Ingenieurdienstleister FEV aus Aachen: Wie dumme Autos schlau werden

Ingenieurdienstleister FEV aus Aachen : Wie dumme Autos schlau werden

Der Weg zum autonomen Fahren ist mit riesigem Testaufwand verbunden, damit Fahrzeuge die richtigen Entscheidungen treffen. Der Aachener Entwicklungsdienstleister FEV hat dafür eine Lösung parat.

Autos sind erstmal dumm. Kein Wunder, sie sind ja auch nur ein Haufen Blech und Plastik, der jedoch zunehmend mit Silizium voll gestopft wird – in Form von Computerchips. So kann das Auto von heute schon einiges mehr als seine nicht elektronischen Vorfahren.

Die Urväter der Hilfssysteme wie Antiblockiersystem (ABS), Traktionskontrolle, Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP) oder Tempomat haben über die Jahre schon manch elektronische Brüder und Schwestern bekommen: Einparkhilfe, Totwinkelassistent, Spurhaltesystem, autonomes Notbremssystem und, und, und. Es werden immer mehr. Die Kontrolle über das Fahrzeug hat aber immer noch die intelligenteste Komponente: der Mensch.

Das könnte sich in nicht ferner Zukunft ändern. Wie wild wird im Bereich des autonomen Fahrens geforscht und entwickelt. Um das Ziel zu erreichen, muss das Auto – oder besser die darin verbaute Technik – lernen, die richtigen Entscheidungen in allen möglichen Fahrsituationen zu treffen. Hört sich komplex an, ist es auch. Denn mit diesem Lernprozess ist ein gigantischer Testaufwand verbunden. Ein Feld, auf dem sich der auch der weltweit agierende Entwicklungsdienstleister FEV aus Aachen tummelt. Seine Lösung für diese besondere Art der Nachhilfe im Fach „Wir machen Autos schlau“ präsentiert FEV – 6400 Mitarbeiter global, 2100 in Aachen und Alsdorf – derzeit gemeinsam mit Microsoft auf der IAA in Frankfurt.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel weiß nun zumindest ungefähr, wie das funktioniert, schließlich ließ sie sich am Donnerstag vor Ort das FEV-System von Firmenchef Stefan Pischinger erklären. Basis des Ganzen ist zunächst eine unvorstellbare Zahl: Experten gehen davon aus, dass zwischen dem heutigen Stand und dem Ziel autonomes Fahren bis zu 16 Milliarden Testkilometer liegen. Das würde reichen, um über 20.000 Mal zum Mond und wieder zurück zu fahren. Bei den Touren werden Daten gesammelt – laut FEV bis zu 40 Billionen Byte (Terabyte) an einem einzigen Testtag. Und diese Datenmengen müssen dann auch noch ausgewertet werden. Wegen der unglaublichen Datenmengen arbeitet FEV mit Microsoft zusammen und nutzt deren Cloud Azure.

Für das Training der Künstlichen Intelligenz (KI) sei allerdings nicht die Anzahl der Test entscheidend, sondern die Menge der „erfahrenen“ Situationen. So muss sich das Auto am Ende beispielsweise nicht nur fragen, wie und wann es auf der Autobahn überholt, es muss auch unfehlbar die richtige Antwort parat haben. Und das für jede denkbare Situation im Straßenverkehr. FEV hat für diese Entwicklungen ein eigenes Datenmanagementsystem entwickelt.

Rollt das Testfahrzeug –  FEV hat mittlerweile im Programm „Smart Vehicle“ eine ganze Flotte davon – über die Straßen, werden die Daten verschiedenster Sensoren gesammelt und in Echtzeit an einen Server übertragen. Gleichzeitig werden wichtige Fahrszenarien gleich rechnerisch ausgewertet und umgehend an die damit befassten Ingenieure gesendet. Die wiederum können damit ganze Testflotten koordinieren.

Von den eigenen Entwicklungen kann FEV am Ende auch selber profitieren, entwickelt man doch mit „Sven“ (Shared Vehicle Electric Native) ein eigenes und vor allem für Carsharing vorgesehenes  Elektro-Stadtmobil. „Sven“ wird auch darauf vorbereitet sein, zukünftig die Intelligenz zum autonomen Fahren implantiert zu bekommen.

Ein Kuriosum ist, dass ausgerechnet diese elektromobile Zukunft gerade dazu führt, dass FEV an seinen Verbrennerprüfständen mangels Aufträgen – die Autohersteller rücken zusehends von neuen Benzinern oder Dieselfahrzeugen ab – Kurzarbeit anmelden musste.

Umso mehr gilt für den Aachener Dienstleister, dies mit den Themen der Zukunft zu kompensieren. Zum Beispiel, dumme Autos schlau zu machen.

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