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Hannover/Aachen: Technolgiemesse Biotechnica: Region ist stark vertreten

Hannover/Aachen : Technolgiemesse Biotechnica: Region ist stark vertreten

Es ist eine weiterreichende Vision, die Martin Wehner und Dominik Riester mit nach Hannover getragen haben. Mit dem Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT stellen sie auf der am Dienstag eröffneten Technolgiemesse Biotechnica ihre Prototypenanlage „Liftsys“ vor.

„Damit könnten einmal Tierversuche ersetzt und neue Diagnosemöglichkeiten für altersbedingte Krankheiten wie Parkinson oder auch zur spezifischen Krebsdiagnose geschaffen werden“, erklärt Wehner, Leiter der Gruppe Biotechnik und Lasertherapie.

 Mit dem Aachener Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT auf der Biotechnica: Martin Wehner.
Mit dem Aachener Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT auf der Biotechnica: Martin Wehner.

Die Messe steht in diesem Jahr unter dem Stichwort „Bio-Ökonomie“. Rund 600 Unternehmen aus 28 Ländern präsentieren dort bis zum 10. Oktober ihre Produkte und Dienstleistungen. Bei der Branchenschau stehen die jüngsten Trends beim Einsatz der Biotechnologie unter dem Stichwort „Bio-Ökonomie“ im Blickpunkt. Begleitet wird die Messe von Fachkongressen rund ums Thema.

 Präsentiert die Aachener Prototypenanlage „LIFTSYS“: Dominik Riester vom Fraunhofer-Institut ILT.
Präsentiert die Aachener Prototypenanlage „LIFTSYS“: Dominik Riester vom Fraunhofer-Institut ILT.

Die Bandbreite reicht von individueller Krebsbehandlung bis zum Einsatz von Enzymen in der Nahrungsmittelindustrie oder ressourcenschonender industrieller Produktion, die sich auf die Erkenntnisse der Biotechnologie stützt. Ein Beispiel sind Kosmetika, die dank der Biotechnologie aus den chemischen Strukturen von Abfallprodukten der Lebensmittelindustrie — wie etwa Obstschalen, Molke oder die Panzer von Krustentieren — gewonnen werden.

Kammerbezirk stark vertreten

Stark vertreten auf der Biotechnica 2013 ist der Bezirk der Industrie- und Handelskammer Aachen: Neben dem Forschungszentrum Jülich und drei Fraunhofer-Instituten aus Aachen sind die Jülicher Dasgip Information and Process Technology GmbH, HiTec Zang aus Herzogenrath, Macherey-Nagel aus Düren, m2p-labs aus Baesweiler, Nippon Genetics aus Düen und Pyro Science aus Aachen vor Ort. „Für uns ist die Biotechnica eine sehr gute Gelegenheit, unsere Technologie zu präsentieren und neue Anwender dafür zu interessieren. Neben den Fachbesuchern aus Forschungslaboren, die unser Verfahren für eigene Forschungsarbeiten einsetzen können, sind insbesondere auch die großen Firmen wichtig, die das Potenzial haben, aus den Forschungsergebnisse neue Anwendungen zu entwickeln und zu vermarkten“, erklärt Martin Wehner.

Im Mittelpunkt des Auftritts der Aachener Laserexperten steht das sogenannte Lift-Verfahren, Basis der vorgestellten Prototypenanlage. „Durch einen kurzen intensiven Laserpuls werden auf einem Trägerplättchen mikroskopisch kleine Mengen verdampft, so dass kleinste Tröpfchen oder Fragmente übertragen werden können. Damit können auch einzelne lebende Zellen übertragen werden, mit denen dann Zelle für Zelle gewebeähnliche Strukturen aufgebaut werden“, erläutert Wehner. Aufsehen ist mit dieser Technologie garantiert. „Hier wurde erstmalig ein Maschinenkonzept realisiert, das eine Nutzung des Lift-Verfahrens in Biolaboren ohne spezielle Kenntnisse der Lasertechnik ermöglichen soll. Damit wird das Lift-Verfahren aus dem Umfeld der Laserlabore herausgelöst und den Anwendungsforschern in den Biolaboren bereitgestellt“, berichtet Wehner.

Eitel Sonnenschein herrscht ansonsten nicht auf der Biotechnica: Die Biotechnologie-Branche in Deutschland droht angesichts von Finanzierungsproblemen international den Anschluss zu verlieren. Seit 2006 habe in Deutschland kein Biotech-Unternehmen mehr den Sprung an die Börse geschafft. „Die schwierige Finanzierungslage in Deutschland ist ein Grundproblem, das Risikokapital ist extrem scheu geworden“, erklärte Bio Deutschland-Sprecherin Claudia Englbrecht. Nach ihren Angaben kamen die rund 560 deutschen Biotech-Unternehmen 2012 auf einen Jahresumsatz von rund 2,9 Milliarden Euro.