Studien: Brexit hat positive und negative Folgen für NRW

Licht und Schatten : Studien zu Brexit-Folgen für NRW

Seit dem Brexit-Referendum vor knapp drei Jahren haben sich nach Angaben der Landesregierung fast 100 britische Unternehmen in NRW angesiedelt.

Dies bedeute rund 2000 neue Arbeitsplätze, teilte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) am Donnerstag mit. Und der Trend halte an. Das Land sei darum bemüht, britischen Unternehmen, die ihre Geschäftstätigkeit verlagern wollen, die Attraktivität des Standortes NRW deutlich zu machen. Der Brexit sei eine bedauernswerte Entscheidung, bedeute aber auch Chancen für NRW.

Einer Berechnung der Bertelsmann Stiftung zufolge würde der Brexit aber das Bruttoeinkommen in Deutschland wohl in Milliardenhöhe schmälern. NRW wäre voraussichtlich besonders betroffen, hieß es in der am Donnerstag in Gütersloh veröffentlichten Prognose. Als ein zentraler Grund dafür wurde die wichtige Rolle Großbritanniens für den NRW-Export genannt.

Komme es zu einem ungeregelten Austritt Großbritanniens ohne Vertrag, müssten sich die Deutschen auf einen Einkommensverlust von fast 10 Milliarden Euro jährlich einstellen – rein statistisch gesehen wären das bundesweit pro Kopf rund 115 Euro weniger. Für den Regierungsbezirk Düsseldorf nimmt die Bertelmann-Studie einen Einkommensverlust von etwa 650 Millionen Euro jährlich an. Für den Regierungsbezirk Köln schätzt man den Verlust auf knapp 560 Millionen Euro.

Grundsätzlich müssten sich Regionen mit einem hohen Anteil an mittelständischen Unternehmen eher auf negative Auswirkungen gefasst machen – neben dem Rheinland auch etwa Ostwestfalen. Ein geordneter Brexit mit Austrittsabkommen würde die Negativfolgen deutlich abmildern, betonten die Autoren aus Gütersloh.

Ein solcher vertraglich geregelter Brexit könne auch durchaus zu positiven Effekten für die Wirtschaft des bevölkerungsreichsten Bundeslandes führen, sagte Pinkwart. Der Austritt Großbritanniens aus der EU könne etwa NRW-Unternehmen neue Zulieferverträge mit europäischen Unternehmen verschaffen, die bisher mit britischen Firmen zusammengearbeitet hätten. Außerdem könnten nordrhein-westfälische Unternehmen profitieren, wenn Fachkräfte aus Großbritannien neue Stellen suchten, sagte der Minister unter Verweis auf eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

(dpa)
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