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München/Berlin: Spritpreis: Experten befürchten 1,80 Euro pro Liter

München/Berlin : Spritpreis: Experten befürchten 1,80 Euro pro Liter

Die Kraftstoffpreise in Deutschland gehen vor dem Pfingstwochenende neuen Höchstständen entgegen. Der Preis für Superbenzin liege nur noch 1,1 Cent unter dem bisherigen Allzeithoch von 1,440 Euro vom 3. September 2005, teilte der ADAC am Mittwoch in München mit. Experten gehen zudem von einem weiteren Anstieg aus und schließen auch Preise von über 1,80 Euro nicht aus. Angesichts der hohen Preise fordern Politiker eine stärkere Kontrolle der Mineralölwirtschaft.

Im September 2005 hatten die Spritpreise als Folge des Hurrikans „Katrina” deutlich angezogen, da viele Ölbohrinseln in der Bucht von Mexiko beschädigt wurden. Diesmal liegen die Gründe wieder jenseits des Atlantiks: So kaufen beispielsweise die USA verstärkt in Europa Kraftstoffe nach, da in Übersee die Raffineriekapazitäten knapp werden. Auch die angespannte Situation im Iran sorgt für anhaltend hohe Ölpreise.

Aktuell müssen Autofahrer in Deutschland nach Angaben des ADAC den bisherigen Jahreshöchstpreis von durchschnittlich 1,429 Euro für den Liter Super zahlen und damit vier Cent mehr als noch vor einer Woche. Der Preise für Diesel stieg um 1,2 Cent auf 1,160 Euro. Der Autoclub rät Autofahrern daher, verstärkt die Preise zu vergleichen.

Die Energie-Expertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, Claudia Kemfert, rechnet damit, dass Benzin zu Beginn der Feriensaison „noch um ein, zwei Cent teurer wird”. Die Mineralölkonzerne würden die gerade in den Ferien hohe Nachfrage natürlich nutzen, sagte Kemfert der „Netzeitung.de”.

Auch Manuel Frondel, Umweltexperte des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), geht davon aus, „dass die Situation an den Benzinmärkten angespannt bleibt und deshalb die Preise an den Tankstellen weiter steigen.” Sie würden erst dann wieder sinken, wenn das Wirtschaftswachstum nachlässt, sagte Frondel. Wann das sein wird, könne er aber nicht sagen.

DIW-Expertin Kemfert sieht Entspannung nur für den Fall, dass die Ölnotierungen an den Rohstoffmärkten deutlich nachgeben. Die Entwicklung hänge vor allem von der Entwicklung im Iran ab. „Fällt die Produktion im Iran völlig aus, könnten die Rohölpreise auf bis zu 85 Dollar für ein Barrel steigen.” Die Benzinpreise an den Tankstellen könnten dann bis auf 1,80 Euro je Liter hochschnellen, befürchtet Kemfert.

Angesicht der aktuellen Jahreshöchststände beim Benzinpreis wird der Ruf nach stärkerer Kontrolle der Mineralölwirtschaft lauter. „Das Kartellamt sollte genau prüfen, ob hier keine unzulässigen Preisabsprachen vorliegen”, verlangte FDP-Partei- und Fraktionsvize Rainer Brüderle in der „Passauer Neuen Presse” (Mittwochausgabe). Es sei schwer vermittelbar, „dass die Benzinpreise immer vor Feiertagen und langen Wochenenden deutlich steigen.”

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Ernst Hinsken (CSU), sagte der Zeitung, das Bundeskartellamt sei „hier als Wächter über den Wettbewerb gefordert. Es sollte genau prüfen, ob das gegenwärtige Preisgebaren legitim ist.” Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) sagte dem Blatt: „Die großen Konzerne sollten dringend überprüfen, ob ihre Preispolitik der Marktlage entspricht.” Er gehe davon