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Aachen: Sparkasse: Fusion ist kein Thema

Aachen : Sparkasse: Fusion ist kein Thema

Trotz der Mega-Zusammenschlüsse an der Rheinschiene ist für die regionalen Sparkassen eine Fusion derzeit „kein Thema”. Stattdessen würden Kooperationsfelder abgeklopft, um „Schritt für Schritt kostengünstiger arbeiten” zu können.

Dies sagte der Vorstandschef der Sparkasse Aachen, Jochen Bräutigam, bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen. So laufe das am 1. Mai mit der Sparkasse Düren gestartete Projekt, die Belege aus dem Überweisungsverkehr gemeinsam in Düren zu verarbeiten, „in guten Bahnen”; die Kreissparkasse Heinsberg will sich dem Gemeinschaftsunternehmen an der Rur später anschließen.

Größere Dimensionen hat die Umstellung auf eine einheitliche Sparkassen-Software, von der eine Senkung des Sachaufwandes erwartet wird. Damit, so Bräutigam, werde 2005 „für die komplette Systemwelt der Hebel umgelegt”

Mit dem Geschäft bis zur Jahresmitte sind Bräutigam und der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Hubert Herpers „in Teilen nicht zufrieden”. Zwar sei das 1. Halbjahr traditionell schwach, doch doch nur in einigen Sparten wie dem Kreditgeschäft mit Privatkunden und sonderverzinsten Spareinlagen habe es eine „gewissen Stabilität” gegeben.

Die Nachfrage nach Investitionsmitteln etwa sei „noch ausgesprochen begrenzt”. Die regionale Konjunktur sei „noch nicht über den Berg”. Unter dem Strich stand im Einlagengeschäft zur Halbzeit ein Minus von 2,9 Prozent, im Kreditgeschäft errechnet sich ein Rückgang um 2,7 Prozent. Die Bilanzsumme stieg moderat um 1,3 Prozent auf 9,2 Milliarden Euro.

„Sehr zufrieden” sind Bräutigam und Herpers dagegen mit dem Verbundgeschäft, dem Verkauf von Policen bzw. Bausparverträgen der Provinzial Rheinland, Düsseldorf, und der Landesbausparkasse West, Münster, die beide der Sparkassen-Organisation in NRW gehören.

Dem Weg der kommunalen Garantien für die Sparkassen ab Mitte 2005 sieht der Vorstand gelassen entgegen, nachdem die Rating-Agentur MoodyÔs das Aachener Institut, die Gewährträgerhaftung herausgerechnet, bei langfristigen Verbindlichkeiten mit Aa3 bewertet - wie die Deutsche Bank. Der Kapitalmarkt bestätige dieses Urteil. So habe die Sparkasse jüngst Pfandbriefe in einem Volumen von 150 Millionen Euro „in kürzester Zeit” bei institutionellen Investoren platzieren können.

Kapital für WestLB

Auch beim Spitzeninstitut der NRW-Sparkassen, der WestLB, Düsseldorf, sieht der Vorstand Fortschritte - dank des finanziellen Engagements der Eigentümer. Die Sparkasse Aachen etwa zahlt für die Kapitalerhöhung bei der WestLB, die nach verlustreichen Großgeschäften im Ausland ins Schlingern geraten war, 43 Millionen Euro ein und, über zehn Jahre gestreckt, 7,5 Millionen Euro in zwei zusätzliche Stützungsfonds.

Der Kraftakt der Sparkassen hatte bereits Erfolg. Die Rating-Agentur Standard & Poor´s (S&P) hob jüngst das Schattenrating für die WestLB um eine Stufe von BBB+ auf A- an. Die durch das Millionen-Manöver bedingten Ertragsausfälle in Aachen hält Bräutigam für „tragbar”.