Aachen: Wie Digitalisierung die Baustellen von morgen verändert

Aachen: Wie Digitalisierung die Baustellen von morgen verändert

Die Baubranche befindet sich im Wandel. Damit steht sie natürlich nicht alleine da. Neue Technologien schlagen sich in allen wirtschaftlichen Zweigen durch. Doch in der traditionellen Baubranche prallt die Digitalisierung auf tief verinnerlichte Denkmuster.

„Von den 80er Jahren bis in die 00er Jahre war das schlichte Überleben die Hauptaufgabe vieler Unternehmen, so auch bei uns“, sagte Dieter Laskowski bei seinem Vortrag beim 49. IHK-Forum zum Thema „Zukunft am Bau — wird alles anders?“.

Laskowski ist Geschäftsführer des Aachener Bauunternehmens Derichs u Konertz und dafür verantwortlich, die Firma und deren 120 Mitarbeiter in eine sichere Zukunft zu führen. Damit das gelingt, war in dem 1926 gegründeten Familienunternehmen erst einmal Umdenken nötig. Raus aus dem Überlebens-Modus und rein in das digitale Zeitalter. Mit einem Paradigmen-Wechsel geht aber auch immer ein Risiko einher. „Wir sind ein klassisches Bauunternehmen, keine IT-Firma. Wir mussten also sehr viel investieren, um auf der Höhe der Zeit zu sein. Für ein Unternehmen, das lange um das reine Überleben gekämpft hat, ist das schwer“, sagt der Geschäftsführer.

In seinem beruflichen Leben hat Laskowski aber weder Wandel noch Risiken gescheut, wie er im Gespräch mit Moderatorin Anja Clemens-Smicek, Chefin vom Dienst dieser Zeitung, erzählt. Zehn Mal wechselte der Bauingenieur seinen Wohnort, um an besonderen Projekten mitarbeiten zu können. Eines davon war der Reichstag in Berlin und die Zusammenarbeit mit Architekt Lord Norman Foster.

Seit drei Jahren ist Laskowski nun an der Spitze des Aachener Bauunternehmens tätig, das sich auf die Bereiche Schlüsselfertigbau, Projektentwicklung und Projektmanagement spezialisiert hat. Um die Firma fit für die Zukunft zu machen, ist Laskowski bemüht, den anstehenden digitalen Wandel als Chance zu begreifen. Zukunftsfähig soll der Mittelständler besonders durch den „Lean Construction“-Ansatz werden. „Das Ziel ist es, Gebäude so sauber wie möglich zu planen, um sie schnell und ordentlich bauen zu können“, erklärt Laskowski. Daher habe sein Unternehmen die Projektplanung komplett verändert und digitalisiert, um Baustellen schneller abwickeln zu können.

Hoher Anspruch an Mitarbeiter

Mit Hilfe des innovativen Planungsverfahrens BMI (Building Information Modelling) wird zudem die Angebotsvorbereitung für Kunden schneller. Dank detaillierter 3D-Modelle der geplanten Bauwerke können Probleme bereits vor der Bauphase erkannt und vermieden werden. „Die technisch anspruchsvolle Arbeit kann allerdings nur von Menschen geleistet werden, die fit in dem Bereich sind“, sagt Laskowski. Daher habe das Unternehmen seine Mitarbeiter um 40 Hochschulabsolventen ergänzt. In Zeiten von Nachwuchs- und Fachkräftemangel war das kein leichtes Unterfangen.

Was bleibt, sind Überraschungen

Bald sollen auch Bauakten und Abrechnungen vollständig digitalisiert werden. Das Unternehmen will zudem weiter wachsen, allerdings „mit Bedacht“. Denn auch in Zeiten, in denen alles den Anschein hat, kalkulier- und rationalisierbar zu sein, werde die Baubranche immer wieder von Überraschungen heimgesucht, sagt Laskowski: „Von einem Tag auf den anderen steigt der Preis für Fenster um zehn Prozent. Am nächsten Tag verlängert sich die Lieferzeit von Kalksandstein von einer Woche auf acht.“

Trotzdem ist ständige Vorsicht für Laskowski nicht der richtige Ansatz. „Ihr müsst etwas riskieren“, gibt er seinen Zuhörern im IHK-Foyer mit auf den Weg. IHK-Präsident Wolfgang Mainz sieht gerade bei mittelständischen Unternehmen großes Potenzial, dass sie für den digitalen Wandel wappnet: „Digitalisierung ist das, was Unternehmen zukunftsfähig macht. Aber das Traditionelle der Familienunternehmen ist es, das ihnen die starken Wurzeln für den anstehenden Wandel gibt“, sagt Mainz.

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