Städteregion präsentiert sich auf ExpoReal in München

Europa-Immobilienmesse „Expo Real“ : Baubranche aus der Städteregion präsentiert Millionenprojekte

Auf Europas größter Gewerbeimmobilienmesse „Expo Real“ sind Immobilienexperten aus dem Dreiländereck rekordverdächtig erfolgreich. Es geht um Millionenprojekte im Wirtschafts-, Hochschul-, Wohn- und Tourismusbereich.

Mit breitem Lächeln und geschwellter Brust fliegt die Branche auf die Münchener Messe. Es läuft. Das ehemalige Flughafengelände wird ab Montag für drei Tage auf Europas größter Gewerbeimmobilienmesse „Expo Real“ zum Drehkreuz für Milliarden Euro.

Über 2000 Aussteller erwarten über 45.000 Besucher aus über 70 Ländern – allesamt auf der Suche nach den richtigen Partnern: Projekt­entwickler, Investoren, Bauunternehmer, Architekten, Vertreter von Kommunen, Wirtschaftsexperten. Mittendrin, zwischen Ständen von Oligarchen aus St. Petersburg oder von türkischen Hotelkettenbetreibern, sammelt die Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen am Messestand „aachen 1a“ alle maßgeblichen Macher der hiesigen Immobilienbranche aus der Euregio Maas-Rhein. Seriöse Rendite-Perspektiven sind gefragt.

Trotz Strukturwandels aufgrund des Braunkohleausstiegs und anhaltender Flächenknappheit (allein Aachen fehlen bis 2035 fast 223 Hektar für neue Gewerbeansiedlungen): „Die Konjunkturumfrage der IHK bewertet die Bau- und Immobilienbranche auf Rekordniveau“, stellt IHK-Projektleiter Philipp Piecha fest. „Vier von fünf Unternehmen berichten von guten Geschäften, kein einziger Betrieb ist unzufrieden – das unterscheidet unsere Region ganz klar vom eher kritischen Bundestrend“, erklärt er. Das Baugewerbe ist derzeit der einzige Wirtschaftssektor mit weitgehend positiven Erwartungen.

Das Dreiländereck will sich mit starken Ideen als Wirtschafts-, Hochschul-, Wohn- und Tourismusstandort empfehlen. Ein Beispiel dafür ist „Office West“, mit dem die „Derichs u Konertz Projektentwicklung“ aus Aachen mit Famos Immobilien aus Korschenbroich ein modernes Bürogebäude unmittelbar neben dem RWTH Campus West, also zwischen Gewerbegebiet, Hochschule und neuen Studentenappartements, verwirklicht. Auf rund 10.000 Quadratmetern sind bald innovative Unternehmen zu Hause, die hochmoderne Büroarbeitswelten mit Hochschulanschluss suchen. Die „kadawittfeld GmbH“ plant zudem ein multifunktionales Labor- und Institutsgebäude für verschiedene Bereiche der Fakultät für Elektrotechnik auf dem RWTH Campus Melaten.

Oder der „Brainergy Park Jülich“: 52 Hektar der ehemaligen Sendeanlage auf der Merscher Höhe verwandeln sich in ein Gewerbegebiet, das vor allem für den Energiesektor Platz bieten möchte. Die „nesseler projektidee gmbh“ veranschaulicht mit ihrem Bauvorhaben „Viktoria“, wie in einem bunten Mix inmitten des Frankenberger Viertels in Aachen Einzelhandel, Büros, Praxen, frei finanzierte Appartements und Sozialwohnungen, eine Kita und neue Studentenbuden ein gemeinsames Quartier finden können.

Die Grenzen der Gewerbeimmobilienmesse Richtung Wohnbausektor sind fließend. Es locken interessante Margen: „In Aachen zahlt man für Neubauwohnungen im Durchschnitt, je nach Lage, einen Kaufpreis zwischen 3400 bis etwa 5000 Euro pro Quadratmeter, in der Städteregion zwischen 2800 bis etwa 3400 Euro pro Quadratmeter“, rechnet Dietmar Röhrig, Geschäftsführer der Aachener Sparkassen-Tochter S-Immo vor. „Aber auch der Bestand ist sehr gefragt und kann in Aachen-Stadt bis zu 4000 Euro pro Quadratmeter erzielen“, sagt er. Nachverdichtung, also Bauprojekte für große innerstädtische Brachen und kleinere Hinterhöfe, ist auch auf der Expo Real ein kontrovers diskutiertes Thema.

Ein großer Coup gelang den Aachener Wirtschaftsförderern bereits vergangenes Jahr auf der Münchener Expo. Mit „kadans science partner“ fand man einen niederländischen Projektentwickler, der in Aachen 50.000 Quadratmeter eines maroden Industriekomplexes mit einer 200 Meter langen und 22 Meter hohen Haupthalle für viele Millionen Euro zu einem wirtschaftswissenschaftlichen Schmelztiegel für innovative Firmen umbauen wird. Jungunternehmer sollen auf den „Industrial Style“ fliegen. Auch das läuft schon.