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Alsdorf: Warum die Zukunft des Handwerks in Alsdorf liegt

Alsdorf : Warum die Zukunft des Handwerks in Alsdorf liegt

Handwerk hat goldenen Boden — heißt es. Aber die Realität erfordert weit mehr als „nur“ handwerkliches Geschick, will ein Meister mit seiner Firma am Markt bestehen und mit Aufgaben und Aufträgen wachsen.

Wer eine moderne Heizungsanlage unter schwierigen Umständen in einem älteren Haus perfekt montieren kann, der ist noch längst kein guter Kaufmann. Und wer es verbrieft zum Meister seines Fachs gebracht hat, ist noch längst kein guter Lehrmeister, der seinen Auszubildenden und Gesellen die notwendige Betreuung und Förderung zukommen lässt. Von angemessener Kundenbetreuung ganz zu schweigen.

Das Konzept steht, der Bauantrag ist gestellt: An der Ecke Kurt-Koblitz-Ring/Grenzweg sollen die „Akademie Zukunft Handwerk“, die Team Steffen AG und später auch weitere Firmen Einzug halten. Skizze: Architekten K2
Das Konzept steht, der Bauantrag ist gestellt: An der Ecke Kurt-Koblitz-Ring/Grenzweg sollen die „Akademie Zukunft Handwerk“, die Team Steffen AG und später auch weitere Firmen Einzug halten. Skizze: Architekten K2

Oft fehlt die Zeit dazu. „Bis zu sieben Mitarbeiter kann man noch führen. Darüber hinaus lässt sich das nicht mehr zufriedenstellend leisten“, sagt Rolf Steffen, Chef der Team Steffen AG. Diese Probleme und noch viele mehr hat Steffen erkannt — und seine Konsequenzen daraus gezogen, nicht nur für sich. „In der Entwicklung vom Meister zum Unternehmer habe ich viel Lehrgeld gezahlt. Das will ich anderen ersparen helfen“, sagt er.

Managementprobleme lösen

In seiner „Akademie Zukunft Handwerk“ will er in noch weitaus größerem Umfang als bisher Führungskräfte für das deutsche Handwerk fördern und ausbilden — am Standort Alsdorf. Auf einem von ihm erworbenen Areal an der Ecke Kurt-Koblitz-Ring/Grenzweg will er mit Partnern rund acht Millionen Euro investieren, um dort mit der eigenen Firma zu expandieren, aber auch die „Akademie Handwerk“ weiter aufblühen zu lassen.

Dabei hat der Unternehmer Steffen mittlerweile eigentlich allen Anlass, die Dinge in Zukunft etwas ruhiger angehen zu lassen. Er kann auf ein beachtliches Lebenswerk blicken. Als Handwerksmeister, der im öffentlichen Dienst begann, hat er mit Weggefährten die Team Steffen AG aufgebaut. Diese Firma — Untertitel: Innovation für Energiesysteme und Gebäudetechnik — mit Hauptsitz an der Schaufenberger Straße in Alsdorf und weiterer Betriebsstätte am Arnold-Sommerfeld-Ring in Baesweiler — zählt derzeit gut 70 Mitarbeiter. Nach zuletzt nicht einfachen Zeiten — ein Großkunde geriet in Schwierigkeiten, die Folgen der allgemeinen Krise der Finanzmärkte wollten aufgefangen sein — hat das Team Steffen wieder festen Tritt gefasst, erzählt der Chef.

Also weiter so und persönlich etwas kürzer treten? Das ist nicht die Sache von Rolf Steffen. Der Unternehmer will im wahrsten Sinne des Wortes weiter etwas unternehmen. Zum einen soll die Team Steffen AG marktgerecht weiter expandieren. Da reicht der Platz am Firmenstammsitz schon lange nicht mehr aus. Zum anderen will Steffen seinen Lebenstraum, die „Akademie Zukunft Handwerk“, weiter ausbauen und die damit verbundenen Inhalte und Konzepte möglichst vielen anderen Betrieben, nicht nur in der eigenen Branche, und deren (angehenden) Führungskräften vermitteln helfen.

„Das Problem des Managements bzw. der Unternehmensführung stellt sich für alle Handwerksbetriebe, nicht nur für die Haustechnik, mit der sich die Team Steffen AG befasst. Die ‚Akademie Zukunft Handwerk‘ ist von grundlegender Bedeutung. Um hier unsere Visionen zu realisieren und bei der Beseitigung von Problemen zu helfen und die Ausbildung von dringend benötigten Führungskräften zu befördern, brauchen wir das neue Grundstück“, sagt Steffen. „Der Bedarf und die entsprechende Nachfrage sind groß. Viele Firmeninhaber stellen sich die dringende Frage: Wo kann mein Junior bzw. mein Nachfolger lernen, Unternehmer zu sein?“

Erfahrungen von Alt auf Jung im eigenen Unternehmen zu übertragen, ist oft schwer. Es gilt die Erkenntnis: Der Prophet im eigenen Land wird kaum gehört. Hier helfen Erfahrungen, die angehende Führungskräfte außerhalb machen. Da sorgt Distanz später für die richtige Nähe und angemessene Sichtweise im eigenen Unternehmen.

