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Düsseldorf: Uniper-Chef: Fortum muss bei Übernahmeangebot konkret werden

Düsseldorf : Uniper-Chef: Fortum muss bei Übernahmeangebot konkret werden

Bewegung im Übernahmekampf um Uniper: Der Energiekonzern will vom finnischen Interessenten Fortum konkrete Vorstellungen zu dessen Übernahmeangebot hören. „Ich erwarte jetzt, dass Fortum-Chef Pekka Lundmark seinen Ankündigungen Taten folgen lässt und schwarz auf weiß verbindliche Aussagen macht. Nur so haben wir überhaupt eine Gesprächsgrundlage”, sagte Uniper-Vorstandschef Klaus Schäfer am Donnerstag der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Bisher habe er seine Informationen weitgehend aus den Medien erhalten - und dort gab es nur unverbindliche Absichtsbekundungen. „Wir warten jetzt erst einmal ab, wann ein Übernahmeangebot der Fortum kommt und wie es konkret aussehen wird”, meinte Schäfer.

Der finnische Versorger Fortum will für den aus dem Eon-Konzern abgespaltenen Kraftwerksbetreiber ein Übernahmeangebot vorlegen. Dieses sieht eine Barzahlung im Gesamtwert von 22 Euro pro Aktie vor. Eon plant Anfang 2018, seinen Uniper-Anteil von knapp 47 Prozent den Finnen anzudienen. Der deutsche Energiekonzern kann das Aktienpaket aber aus steuerrechtlichen Gründen erst im kommenden Jahr verkaufen.

Uniper betrachtet die aktuelle Offerte als feindlich. Wie aus dpa-AFX vorliegenden Unterlagen hervorgeht, waren die Finnen bereits im Juli nach monatelangen Verhandlungen mit Eon bei Uniper mit einem Vorstoß vorstellig geworden. Dabei ging es zunächst um ein mögliches Übernahmeangebot von 19 Euro je Aktie.

Das Uniper-Management hatte sich nach der Prüfung der Vorschläge dagegen entschieden, weil es letztendlich die Zerschlagung des Unternehmens zur Folge gehabt hätte. Damals hatte Fortum laut den Unterlagen eine Anteilshöhe von über 75 Prozent an Uniper angestrebt.

Dem Fernsehsender Bloomberg TV hatte Fortum-Chef Pekka Lundmark am Mittwoch gesagt, er sehe das Geschäft als Investition und nicht als Übernahme. Mit knapp 47 Prozent wäre Fortum bereits zufrieden, das gebe den Finnen ausreichend Einfluss.

Die Pläne von Fortum sorgen bei der Uniper-Belegschaft und den Gewerkschaften für Unruhe. Der Verdi-Konzernbetreuer Immo Schlepper sagte der Deutschen Presse-Agentur, er befürchte, dass am Ende eines solchen Milliarden-Deals die Zerschlagung von Uniper stehen könnte. Dadurch seien mehr als 1000 Arbeitsplätze bedroht.

Weite Teile der Aktivitäten von Uniper passten nicht zur Strategie von Fortum. Dies gelte insbesondere für die Kohle- und Gaskraftwerke, aber auch für den Energiehandel des Konzerns.

Positiv wird das Fortum-Interesse dagegen am Kapitalmarkt gesehen. Der Börsenwert Unipers legte seitdem um rund zehn Prozent auf 8,5 Milliarden Euro zu. Seit der Abspaltung im vergangenen September gewann das Papier knapp 125 Prozent, obwohl Uniper am Anfang von einigen Experten als „Resterampe” verspottet worden war. Doch Übernahme-Spekulationen und eine Neubewertung des Sektors sorgten für eine Rally bei den Papieren von Eon, RWE, Innogy und Uniper.

Uniper beschäftigt 13.000 Mitarbeiter und ist mit einer Erzeugungskapazität von rund 40 Gigawatt einer der größten Stromproduzenten Europas. Der Kraftwerkspark bildete lange das Rückgrat von Eon, bis das Unternehmen 2016 unter dem Druck der Energiewende sein altes Kerngeschäft abspaltete.

(dpa)