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Teuro-Glaube ist hartnäckig

Teuro-Glaube ist hartnäckig

Frankfurt (an-o) - Der Teuro-Glaube ist hartnäckig. Die Inflationsrate schwankt seit Monaten um ein Prozent und damit auf dem Niveau von Ende 1999, doch die Mehrheit glaubt immer noch an Preistreiberei durch die Einführung des Euro-Bargeldes.

"Diese Debatte kommt aus dem Bauch und lässt sich mit rationalen Argumenten nicht stoppen", resignierte selbst Bundesbank-Präsident Ernst Welteke vor der Vielzahl an Euro-Hypochondern. "Es grenzt an Hysterie", kritisierte Otmar Issing, Chefvolkswirt der Deutschen Bundesbank.

Nur wenige Teuro-Sünder sind bislang tatsächlich dingfest gemacht worden. Sie sind fast ausschließlich im Dienstleistungssektor zu finden. Das Essen im Restaurant, der Haarschnitt, die Hemdenreinigung, die rituelle Autowäsche am Samstag oder der Kinobesuch wurden überdurchschnittlich teurer.

Doch diese Ausgaben machen nur einen geringen Teil der üblichen Ausgaben eines Haushaltes aus. Die großen Posten wie die Miete wurden meist exakt 1:1,95583 umgerechnet. Die Bundesbank schätzt daher, dass die Umstellung auf das neue Bargeld bei der Teuerungsrate im Januar 2002 mit lediglich 0,2 Prozentpunkten zu Buche schlug.

Stattdessen jagten höhere Steuern für Tabak, Benzin, Diesel, Strom und Versicherungen sowie sprunghaft verteuertes Obst und Gemüse durch Ernteausfälle die Teuerungsrate auf 2,1 Prozent. Solche Erklärungen verhallten jedoch unbeachtet.

Fehlerhafte Umrechnung

Im Gegensatz dazu registrierten Kunden drastische Nachlässe wie bei Computern und Fernsehgeräten nicht, da diese Waren selten gekauft werden - die Erinnerung an ehemalige Preise fehlt. Schon die in Deutschland übliche Umrechnungs-Faustregel von 1 zu 2 ist mit einem Fehler von 2,25 Prozent behaftet. Frankfurt. Dies "gefühlte Inflation" in Euroland betrug im August fünf Prozent. Tatsächlich lag die Teuerungsrate bei knapp über zwei Prozent.

Die Überzeichnung sei eine Bedrohung für den Konsum, warnen die Frankfurter Währungshüter. Tatsächlich wird ein Teil der hartnäckigen Flaute im deutschen Einzelhandel dem "Teuro"-Gefühl zugeschrieben.