Heinsberg: Zahl der Jugendlichen ohne Abschluss soll auf Null sinken

Heinsberg: Zahl der Jugendlichen ohne Abschluss soll auf Null sinken

Die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss soll in den nächsten vier Jahren auf Null gesenkt werden. Das ist das erklärte Ziel von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Nach Gesprächen mit Vertretern des Bundesinstituts für Berufsbildung in Bonn sei dies realistisch, glaubt die Ministerin.

„Ich halte es für wichtig und gut, solche Ziele zu haben”, erklärt der Leiter der Hauptschule Oberbruch, Michael Schmitt. Aber an seiner Schule stelle sich das Problem ohnehin kaum. „Alle zwei Jahre einmal kommt das vor. Ich denke, dass dies in Ballungsgebieten anders aussieht. Wenn bei uns tatsächlich einmal ein Schüler ohne Abschluss die Schule verlässt, liegen die Gründe in den sozialen Umständen.” Das Schwänzen des Unterrichts führe dann zu einer Überschreitung der Regelschulzeit von zwölf Jahren mit der Konsequenz, dass der Jugendliche die Schule am Ende mit leeren Händen verlassen müsse.

Natürlich, so räumt Schmitt ein, sei immer noch ein regulärer Abschluss nach Klasse 9 an den Hauptschulen des Landes möglich.

Eventuell gelinge einem Schüler ab und an auch mal ein „Sechser im Lotto”, wie der Pädagoge eine Lehrstellenzusage ohne Schulabschluss bezeichnet. Damit die Jungen und Mädchen letztlich nicht auf dieses „Glücksspiel” angewiesen sind, wurden an der Oberbrucher Lehranstalt diverse Frühwarnsysteme installiert im Rahmen des Landesprogramms „Komm mit”.

So sollen zum Beispiel Klassenkonferenzen und Team-Sitzungen verhindern, dass auch nur einer der rund 300 Jugendlichen mit schwachen Leistungen unbemerkt durch ein Raster fällt.

Gütesiegel verliehen

Dass diese Arbeit gewürdigt wird, zeigt ein Telefonanruf, über den sich Schmitt am Mittwochmorgen freuen durfte. Er erhielt die Nachricht, dass seine Schule als erste Hauptschule im Kreis Heinsberg von der Landesregierung und der Organisation Partner für Schule NRW mit dem „Gütesiegel für individuelle Förderung” ausgezeichnet wurde.

Verlagsprojekt

Die individuelle Förderung hat sich auch Schmitts Kollege Matthias Reinartz, Leiter der Hauptschule an der Westpromenade, auf die Fahne geschrieben. Mittlerweile im dritten Jahr nehme seine Schule an einem Verlagsprojekt teil, bei dem in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch zwei Stunden Förderung pro Woche mit einem Online-Diagnose-Verfahren gekoppelt seien.

„Die Schüler gehen mit einem eigenen Passwort an den Computer und müssen bestimmte Aufgaben lösen. Die Ergebnisse werden ausgewertet. Dann erhalten sie je nach Förderschwerpunkt individuelles Aufgabenmaterial, passend zu den Schulbüchern.” Am Ende des Halbjahres werde der Lernfortschritt getestet.

Die Zahl der Sitzenbleiber konnte auf diese Weise im letzten Jahr halbiert werden. „Sie liegt bei uns nur bei etwa drei Prozent.” Die 500 Euro, die von der Schule für die Teilnahme an dem Verlagsangebot aufgebracht werden müssten, seien gut angelegt, ist Reinartz sicher.

Grundsätzlich stellt er das Wiederholen eines Schuljahres in Frage. „Für die meisten bringt es nichts. Wer nicht die richtige Einstellung hat, hat sie im nächsten Jahr meist auch nicht.” Von „Gefälligkeitsabschlüssen” für die Schüler hält Reinartz dennoch ebenso wenig wie sein Kollege Schmitt aus Oberbruch.

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