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VW überholt Händlernetz

VW überholt Händlernetz

Wolfsburg (an-o/dpa) - Der Kfz-Konzern VW nutzt die EU-Vorgaben für den Autohandel zur Neuausrichtung seines Vertriebs.

VW kündigt die Verträge mit mehr als 8.500 Händlern und Werkstätten der Marken VW, Audi, Seat und Skoda EU-weit zum 30. September 2003, darunter sind rund 3.000 in Deutschland. "Das passiert aber nicht, um ein Reduzierungsprogramm zu fahren", so ein VW-Sprecher am Montag. Wie viele Händler einen neuen Vertrag bekommen, ließ VW offen.

"Eine Lösung muss für die Unternehmen betriebswirtschaftlich tragfähig sein", forderte der Geschäftsführer des VW- und Audi-Händlerverbands, Michael Lamle. Die von der EU-Kommission beschlossene umstrittene Neuregelung für den Autovertrieb in der Europäischen Union wird zum 1. Oktober 2002 in Kraft treten.

Standort-Bindung teilweise aufgehoben

Nach einer Übergangsfrist von bis zu einem Jahr werden Autohändler nicht mehr strikt an eine einzige Marke gebunden sein. Spätestens ab Oktober 2005 wird auch die Bindung der Händler an bestimmte Standorte teilweise aufgehoben.

Letztlich zwingt die reine Kostenrechnung die Autohersteller zur Neuausrichtung und Schnitten ins Netz. Nach Angaben von Prof. Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research der Fachhochschule Gelsenkirchen liegt die Umsatzrendite oft bei weniger als einem Prozent, in den USA sind es zwei Prozent.

Mehr Größe zwingend

"Während in Deutschland das Autohaus im Durchschnitt 135 Neuwagen pro Jahr verkauft, liegt diese Zahl in England bei 395 und in USA bei 780." Die hohen Vertriebskosten im Autogeschäft von mehr als 35 Prozent vom Listenpreis ließen sich durch höheren Verkauf senken. Mehr Größe sei daher zwingend. 2001 verschwanden 1100 von 22 600 deutschen Vertragsbetrieben. Der Trend werde anhalten.