Wasserstoff-Tankstelle am Prager Ring eröffnet

Ein Bindeglied und kein Konkurrent : Erste Wasserstoff-Tankstelle in Aachen

In der Stadt der Streetscooter gibt es jetzt eine Wasserstoff-Station. Das zeigt, dass Batterie und Brennstoffzelle sich ergänzen können.

Der Toyota Mirai schnurrt nicht, wenn er gestartet wird. Er surrt nicht einmal nennenswert. Fast lautlos rollt das Wasserstoffauto an, zu hören sind außen wie innen nur Reifengeräusche, dann mischt es sich unter den dröhnenden Verkehr auf dem Aachener Außenring. Zu beobachten ist das seit Freitag an der Shell-Tankstelle am Prager Ring, denn dort hat die erste Wasserstoff-Station der Region eröffnet.

Die nächste Tankstelle ist in Frechen, eine weitere ist in Mönchengladbach geplant. Bauherr ist bei allen dreien das Gemeinschaftsunternehmen H2 Mobility, zu dem Daimler, die Gaskonzerne Linde und Air Liquide, das Öl- und Gasunternehmen OMV sowie die Mineralölkonzerne Shell und Total gehören. Inklusive der Tankstelle in Aachen gibt es 16 von H2 Mobility betriebene H2-Tankstellen in NRW, deutschlandweit sind es 71. Bis Ende des Jahres sollen es 100 Tankstellen sein. 400 darf das Unternehmen in Deutschland bauen und betreiben. Zum Vergleich: Laut ADAC gibt es 14.118 herkömmliche Tankstellen in Deutschland (Stand: 2018).

400 – das klingt zunächst nicht viel. Aber H2 Mobility hofft, dass man damit den Verkauf von umweltfreundlichen Wasserstofffahrzeugen ankurbeln kann: „Die Forschung hat festgestellt, dass Menschen einen Umweg von bis zu fünf Kilometer in Kauf nehmen, wenn sie auf eine neue Technologie umsteigen“, erklärt Pressesprecherin Sybille Riepe. Daher gilt: je mehr Tankstellen es gibt, desto einfacher wird der Umstieg auf das H2-Auto.

500 Fahrzeuge zugelassen

Derzeit sind nur rund 500 solcher Fahrzeuge in Deutschland zugelassen. Mit dem Ausbau gehen die Betreiber auch das „Henne-Ei-Problem“ an, das Wasserstoffautos bis heute ein Nischendasein beschert: Die wenigen Tankstellen sorgen für geringe Absatzzahlen, geringe Absatzzahlen sorgen für hohe Preise und wenig Nachfrage nach Tankstellen. H2 Mobility rechnet mit einem Ansteigen der Verkaufszahlen ab 2020.

Das wäre wichtig für eine Technologie, die möglicherweise das Bindeglied zwischen dem batteriebetriebenen Elektroauto und dem Verbrenner werden könnte. Denn das Wasserstoffauto vereinigt die Vorteile eines Verbrenners und eines Elektroautos. Björn Wierskalla von Hyundai Motor Deutschland, der bei der Eröffnung der Tankstelle den Hyundai Nexo vorstellte, nennt vier Vorteile der mit Brennstoffzellen betriebenen Autos: „Die Tankzeit, die Reichweite, die Wintertauglichkeit und die Unabhängigkeit vom Parkplatz.“

Die Tankzeit beträgt drei bis sieben Minuten, die Reichweite ist mit einem Verbrenner vergleichbar, die von der Brennstoffzelle erzeugte Wärme kann im Winter als Heizung genutzt werden und man ist nicht von einem Parkplatz mit Ladesäule abhängig. Kritikpunkte, denen sich das batteriebetriebene Elektroauto immer wieder ausgesetzt sieht. Dazu kommt, dass ein Brennstoffzellen-Motor weitaus weniger wiegt als eine herkömmliche Batterie in einem E-Auto. Der Antrieb sei deshalb besonders attraktiv für Schwerlastverkehr. Thomas Bystry, ehemaliger Projektleiter „Wasserstoff“ bei Shell und ebenfalls in Aachen zugegen, sieht einen weiteren Vorteil bei den Brennstoffzellenautos: den Erhalt von Arbeitsplätzen.

Obwohl die Bundesregierung nun Millionen für eine Forschungsfabrik in Münster mit der Beteiligung der RWTH Aachen ausgeben möchte, sei für die Batterieherstellung in Deutschland der Zug bereits abgefahren. Ausländische Hersteller seien längst viel weiter, erklärt Bystry. Das wirke sich wirtschaftlich auf die deutschen Autozulieferer aus. Bei der Brennstoffzelle hingegen gebe es in Deutschland Kompetenzen, die genutzt werden sollten. Autozulieferer könnten sich beispielsweise auf die Herstellung von Brennstoffzellen fokussieren. Zudem würden selbstverständlich durch Wartung und Reparatur weitere Arbeitsplätze erhalten bleiben.

Keine Konkurrenz

Gleich mehrere Verantwortliche betonen, dass die Batterie und die Brennstoffzelle nicht miteinander in Konkurrenz stehen müssen. Der kleine, günstige Wagen mit Batterie sei gut geeignet für den Stadtverkehr, wo es weder großer Reichweite noch eines großen Transportvolumens bedarf. Für Spezialfahrzeuge, wie etwa Müllwagen, könne hingegen die Brennstoffzelle besser geeignet sein. Für den in Aachen gebaute Streetscooter wird es ab 2020 einen „Range Extender“ geben, eine Brennstoffzelle die der Batterie zugeschaltet werden kann. Dann sind auch längere oder hügeligere Strecken für die Elektroflitzer kein Problem mehr.

Wer noch weiter in die Zukunft blicken will, der sieht vielleicht Schiffe, Züge und Flugzeuge mit Brennstoffzellen. Bei Schiffen ist die Technologie schon angekommen: Auf dem Baldeneysee in Essen dreht ein Ausflugsdampfer mit Brennstoffzelle bereits seine Runden.

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