1. Wirtschaft

Uhren-Fälschungen immer raffinierter

Uhren-Fälschungen immer raffinierter

Biel/Freiburg (an-o) - Krisenzeiten sind keine goldenen Zeiten für Luxusprodukte wie Uhren aus Edelmetall. Das Geschäft mit Markenuhrenfälschungen floriert daher um so flotter.

"Wir schätzen, dass auf jede produzierte echte Uhr eine falsche kommt", sagt Markus von Burg vom Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie in Biel. Neben den traditionellen Favoriten Rolex, Cartier oder Gucci werden nun selbst Uhren ausgefallener Marken gefälscht. Zu den Abnehmern der Plagiate gehört nicht mehr nur der klassische Pauschaltourist. "Auch Kenner verfallen zunehmend dem Reiz, etwas Verbotenes zu tun", sagt der Marketingexperte Michele Birmelin aus Freiburg. Birmelin hat ein Buch zu dem Thema veröffentlicht- Titel "Gefälschte Armbanduhren - schnell erkannt" (ISBN 3-935737-45-9). Die Fälscher haben erkannt, dass ihre Kunden für gute Arbeit mehr zahlen. "Die Qualität ist besser geworden", räumt von Burg ein.

Imitate aus Taiwan

Birmelin hat Rolex-Imitate untersucht, die in Taiwan und Hongkong für 150 Euro, im Internet für bis zu 1000 Euro den Besitzer wechseln. "Sie verfügen über ein vergleichsweise hochwertiges Automatikwerk, Saphirglas, bestehen aus Edelstahl und sind wasserdicht." Eine solche Uhr lässt sich also nicht mehr daran erkennen, dass ihr Sekundenzeiger - wie bei Quartzwerken üblich - springt statt fließt. Allgemein gilt laut Birmelin: "Die Qualitätsunterschiede zwischen Original und Fälschung sind nicht so groß wie die Preisunterschiede." Konsequenzen müssen Endabnehmer nicht befürchten. "Der private Erwerb gefälschter Uhren ist nicht strafbar", sagt Sönke Ahrens, Partner der Rechtsanwaltssozietät Lovells, Düsseldorf. Gegen gewerbsmäßige Händler bringt Ahrens dagegen für seine Mandanten - meist Industrieunternehmen - die ganze Wucht des Gesetzes in Anschlag. Wer erwischt wird, muss eine Unterlassungserklärung abgeben, seine Bezugsquellen offen legen und saftigen Schadenersatz leisten.

In jüngster Zeit hat Ahrens verstärkt Internet-Plattformen wie Ebay im Auge. Nach Birmelins Erfahrung finden vor allem Edel-Fälschungen online ihre Abnehmer: "Auf der Straße kriegt man die meistens gar nicht."