Lernfabrik des „Kompetenzzentrums Textil vernetzt“: Wo die Zukunft der Arbeit beginnt

Lernfabrik des „Kompetenzzentrums Textil vernetzt“ : Wo die Zukunft der Arbeit beginnt

In der schönen Welt könnte es so zugehen: Der Arbeitnehmer nähert sich mit einem digital vernetzten Armband seinem Schreibtisch. Die Daten werden übertragen, das Pult stellt sich auf die Höhe ein, die als ergonomisch erstrebenswert festgelegt wurden. Das ist ein Beispiel aus der „Lernfabrik“, die im Aachener Westen geöffnet hat.

Dort geht es an diesem Morgen vorübergehend etwas ruhiger zu, nachdem die letzte Besuchergruppe das Betriebsgelände des „Digital Capability Centers“ verlassen hat.

Lückenlose Produktionskette

Schon der Name weist ein bisschen in die Zukunft. In dieses „Digitale Fähigkeitszentrum“ ist vor ein paar Monaten das „Mittelstand 4.0-Kompetenzentrum Textil vernetzt“ eingezogen, das naturgemäß auch mit dem Institut für Textiltechnik (ITA) der RWTH kooperiert.

Die Lernfabrik ist mehr ein Anschauungsort, im Erdgeschoss ist eine fast lückenlose Produktionskette entstanden. Aus Garn wird ein smartes Textilprodukt, in diesem Fall ein Armband mit integriertem Datenchip, hergestellt. Für das Zetteln, Weben, Thermofixieren, Drucken, Schneiden, Nähen werden verschiedene digitale Ideen vorgestellt. Manchmal ist es für die Besucher ein Ausflug in eine neue Welt.

Wie der Alltag in den Unternehmen in Zukunft aussehen wird, ist oft eine Frage, die Sorge auslöst. Das Kompetenzzentrum ist deshalb konzipiert als ein Zentrum der Möglichkeiten. Anschaulich werden hier eher die Chancen der Digitalisierung demonstriert. Vorbehalte und Hemmungen sollen so abgebaut werden – das ist die Idee, sagt Alisa Foit. „Regionale Kompetenzzentren helfen dem kleinen Einzelhändler genauso wie dem größeren Produktionsbetrieb mit Expertenwissen, den Netzwerken zum Erfahrungsaustausch und den Demonstrationszentren“, meint die Projektleiterin. Schlagworte wie Automatisierung, Vernetzung oder Arbeit 4.0 bekommen hier konkreten Inhalt. Wenn die Zukunft „begreifbar“ wird, verliert sie zuweilen ihre furchteinflößende Wirkung. Denn es gehe nicht darum, Mitarbeiter durch den digitalen Kollegen zu ersetzen, sagt die Textilingenieurin Foit. „Vielmehr wollen wir zeigen, mit welchen Assistenzsystemen er unterstützt werden kann.“ Dazu gehört zum Beispiel ein LinUp-System, das den Lichteinfall, die Temperatur oder Bewegung am Arbeitsplatz erfasst, um so ergonomische Vorschläge zu ermitteln, damit etwa der Rücken entlastet werden kann. Mit digitaler Hilfe wird der Arbeitsplatz individuell zugeschnitten.

Auf der „Labtour“ wird demonstriert, wie auch ältere Maschinen noch mit Sensoren nachgerüstet werden können. Fehler lassen sich so präzise am Bildschirm erkennen, die aufwendige Suche entfällt. So erfährt der Unternehmer „nebenbei“, wie er den Maschinenausfall minimieren und damit die Prozesse optimieren kann.

Weiter geht’s im Schaufenster. Mit Augmented Reality, der erweiterten Realität, lassen sich zumindest kleinere Reparaturen vollziehen, auch wenn kein Wartungsingenieur in der Nähe ist. Die Anleitung kommt aus dem Computer, der anschaulich die notwendigen Schritte einblendet. An der nächsten Station wird eine bedienerfreundliche Dokumentation vorgestellt, um Kollegen aus anderen Schichten oder den Chef über Ideen oder Probleme am Arbeitsplatz mit wenigen Bildern zu unterrichten.

Vom Bund gefördert

Ein paar Meter weiter, im kleinen Logistikzentrum, trägt die Mitarbeiterin eine Datenbrille. Der Miniaturcomputer zeigt ihr, wo sie die erforderlichen Materialien im Regal findet. In der Brille lassen sich die nächsten Arbeitsschritte ablesen.

Der Rundgang, so sagt es die Projektleiterin, biete nicht nur den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterin in der Textilindustrie neue Lösungen. „Wir haben branchenübergreifende Ideen.“ Und weil das Projekt mindestens bis Ende 2020 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wird, sind die Informationsveranstaltungen, Führungen, Workshops und Beratungen kostenlos

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