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Aachen/Brüssel: Schließt Bombardier Standorte?

Aachen/Brüssel : Schließt Bombardier Standorte?

Mit einer Sensationsmeldung wartete am Mittwoch die Brüsseler Zeitung „Le Soir” auf.

Dort kündigte der Vorstandschef des kanadischen Schienen-Fahrzeugbauers Bombardier an, mindestens sechs seiner 37 Werke in Europa zu schließen.

In Belgien sei die Fabrik für Schienenfahrzeuge in Brügge bedroht, berichtete „Le Soir”. Alle Möglichkeiten zur Rationalisierung der Produktion würden geprüft, hieß es.

In Deutschland produziert Bombardier an elf Standorten. Dazu zählt auch Aachen, wo bei Talbot noch rund 500 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Welche Fabriken konkret geschlossen werden sollen, wusste auch Firmensprecher Ulrich Bieger von Bombardier Transportation Deutschland in Berlin am Mittwoch gegenüber unserer Zeitung nicht zu sagen. Er geht aber davon aus, dass die Entscheidung noch in diesem Jahr fallen wird.

Nach Ansicht von Beobachtern dürften die deutschen Werke von einer möglichen Schließung nicht betroffen sein, da in der jüngsten Zeit bereits beachtliche Einschränkungen durchgezogen wurden.

So wurde das Drehgestellwerk in Vetschau/Lausitz verkauft und der Standort Nürnberg wird geschlossen. Von den 25.000 Bombardier-Mitarbeitern sind 9000 in Deutschland beschäftigt.

Tellier sagte laut „Le Soir” weiter, dass sich die Eingliederung von Adtranz, dem von DaimlerChrysler im Mai 2001 übernommenen Waggonbauer, schwieriger erwiesen habe als gedacht.

Bombardier hatte im Geschäftsjahr 2002/2003 einen Netto-Verlust von 615 Millionen kanadischen Dollar (391 Millionen Euro) ausgewiesen.

Bahnindustrie mit gedämpften Erwartungen

Die deutsche Bahnindustrie hat sich im ersten Halbjahr der angespannten Lage der öffentlichen Haushalte entziehen können.

Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Umsätze um knapp 16 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Zuwächse seien dabei sowohl im In- als auch im Ausland erzielt worden, sagte der Präsident des Verbandes der Bahnindustrie (VDB), Dieter Klumpp, in Berlin.

Das Exportgeschäft habe jedoch überproportional zu dem Plus beitragen und mache inzwischen rund 43 Prozent der Verkäufe aus.

Im laufenden Jahr erwartet der VDB einen Umsatz, der „mindestens” das Vorjahresniveau von 8,4 Milliarden Euro erreicht, vielleicht sogar etwas darüber liegt.