Region: Wolfgang Niersbach, der zweifache Weltmeister

Region : Wolfgang Niersbach, der zweifache Weltmeister

Die Fest-Pläne von Wolfgang Niersbach jedenfalls hat der Verband durchsickern lassen. Das ist ungewöhnlich, weil der Deutsche Fußball-Bund meistens darauf achtet, Nachrichten in den eigenen Reihen zu halten. Aber die Stimmung ist gerade überragend in der Frankfurter Zentrale, und so wusste man bereits vor den Feiertagen, dass sich der DFB-Präsident mal aufs Sofa legen, Fernseher und Radio ausschalten und sich zwicken wollte, „ob das wirklich alles wahr ist, was uns 2014 gelungen ist“.

Gelungen ist ziemlich viel in diesem Jahr, der DFB schließt es als Fußball-Weltmeister ab, und Niersbach kann sich für ein paar Stunden zufrieden als der Präsident des mitgliederstärksten Verbandes zwicken. Anfang des Jahres wird die WM-Trophäe auf eine „Ehrenrunde“ zu rund 60 Vereinen und Fußballkreisen gehen, Endstation wird das neue DFB-Museum in Dortmund sein, das das Schmuckstück dann praktischerweise zur Eröffnung direkt in seine Obhut nimmt.

Auch die Rundreise bedurfte einer Sondergenehmigung, denn in der durchkommerzialisierten Fußball-Welt ist eine solche Trophy-Tour längst vermarktet. „Wir wollen uns bei der ehrenamtlichen Basis für den Einsatz bedanken“, sagt Niersbach. Der 64-Jährige selbst wird eine kleine „Ehrenrunde“ nach Aachen machen. Am 14. Januar ist er Schirmherr bei der Ehrung der besten Sportler aus der Region, die im Rahmen der Gala „Menschen 2014“ dekoriert werden.

Der Präsident hat allen Grund, sich noch einmal zu zwacken. 400.000 Menschen warteten im Sommer am Brandenburger Tor auf die Weltmeister. 1990 waren es am Frankfurter Römer 20.000. „Die Entwicklung ist gigantisch, wir erwarten einen Boom“, hat Niersbach dem „Spiegel“ ein paar Tage nach dem Turnier erzählt. Der 64-Jährige hat vielleicht den besten Überblick über die Erfolgsgeschichte des Fußballs.

Er war ein permanenter Begleiter. 1990 beim Beckenbauer-Triumph war er der Pressechef, 2006 war er stellvertretender Chef des Organisationskomitee der WM in Deutschland, danach wurde er noch Direktor, später Generalsekretär beim DFB, seit zwei Jahren lenkt er den größten Sportverband der Welt als Präsident. Es ist eine Karriere zum Ausschneiden: Vom ehemaligen Journalisten, der seine Anfänge bei den Stadionmagazinen von Fortuna Düsseldorf und der DEG erlebte, bis in die Spitze des mächtigen Verbandes.

Der elfte Präsident in der 111-jährigen DFB-Geschichte ist erstmals einer, der vorher kein Ehrenamt inne hatte. Niersbach war nie Klubpräsident oder Landesvertreter. Er war nie ein Mann der Basis wie seine Vorgänger Gerhard Mayer-Vorfelder, Egidius Braun oder Theo Zwanziger, der ihm längst in tiefer Abneigung verbunden ist. Niersbach ist kein gewiefter Strippenzieher in irgendwelchen Hinterhöfen. Er ist jovial und kann Menschen durchaus mitnehmen. Kein Hardliner, sondern ein fröhlicher Rheinländer, der in der Frankfurter Fußballzentrale den Mief vertrieben hat.

Medien und Macht

Niersbach kennt die andere Seite bestens, besonders das Zusammenspiel von Medien und Macht. „Ruhig bleiben, auch wenn das Geschäft immer hektischer wird“, ist seine wohltuende Einstellung in stürmischen Zeiten.

Bevor sich Niersbach auf die Couch verzog, stellte er noch einen Zehn-Jahres-Plan vor. Auf dem Weg dahin sollen diverse Titel von der U21-EM über den Olympiasieg bis zur Frauenfußball-WM eingesammelt werden. Am Ende soll die Ausrichtung der EM 2024 stehen, die Zeichen dafür sind nicht schlecht. Auf dem Weg dahin soll für knapp 90 Millionen Euro die neue Akademie im Frankfurter Stadtteil Niederrad, ein paar Meter entfernt vom Verbandssitz, entstehen.

Auf dem 20 Hektar großen Gelände will der DFB bis 2018 ein Leistungszentrum für die Elite bauen. Trainer- und Schiedsrichterausbildung, Leistungsdiagnostik, Scouting, Videoanalyse sind dort im „Silicon Valley des deutschen Fußballs“ (Niersbach) vorgesehen. In der neuen Kathedrale des Verbands soll der fünfte Stern möglichst schnell geschmiedet werden. Ein bisschen lässt sich der Erfolg auch im Fußball organisieren — allerdings wird gerade auch der Widerstand gegen das Großprojekt organisiert: Eine Bürgerinitiative wehrt sich gegen den dafür benötigten Abriss der Galopprennbahn.

Der DFB wird Niersbach im März in das Exekutiv-Komitee der Fifa delegieren. „Ich will mich da so einbringen, dass sich das Image der Fifa ändert. Die oberste Fußball-Organisation muss für Glaubwürdigkeit, Seriosität und Integrität stehen.“ Da könnte auch der erfahrene Moderator Niersbach an seine Grenzen kommen...