Eine optimistische Zukunft?: Wasserverband investiert 238 Millionen Euro

Eine optimistische Zukunft? : Wasserverband investiert 238 Millionen Euro

Die Wehebachtalsperre und das Klärwerk Düren beschäftigen den Wasserverband Eifel-Rur (WVER) und die Kommunen vor Ort. Eine Bestandsaufnahme.

Klimawandel: Der vergangene Sommer war zu heiß und vor allem viel zu trocken. Die Monate Juli und August haben den Wasserpegeln in den Talsperren der Eifel stark zugesetzt. „Der Klimawandel ist auf jeden Fall spürbar, auch hier bei uns“ sagt Christof Homann vom Wasserverband. Optimistisch ist er trotzdem. Der Zustand der Anlagen sei gut, das Wasser aus Eifel und Rur bis in die Niederlande gefragt. Die Maas, die Belgien viel zu warm verlässt, wird ab Roermond durch den Zufluss aus der Rur angereichert und sichert so die Qualität des Trinkwassers im EU-Ausland.

Naturschutz und Gesundheit: Seit den Neunzigerjahren werden Auen und Flüsse vom Wasserverband nach und nach wieder in ihren ursprünglichen Fluss gebracht. Vorher hatte man jahrzehntelang begradigt, um die umliegenden Flächen effizienter nutzen zu können. Wenn jetzt Neubaugebiete entstehen, müssen die Kommunen nicht immer neue Rückhaltebecken bauen. In den Flüssen ist mittlerweile nämlich wieder genug Platz für höhere Wasserstände. Sorgen macht dem Verband die Belastung des Wassers mit Keimen und Antibiotikarückständen. „Die Tendenz ist rückläufig, aber die Pharmaindustrie sagt uns, dass Tiere immer noch mit Antibiotika gefüttert werden, obwohl sie gar nicht krank sind“ sagt Frank Jörrens. Die Kläranlage Düren war im letzten Jahr außerdem mehrmals von Legionellen befallen. Der Verband prüft die Werte ständig und setzt eine Ozonbestrahlungsanlage gegen die Bakterien ein.

Sicherheit der Talsperren: Für sechs Talsperren im Bereich der Nordeifel ist der WVER zuständig. 800.000 Menschen zwischen Heinsberg und Kall in der Eifel werden daraus mit Trinkwasser versorgt. Bereits vor über 100 Jahren sind die ersten Anlagen gebaut worden. Damals konnte allein aus der Rur nicht genügend Trinkwasser für die Menschen in der Region entnommen werden. In den 1960er Jahren hat es zwar Modernisierungen gegeben, aber der Blick ins Ausland macht den Wasserverband nachdenklich. Jüngst hat es Dammbrüche in Asien, Brasilien und Polen gegeben.Um solche Katastrophen in der Eifel zu verhindern, will der Verband in Zukunft noch enger mit Hilfswerken und Politik kooperieren. In der Vergangenheit hat man gute Erfahrungen mit Notfallübungen gemacht, um zu ermitteln, welche Straßen im Falle eines Unglücks nicht mehr passierbar sind.

Trinkwasserqualität: Die Wehebachtalsperre liegt am weitesten außerhalb des Eifelgebiets und profitiert nicht von den starken Niederschlägen dort. Statt möglicher 24 Millionen Kubikmeter sind dort derzeit nur 9 Millionen Kubikmeter Wasser enthalten. Obwohl kein zusätzliches Chlor zugeführt worden ist, kommt es derzeit zu unangenehmem Chlorgeruch des Trinkwassers in Eschweiler und Alsdorf. Gesundheitsgefährdend ist das aber nicht. Die Wasseranbieter vor Ort prüfen die Trinkwasserqualität täglich und melden gute Werte.

Investitionsstau bei Abwasseranlagen: Wir müssen in Zukunft Budgets vorab planen und Termine unbedingt einhalten“, sagt Miriam Vieten. 238 Millionen Euro müssen insgesamt in die Erneuerung der Wasseranlagen gesteckt werden. 40 Millionen sollen jährlich ausgegeben werden. Größtes Sorgenkind des Verbands ist das Klärwerk Düren. Die Kläranlage Düren läuft auf Anschlag, vor allem die Dürener Industrie entsorgt hier ihre Abwässer.

Um die marode Kanalisation sanieren zu können, muss schnellstmöglich ein zweites Abwasserrohr zwischen Birkesdorf und der Kläranlage nördlich der Autobahn 4 verlegt werden. Der Umbau ist aber alternativlos. Eine Betondecke ist bereits eingebrochen, die Rohre sind derart marode, dass Anwohner über schlechte Gerüche aus der Kläranlage klagen.

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