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Aachen: „Werte, mit denen wir leben können”

Aachen : „Werte, mit denen wir leben können”

Zufrieden zeigt man sich beim führenden deutschen Hersteller von Lebkuchen und Printen, der Lambertz-Gruppe in Aachen, mit dem Ergebnis der aktuellen Acrylamid-Untersuchungen´.

Zwar gibt es immer noch Gebäcke, die mit dem möglicherweise Krebs erregenden Stoff Acrylamid belastet sind. Allerdings handelt es sich dabei nicht um Lambertz-Erzeugnisse.

Darauf weist der für Qualitätssicherung zuständige Geschäftsführer Hannes Wieczorek in einem Gespräch mit dieser Zeitung hin und belegt dies mit der im Dezember-Heft der Zeitschrift „Öko-Test” veröffentlichten Lebkuchen-Untersuchung.

Gut abgeschnitten

Von den 20 getesteten Gebäcken hätten sieben Lambertz-Produkte mit „sehr gut” und zwei mit „gut” abgeschnitten.

Auch aus einer Untersuchung durch die Verbraucherorganisation „Foodwatch” sei ein Lambertz-Produkt als Testsieger hervorgegangen. „Das sind Werte, mit denen wir leben können”, stellte er nicht ohne Stolz fest.

Damit könne sein Unternehmen, so Wieczorek, jetzt die Früchte der über zweijährigen Forschungsanstrengungen ernten, die Acrylamid-Werte in den Gebäcken herunterzudrücken. „Das hat uns Arbeit und viel Geld gekostet”, stellt Wieczorek fest.

Nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist 2004 im Vergleich zum Vorjahr der Acrylamidgehalt in Spekulatius um 32 Prozent und in Lebkuchen um 28 Prozent zurückgegangen.

„Tatsächlich verzeichnet das Jahr 2004 wohl die bisher größte Erfolgsstory in Sachen Acrylamid-Reduktion”, jubelt der Verbraucherdienst AID.

Nachdem Acrylamid noch 2002 für Schlagzeilen sorgte, hat der Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie (BDSI), zu dem auch die Kartoffelchips-Hersteller gehören, mit einem Investitionsvolumen von 600.000 Euro gut 15.000 Lebensmittelproben von Mitgliedsfirmen analysiert.

Gemeinsam mit den betroffenen Herstellern wurden neue Rezepte und Verfahren getestet und in diesem Jahr großflächig in die Praxis umgesetzt.

Vor allem, so Hannes Wieczorek, habe man auf Backtriebmittel wie Hirschhornsalz (Ammoniumhydrogencarbonat) verzichtet und mit niedrigeren Temperaturen gebacken.

Die aktuellen Maximalwerte des BDSI, die nicht für die durchschnittliche Belastung stehen, sondern für Spitzenbelastungen, betragen bei feinen Backwaren ein Zehntel und bei Lebkuchen ein Drittel der vom BVL ausgewiesenen Werte.

Gefahr durch Schnitzel?

Acrylamid entsteht beim Erhitzen stärkehaltiger Speisen. Wieczorek vermutet deshalb, dass eine Hausfrau, die ein Schnitzel mit einer tiefbraunen Panade brutzelt, mehr Acrylamid erzeugt, als jemand, der eine Saison lang Spekulatius und Lebkuchen verzehrt.