Aachen: Zahl der Lehrstellen geht leicht zurück

Aachen: Zahl der Lehrstellen geht leicht zurück

Mit schweren Zeiten für den Ausbildungsmarkt hatte man bei der Bundesagentur für Arbeit zu Jahresbeginn gerechnet. Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise ziehen Matthias Kaschte, Vorsitzender der Geschäftsführung, und Hans-Helmut Lehmkuhl, Bereichsleiter der Agentur für Arbeit in Aachen, für 2008/2009 nun eine positive Bilanz: Der Ausbildungsmarkt erweise sich als „weitgehend stabil”.

4193 freie Ausbildungsstellen waren der Agentur für Arbeit bis zum Stichtag 31. September gemeldet worden. Dies entspricht einem Rückgang um 5,1 Prozent. Nur 1,7 Prozent der Stellen blieben unbesetzt. Die Zahl der Bewerber ging um 507 (10,4 Prozent) zurück.

Die rückläufige Nachfrage ist laut Matthias Kaschte auch, keineswegs aber allein auf den demographischen Wandel zurückzuführen. Vielmehr zeige sich, dass Schulabgänger sich zunehmend selbstständig auf die Suche nach einer Ausbildung machen - und in der Statistik der Arbeitsagentur so gar nicht auftauchen. „Wir begrüßen das”, stellt Kaschte fest, der aber dennoch davon ausgeht, dass die Berufsberatung eine große Hilfe bleibe, „den Overload an Informationen zu strukturieren.”

Erfreut nimmt Kaschte auf, dass bei den Betrieben „ein Umdenken stattgefunden” habe - einerseits seien die ausbildenden Betriebe sich ihrer Verantwortung gegenüber dem Ausbildungsmarkt bewusst. Andererseits werde auch das „Eigeninteresse” erkannt.

Eine Schwächung des Ausbildungsmarkts bestätigen auch die Kammern. Bei der Handwerkskammer (HWK) fällt diese moderat aus. Noch im März hatte man gar einen Zuwachs der neu geschlossenen Ausbildungsverträge um „unglaubliche 30,16 Prozent” (Geschäftsführer Dr. Arend Katterbach) registriert. Erwartungsgemäß hatte der Trend sich bis Ende September jedoch auf ein Minus von 2,12 Prozent (55 Stellen) eingependelt.

Auf 8,8 Prozent (397 Stellen) beziffert Gisbert Kurlfinke, stellvertretender Leiter der Berufsbildungsabteilung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen, den Rückgang der neueingetragenen Ausbildungsverhältnisse. Wacker schlägt sich dabei noch der Handel mit einem Minus von 4,6 Prozent. „Die Krise ablesen” könne man indes an einem Rückgang um 17,6 Prozent in der Industrie.

Mittelfristig stünden die Betriebe vor der Herausforderung, diese Entwicklung zu korrigieren. Wofür man auch schwächere Schulabgänger einstellen und gemäß ihrer Möglichkeiten fördern müsse. Kurlfinke: „Der Azubi von 2009 ist die Fachkraft von 2012.”

Große Unterschiede bei den Ausbildungsstellen gibt es in den Teilregionen. Positiv fällt der Zuwachs bei den gemeldeten Ausbildungsstellen in den Bereichen Monschau (+39,9 Prozent), Stadt Aachen (+9,1 Prozent) und Eschweiler (+4,7 Prozent) auf; zu dem Gesamtergebnis hat die Entwicklung insbesondere in den Bereichen Geilenkirchen (-40,5 Prozent), Erkelenz (-24,8 Prozent), Heinsberg (-15,4 Prozent) und Stolberg (-14,6 Prozent) beigetragen.

Damit liegt der Rückgang bei den gemeldeten Ausbildungsstellen im Kreis Heinsberg bei 361 bzw. 25,9 Prozent. Die Zunahme gemeldeter Ausbildungsstellen in der Stadt Aachen ist insofern von erheblicher Bedeutung, da dieser Bereich das „Umland” mit versorgt.

Rückgänge bei den gemeldeten Ausbildungsstellen haben sich insbesondere bei den Warenkaufleuten (-6,5 Prozent), bei den Elektro- und Metallberufen sowie bei den Bau- und Baunebenberufen ergeben; so lag das Minus gegenüber dem Vorjahr bei den Maurern bei 28,6 Prozent, bei den Malern und Lackierern bei 18,9 Prozent und bei den Tischlern bei 35,6 Prozent. Allerdings folgte die Nachfrage weitgehend dem gesunkenen Angebot. Ein Ungleichgewicht verzeichnet nach wie vor der Hotel- und Gaststättenbereich; hier übersteigt das Angebot deutlich die Nachfrage.

Auf der Bewerberseite tragen besonders die Rückgänge in Alsdorf (- 135 bzw. -13,6 Prozent), in Eschweiler (-51 bzw. -17,5 Prozent) und in Geilenkirchen (-65 bzw. -13,5 Prozent) zum Gesamtergebnis bei. Durch den Rückgang sowohl auf der Bewerberseite als auch auf der Stellenseite hat sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage rechnerisch nicht verändert.

Größer als in den übrigen Bereichen des Agenturbezirks ist allerdings der Unterschied zwischen gemeldeten Stellen und Bewerbern in den Bereichen Erkelenz und Stolberg; hier kommen auf einen Bewerber rechnerisch nur 0,7 Stellen.

Im Bereich Geilenkirchen kommen rechnerisch auf eine gemeldete Ausbildungsstelle zwei Bewerber. In der Stadt Aachen ergibt sich ein umgekehrtes Verhältnis (2,0 Stelle auf einen Bewerber); rechnerisch kommen hier auf 100 gemeldete Ausbildungsstellen nur 51 Bewerber (Vorjahr 62).

Am 30. September waren von den gemeldeten Ausbildungsstellen noch 72 (Vorjahr 112) unbesetzt. Hier handelt es sich vor allem um spät oder erneut gemeldete Ausbildungsstellen, bei denen das Besetzungsverfahren noch nicht abzuschließen war. Es sind aber auch Ausbildungsstellen darunter, für die aktuell kein geeigneter Bewerber mehr vorgeschlagen werden konnte. Von den gemeldeten Bewerber/-innen waren am 30. September noch 44 (Vorjahr 33) unversorgt. Alternativ zu einer betrieblichen Ausbildung haben sich zahlreiche Jugendliche für einen weiteren Schulbesuch oder für ein Studium entschieden.

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