„Es gibt in Deutschland im Bereich Handwerk keine wirkliche Ausbildung zum Unternehmer“, hat Steffen nach intensiver Beschäftigung mit den Gegebenheiten für sich erkannt. Ihm geht es um die „Veredlung des Fachwissens hin zum Unternehmer“. Er weiß eine Reihe von „namhaften Unterstützern“ auf seiner Seite.

Bereits zum sechsten Mal hat er die „Uptodate-Unternehmertage“ als Informations- und Kommunikationsplattform für inhabergeführte Handwerksunternehmen organisiert. In Düsseldorf ging es drei Tage lang um „Erst-Zertifizierung und Re-Zertifizierung zum Profi im Handwerk“. Zu den Unterstützern bzw. Qualifizierungspartnern gehören so namhafte Firmen wie Viessmann, Stiebel Eltron, Esylux, Hilti, Keramag, Gira und Uponor. Allen gemeinsam ist das Ringen um Qualität und sinnvolle und effektive Unternehmensführung — und zwar auf verschiedensten Ebenen, sagt Steffen. Inzwischen sind über 100 Unternehmen zum „Profi im Handwerk der Uptodate-Offensive“ zertifiziert worden. Steffen hat das Projekt „Duales Management-Studium“ für Gesellen und Bürokaufleute ins Leben gerufen. Inhaltlich geht es um Identifikation mit dem eigenen Betrieb, kaufmännische Betriebswirtschaft, interne Qualitätsansprüche (Organisation), Kundenorientierung und Spitzenleistung sowie Qualitätsmanagement. Das Studium findet parallel (also dual) zur Berufsausübung statt, und zwar am Computer daheim im Zuge von sogenannten „E-Learning-Stunden und -Veranstaltungen“ im virtuellen Hörsaal.

„Lernen im Kundenauftrag“

Steffen ist sich bewusst, dass dies Mitarbeitern einiges an Selbstdisziplin abverlangt, was aber letztlich ihnen selbst, der Arbeitsplatzsicherung, dem Kunden und dem Unternehmen zugutekommt. Das Basisstudium schließt mit einer Prüfung an der „Akademie Zukunft Handwerk“ ab. Der Absolvent ist dann „Geprüfter Auftragsmanager“ und kann durch ein Aufbaustudium mit weiterer Prüfung „Geprüfter Leistungs-Center-Manager“ werden.

Und da gibt es noch das Projekt „Lika — Lernen im Kundenauftrag“, das in Kooperation mit der Universität Bremen unter der Leitung von Prof. Dr. Manfred Hoppe als „berufspädagogische Weiterbildung für eine zukunftsorientierte Ausbildung“ initiiert wurde. „Die Auszubildenden von heute sind die Kundendiensttechniker und Betriebsleiter von morgen“, betont Steffen. Um Kunden jedoch kompetent bedienen und besonderen Service bieten zu können, gehören nach Auffassung des Alsdorfer Unternehmers neben der fundierten Fachkompetenz auch eine ausgeprägte Kundenorientierung und das Verständnis für ganzheitliche betriebswirtschaftliche und organisatorische Zusammenhänge dazu. Im Zuge von „Lika“ erhalten Auszubildende die Möglichkeit, Kundenprojekte eigenverantwortlich und selbstständig umzusetzen: von Auftragsannahme über Planung, Umsetzung bis hin zum (kaufmännischen) Abschluss.

Natürlich verfügt die „Akademie Zukunft Handwerk“ auch über eine Symbolfigur mit Maskottchencharakter: „Leopoldi“. Diese Figur — es handelt sich um einen freundlichen Löwen mit Handwerkerkluft und -ausrüstung — gibt es zum Anfassen und Spielen in Plastik (etwa sechs Zentimeter hoch). Zudem wirbt „Leopoldi“ mit einer Fibel und in einem Buch zum Ausmalen bei Kindern dafür, dass „Papa“ oder „Mama“ Handwerker hin und wieder die (virtuelle) Schulbank zur Fortbildung drücken muss und weniger zum Spielen zur Verfügung steht.

Und wann nimmt das neue Akademiegebäude in Alsdorf Formen an? „Sobald der Bebauungsplan rechtskräftig ist, werden wir loslegen“, betont Steffen. Auf dem Areal Kurt-Koblitz-Ring/Grenzweg will Steffen, der in Ofden wohnend Alsdorf treu bleiben will, zwei sich gegenüberliegende Gebäude (jeweils in L-Form) errichten. Weitere Bauten sind geplant, zu denen unter anderem ein „Vollzeitkindergarten“ zählt, der nicht nur Kinder von Mitarbeitern, sondern auch von Kollegen von Partnerfirmen bzw. Nutzern der „Akademie“ Handwerk bei Bedarf sogar rund um die Uhr betreuen soll. Die „Azubis“ werden in einem Gästehaus untergebracht.

Zudem können weitere Gewerbebetriebe entlang des Kurt-Koblitz-Rings aufgereiht werden. Der Bebauungsplan der Stadt Alsdorf sieht aus Gründen des Schallschutzes in der „zweiten Reihe“ ergänzende Wohnbebauung vor.