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Telefonaktion mit Experten vom Steuerberaterverband: Was für die Steuererklärung 2019 zu beachten ist

Telefonaktion mit Experten vom Steuerberaterverband : Was für die Steuererklärung 2019 zu beachten ist

Drei Experten aus dem Steuerberater-Verband Köln haben während der Telefonaktion unserer Zeitung Ihre Fragen zur Steuererklärung beantwortet.

Zum Jahresbeginn wurden wieder eine ganze Reihe neue steuerliche Regelungen wirksam, und einige vom Gesetzgeber beschlossene Änderungen im Steuerrecht sind entweder 2019 in Kraft getreten oder gelten ab 2020. Der Beratungsbedarf ist daher groß. Viele unserer Leserinnen und Leser nutzten die Gelegenheit, den Rat der Steuerberater einholen.

Drei Experten aus dem Steuerberater-Verband Köln haben während der Telefonaktion unserer Zeitung Ihre Fragen zur Steuererklärung beantwortet: Egbert Dahley, Vizepräsident im Steuerberater-Verband Köln, Steuerberaterin Brigitte Westerkamp und Steuerberater Ralf Forné, stellvertretender Bezirksvorstand Aachen.

„Wichtig ist generell, die Steuererklärung pünktlich abzugeben“, empfiehlt Egbert Dahley. Allerdings sollen Zuschläge, die normalerweise bei verspäteter Abgabe drohen, in diesem Jahr – bedingt durch die Corona-Krise – erlassen werden. Auch auf die Vollstreckung von überfälligen Steuerschulden soll verzichtet werden. Dies betrifft die Einkommen- und Körperschaftsteuer sowie die Umsatzsteuer.

Auch für Steuerpflichtige, die gesetzlich nicht dazu verpflichtet sind, kann sich die Abgabe einer Steuererklärung lohnen, denn in den vergangenen Jahren lag die Steuerrückerstattung im Schnitt bei knapp 900 Euro. Im Folgenden werden einige Fragen unserer Leser beantwortet:

Muss ich dem Finanzamt jedes Mal wieder alle meine Daten angeben, oder werden diese gespeichert?

Daten, die dem Finanzamt bereits vorliegen, muss man nicht mehr ins Formular eintragen. Das Finanzamt übernimmt die elektronisch gemeldeten Daten. Eine Kontrolle dieser vom Finanzamt angesetzten Daten ist im Einkommensteuerbescheid möglich. Es ist daher dringend zu empfehlen, den Einkommensteuerbescheid 2019 genau zu prüfen.

Ich bin schon seit einigen Jahren Rentner, meine Frau ist erst seit 2019 in Rente. Müssen wir eine Steuererklärung abgeben?

Für Ihre Frau beträgt der Besteuerungsanteil 78 Prozent. Diesen multiplizieren Sie mit ihrer Jahres-Bruttorente. Von diesem Ergebnis sind Kranken- und Pflegeversicherung abzugsfähig, gegebenenfalls auch außergewöhnliche Belastungen und Behindertenpauschbeträge, zuzüglich der Rentenversteuerung des Ehemanns aus dem Steuerbescheid 2018. Wenn nach Abzug aller Kosten weniger als 18.336 Euro stehen bleiben, ist keine Steuerpflicht gegeben.

Ich bin Rentner und habe einen Behindertenausweis. Welche Ausgaben kann ich steuerlich geltend machen?

Sie können den Behindertenpauschbetrag in Anspruch nehmen in Abhängigkeit vom Grad der Behinderung oder wahlweise die tatsächlichen Aufwendungen einreichen, die angefallen sind. Bei geh- und stehbehinderten Menschen können – als außergewöhnliche Belastungen – beispielsweise Aufwendungen für Fahrten geltend gemacht werden, die durch die Behinderung veranlasst und unvermeidbar waren – vorausgesetzt, dass sie angemessen sind, glaubhaft gemacht und nachgewiesen werden können.

Meine Frau und ich sind Rentner. Zu unserer körperlichen Entlastung haben wir uns einen Rasenroboter gekauft. Können wir die Anschaffungs- und Installationskosten steuerlich geltend machen?

Der Lohnanteil der Installationskosten kann als haushaltsnahe Dienstleistung steuerlich angesetzt werden, die Kosten für den Mähroboter leider nicht.

Ist die Rente steuerfrei, wenn der Renteneintritt vor 2005 geschah?

Nein. Die Renten waren schon immer steuerpflichtig. Aufgrund der niedrigen Versteuerungsanteile (Ertragsanteile) fiel jedoch häufig keine Steuer an. Der Grundfreibetrag für Ehegatten beträgt aktuell 18.336 Euro. Nur wer nach Abzug aller Kosten, die steuerlich geltende gemacht werden können, unter diesem Betrag bleibt, zahlt keine Steuern.

(Allgemeiner Hinweis: Stirbt einer der Partner, sollte man rechtzeitig eine Beratung hinsichtlich der künftigen Steuerbelastung in Anspruch nehmen, um eine Anpassung von Vorauszahlungen vorzunehmen.)

In den letzten drei Jahren wurde mir vom Finanzamt nicht mehr – wie in den Jahren zuvor – eine Nicht-Veranlagungs-Bescheinigung zugestellt. 2019 sind allerdings Zinserträge in Höhe von über 1000 Euro angefallen, so dass Kapitalertragsteuer an das Finanzamt abgeführt wurde.

Um diese Steuer erstattet zu bekommen, muss eine Steuererklärung eingereicht werden, wobei abzuschätzen ist, ob die Steuererstattung durch etwaige Kosten der Steuererklärung nicht verbraucht wird. Sollten weiterhin höhere Zinseinnahmen kommen, müsste wieder eine Nicht-Veranlagungs-Bescheinigung beantragt werden.

Meine 90-jährige Mutter erhält Pflegegeld, das sie mir als der sie pflegenden Tochter überlässt. Wie ist dieses Pflegegeld steuerlich zu behandeln?

Das Pflegegeld ist steuerfrei und nicht unter „Progressionseinkünfte“ zu erfassen, sofern nahe Angehörige die Pflege übernehmen.

Ich bin Rentner und beziehe nur meine Rente und Pension. Da sich die Formulare zur Einkommensteuererklärung jedes Jahr ändern, ist es für mich schwierig zu erkennen, wo die Werte einzutragen sind.

Da sowohl deutsche Rententräger als auch die Kassen für Versorgungsbezüge ihre Daten automatisch an die Finanzverwaltung übermitteln, ist es im Zweifel möglich, die Werte von den Ämtern und Kassen eintragen zu lassen. Steuermindernde Eintragungen müssen jedoch nach wie vor vom Steuerpflichtigen selbst eingetragen werden (beispielsweise Spenden, haushaltsnahe Dienstleistungen, Behindertenausweis).

Können in einem Erbfall Steuern, die in den Niederlanden angefallen sind und dort entstandene Rechtsanwaltskosten in der Einkommensteuererklärung angesetzt werden?

Diese Kosten stehen in keinem Zusammenhang mit Einkünften und sind nicht absetzbar.

(red)