder Supermarkt die glutenfreien Produkte im Regal und wenn, ist es oft nur eine kleine Auswahl. „In den Niederlanden habe ich oft mehr Auswahl. Auch in Italien und Spanien haben sich die Supermärkte besser auf die Krankheit eingestellt“, glaubt Weiß. Davon, dass glutenfreie Produkte zum Trend geworden sind hält sie nichts. „Da entsteht ein falsches Bild, die Krankheit wird nicht mehr ernst genommen.“ Allerdings sieht sie auch einen Vorteil: „Wenn die Popularität steigt, ist auch das Angebot größer.“

(ll)