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Monschau: Zuversicht nach „beinhartem Jahr”

Monschau : Zuversicht nach „beinhartem Jahr”

Einzelhandel und Tageszeitungen sitzen in einem Boot. Diese enge Verbindung wurde am Dienstag beim Jahrestreffen der Händler zwischen Düren und Aachen in Monschau auch konkret deutlich.

Träger des Euregio-Preises der Kaufmannschaft wurde der Monschauer Verleger und Drucker Hans-Georg Weiss, und Festredner AZ/AN-Chefredakteur Bernd Mathieu. Während Weiss sich mit seinen Anzeigenblättern „als Botschafter des Handels” sieht, gab Mathieu eine kritische Prognose sowohl für den Handel wie auch die Zeitung.

Herbert Sütterlin, Präsident des Einzelhandels- und Dienstleistungsverbandes Aachen-Düren, sprach einem „beinharten Jahr 2004”, das der Handel überstanden habe. Allerdings gebe es jetzt, wie die Frühjahrsumfrage in der Region zeige, erste Anzeichen für eine Besserung. Ein Handicap bleibe die Verunsicherung der Verbraucher, deren Ende noch nicht in Sicht sei. Gefahren für den Einzelhandel sieht Sütterlin auch durch die EU-Feinstaubverordnung und das Anti-Diskriminierungsgesetz.

„Wer auf Fahrverbote setzt, nimmt das Sterben der Innenstädte in Kauf”, befürchtet er. Angesicht der Leerstände in den Innenstädten appellierte Sütterlin an die Immobilienbesitzer, sich bei ihren Mietforderungen zu mäßigen. „Mieten, die vor 10 Jahren noch zu erwirtschaften waren, sind unter den heutigen konjunkturellen Bedingungen nicht mehr tragbar und existenzbedrohend.”

„Herauszufinden, was die Menschen interessiert”, ist für Mathieu eine Gemeinsamkeit zwischen Handel Tageszeitung. Angesicht der immer stärker „fragmentierten Kundengruppen” komme es darauf an, mit einem entsprechenden Marketing diese Zielpersonen zu erreichen. „Das gilt für Zeitung und Handel.” Den Händlern des EHDV riet Mathieu, sich stärker mit der Gruppe der Senioren zu befassen, die bereits 2006 über eine größere Konsumkraft verfüge als alle anderen Gruppen zusammen.

Im Zeitungsmarkt schlügen neben den konjunkturellen inzwischen immer stärker strukturelle Faktoren (fehlende junge Leser, Internet-Konkurrenz) durch. Chancen gegenüber anderen Medien sieht er dennoch durch den „Ausbau der lokalen und regionalen Kompetenz” bei der Berichterstattung und eine verstärkte Aktualität. Konkret könnte das bedeuten: Top-Aktualität im verlagseigenen Online-Angebot und ausführliche Aufbereitung im Printbereich.

Bei der jüngsten Frühjahrsumfrage des Einzelhandels- und Dienstleistungsverbandes Aachen-Düren (EHDV) zeigte sich eine größere Zuversicht. 29 Prozent der Betriebe konnten 2004 ihren Umsatz erhöhen.

68 Prozent erwarten im laufenden Jahr einen höheren oder vergleichbaren Umsatz.

Drei Viertel der Mitgliedsbetriebe des EHDV wollen in diesem Jahr ihren Personalbestand unverändert halten. Sechs Prozent denken daran, zusätzliche Arbeitskräfte einzustellen.

Im vergangenen Jahr hat der Einzelhandel in der Region sein Ausbildungsplatzangebot noch einmal gesteigert. 142 zusätzliche Lehrstellen wurden geschaffen. Insgesamt gab es 2004 im Kammerbezirk im Handels 635 Ausbildungsverträge.