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Jülich: Schleipen & Erkens behauptet sich mit Silikon-Papier in kleinem Markt

Jülich : Schleipen & Erkens behauptet sich mit Silikon-Papier in kleinem Markt

Es gibt sie noch: die kleinen Spezialfirmen, deren Produkte zu unserem Alltag gehören. Die Jülicher Firma Schleipen & Erkens ( S + E) gehört zu diesem Kreis der geheimen Riesen.

Das über 125 Jahre alte Unternehmen ist europaweit Marktführer bei silikonisiertem Papier und liegt weltweit bei einem Jahresumsatz von 80 Millionen Euro auf Platz zwei.

Wer seine Schnittwunde mit einem Pflaster versieht, muss vorher zwei Streifen Silikon-Papier entfernen - ein Produkt aus dem Haus S + E. Wer seine ADAC-Plakette auf die Autoscheibe klebt, zieht vorher die Folie ab, die meist aus Jülich stammt.

Für die S & E-Produkte gibt es eine Vielzahl von Anwendung. Im Hausgebrauch ist das Silikon-Papier meist Träger für die selbstklebenden Etiketten. 15 Quadratmeter dieses Trägermaterials verbraucht jeder Deutsche - ob Baby oder Greis - pro Jahr für Etiketten, Klebebänder, Hygieneprodukte, Briefumschläge oder grafische Anwendungen.

„Wir leben davon, dass man unsere Produkte wegwirft”, beschreibt Dr. Jürgen Schäfer, Sprecher des dreiköpfigen Vorstands der Schleipen & Erkens AG, das Erfolgsgeheimnis seines Unternehmens.

Schäfers Ziel ist es, das Unternehmen durch Konzentration auf die Kernkompetenz „Silikon-Papier” zu stärken und noch mehr weltweit auszurichten. Deshalb wurden in den letzten Jahren Rand-Geschäftsbereiche ganz abgegeben oder im Hamburger Schürfeld-Konzerns verlagert, zu dem S + E gehört.

Schon jetzt liegt der Export-Anteil bei über 50 Prozent. Produziert wird in Jülich (150 Mitarbeiter) und bei der 100-prozentigen Tochter Silicart S.p.A. in Bologna (50 Beschäftigte).

Nach Schäfers Angaben ist der europäische Markt inzwischen weitgehend gesättigt. Deshalb hat man sich in USA umgesehen und ist dort auf eine überraschend starke Nachfrage nach qualitativ hochwertigem Trägermaterial gestoßen.

Das US-Geschäft weist in den letzten Jahren Zuwachsraten von 20 bis 30 Prozent auf, während der gesamte Umsatz bei S + E jährlich um fünf Prozent zulegt. Gefragt werden in USA vor allem technische Bänder, Grafik-Applikationen und Lieferungen in den Automobilbereich.

Noch werden die drei Lager in USA direkt mit Produkten aus Jülich beliefert. Doch schon jetzt wird darüber nachgedacht, mittelfristig eine eigene Produktionsfirma dort zu errichten.

Sollte sich die Währungssituation ungünstig entwickeln und der Dollar weiter schwächeln, könnte die Entscheidung schon früher fallen, gibt Schäfer zu bedenken.

600 Millionen Quadratmeter Silikon-Papier laufen bei S + E jährlich von den Bändern. Trotzdem gibt es nur auftragsbezogene Fertigung, weil jeder Kunden das Silikon-Papier für seine speziellen Anwendungen benötigt.

Das setzt eine große Flexibilität in der Fertigung voraus. Die Kundenstruktur bezeichnet Schäfer als gesund.

Der größte Dauer-Abnehmer ordert acht Prozent der Produktion, weitere zehn Unternehmen teilen sich vierzig Prozent. Oft geht es darum, Aufträge innerhalb von 24 Stunden abzuwickeln.

Deshalb werden für bestimmte Stammkunden Warenmengen auf Vorrat gehalten. Auch werden die drei Beschichtungsmaschinen in Jülich so gefahren, dass immer noch ein Kapazitätspuffer besteht.

Im Herbst steht eine größere Investition an, wenn eine bestehende Linie verdoppelt wird. Auf diese Weise soll auch die Qualität des Trägermaterials für Spezialanwendungen verbessert werden.

Langfristig sieht Schäfer vor allem aus der Automobilindustrie eine steigende Nachfrage: „Was früher geschraubt wurde, wird heute geklebt”, beschreibt er den neuen Trend in der Fertigung.