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Aachen: Wirbel um Eurolink: Flug nach Dubai gestrichen

Aachen : Wirbel um Eurolink: Flug nach Dubai gestrichen

Von Anne Will in den ARD-Tagesthemen angekündigt zu werden, ist ein seltenes Vergnügen. Die Freude über den bundesweiten TV-Auftritt am Mittwochabend dürfte sich beim Herzogenrather Unternehmen Eurolink allerdings in Grenzen gehalten haben.

Denn was die folgenden drei Minuten und 48 Sekunden dann zeigten, trägt nicht zum Renommee der Firma bei.

Das Credo des Films: Mit dem Investitions-Interesse angeblicher Scheichs aus den Vereinigten Arabischen Emiraten soll Eurolink immer wieder Unternehmer nach Dubai locken.

Statt eines Geschäftsabschlusses folgen aber immer neue Rechnungen und fadenscheinige Forderungen.

Am 15. Juli diesen Jahres hat die AZ bereits über dubiose Praktiken der Firma Eurolink berichtet. Eine Flut von Anrufen und Zuschriften von Unternehmern, die sich betrogen fühlen, war die Folge.

Eine Erfahrung, die auch Michael Immel, Redakteur beim Hessischen Rundfunk und Autor des Films, jetzt teilt: „Mein Telefon steht seit Donnerstagmorgen nicht mehr still”, sagt er.

Immel hat auch Martina Effenberger aus Düren interviewt. „Ich fühle mich betrogen. Dadurch, dass ich an die Öffentlichkeit gegangen bin, möchte ich meine Unternehmerkollegen warnen”, sagt sie.

Auch Effenberger hatte sich im Juli bei der AZ gemeldet. „Ich erwarte jetzt, dass die Behörden dieser Sache massiv nachgehen, und zwar mit allen Methoden, die ihnen zur Verfügung stehen”, fordert die Dürenerin.

In der Tat hat die Aachener Staatsanwaltschaft seit einiger Zeit mit Eurolink zu tun. „Die Ermittlungen dauern an”, so Oberstaatsanwalt Robert Deller am Donnerstag. „Aktuell haben wir fünf Strafanzeigen, die jetzt zu einem Vorgang zusammengefasst werden.”

Dass sich diese Zahl noch erhöht, scheint wegen der zahlreichen Anfragen bei Immel wahrscheinlich. Auch im Technologiepark Herzogenrath (TPH) haben die Verantwortlichen die Vorwürfe registriert.

„Aufgrund der rechtlichen Situation haben wir im Moment keine Handhabe gegen Eurolink. Allerdings haben wir einen Antrag der Firma auf Erweiterung der Geschäftsräume abgelehnt bis die Vorwürfe entkräftet sind”, sagt TPH-Geschäftsführer Franz-Josef Krings.

Dr. Christoph Wittekindt ist bei der Münchner Kanzlei Ruschke, Hartmann und Becker für den Fall Eurolink zuständig. Seit Mitte Mai ist am Aachener Amtsgericht eine Wettbewerbsklage der Kanzlei gegen Eurolink anhängig.

Zudem wurde Strafanzeige erstattet. „Obwohl den Aachener Behörden - sowohl dem Ordnungsamt als auch der Industrie- und Handelskammer - die in AZ und Tagesthemen genannten Fakten seit geraumer Zeit bekannt sind, sind bis jetzt noch keine Maßnahmen gegen Eurolink ergriffen worden”, klagt Wittekindt.

„Im Gegenteil: Wir wurden ebenso wie andere Parteien aufgefordert, den zuständigen Stellen über unsere Strafanzeige hinaus weitere Tatsachen zu schildern, obwohl sich die Vorgänge dauernd wiederholen und längst bekannt sind.”

Wittekindt zitiert Paragraph 35 der Gewerbeordnung. Der besagt, die Ausübung eines Gewerbes sei zu untersagen, „wenn Tatsachen vorliegen, welche die Unzuverlässigkeit des Gewerbetreibenden...” belegen und „sofern die Untersagung zum Schutz der Allgemeinheit erforderlich ist”.

Zumindest hat sich der Tagesthemen-Beitrag für einen Hamburger Geschäftsmann bereits als Glücksfall erwiesen. „Sie haben mich davor bewahrt, am Sonntag nach Dubai zu fliegen”, sagte er Immel am Donnerstag in einem Telefonat.