Die Folgen für die Beteiligten: RWE will 2040 klimaneutral sein

Die Folgen für die Beteiligten : RWE will 2040 klimaneutral sein

Die Übernahme der Ökostrom-Sparte des Konkurrenten Eon macht den Wandel möglich. Der Konzern fordert von der Politik mehr Tempo bei der Umsetzung des Kohleausstiegs.

Der Ort ist historisch: In das Essener Nordviertel, wo Hugo Stinnes einst mit seiner Steinkohle den ersten Strom für RWE erzeugte, kehrt der Konzern nun zurück. Hier entsteht der Campus für die Zentrale, der RWE-Turm ist Geschichte. Auch sonst soll vieles anders werden für den Energiekonzern.

Aus dem größten Braunkohleverstromer Europas wird der nach eigenen Angaben drittgrößte Ökostrom-Hersteller und der zweitgrößte Offshore-Windkraft-Erzeuger der Welt. „2040 wird RWE zu 100 Prozent klimaneutral sein“, kündigte Rolf Martin Schmitz, RWE-Vorstandsvorsitzender zum Startschuss für die neue RWE am Montag an. „Jede Energie hat ihre Zeit. Jetzt beginnt die Ära der Erneuerbaren.“

Aus braun wird grün: Möglich macht dies der vor 18 Monaten vereinbarte Deal mit Eon. RWE bekommt die Ökostrom-Aktiviäten von Eon und seiner ehemaligen Tochter Innogy, Eon schluckt Innogy und wird ein Netz- und Vetriebskonzern. Nötig macht dies der Kohleausstieg in Ländern, in denen RWE aktiv ist: 2038 steigt Deutschland aus der Kohle aus, 2030 sind es die Niederlande, und 2020 legt RWE sein letztes Kohlekraftwerk in Großbritannien still. Die Folgen:

Für RWE

RWE steht künftig auf vier Beinen: Ökostrom-Erzeugung, Erzeugung aus Gas- und Wasserkraft, Erzeugung in Abwicklung – also aus Atomkraft und Braunkohle (Power) – und der Gashandel. Dabei verschieben sich die Gewichte: Schon im nächsten Jahr liefert der Ökostrom 60 Prozent des Gewinns, nur noch 20 Prozent kommen von den klassischen Erzeugungssparten. Zehn Prozent trägt der Gashandel bei und weitere zehn Prozent die Finanzbeteiligungen.

Für die Mitarbeiter

Noch hat die Tochter Power mit 11.000 die meisten Mitarbeiter, aber das wird sich ändern. Schmitz fordert von der Politik mehr Tempo bei der Umsetzung des Kohleausstiegs, damit die Mitarbeiter Klarheit bekommen. „Wenn RWE die Hauptlast der geplanten Kraftwerks-Abschaltung bis 2022 tragen muss, sind bei RWE 3500 Stellen bedroht“, sagte er.

Laut Kohlekommission sollen bis 2022 drei Gigawatt abgeschaltet werden. Nun sieht es so aus, dass RWE mehr als die zunächst erwarteten 2,4 Gigawatt davon schultern muss. In den 3500 Stellen sind 800 Stellen der Kraftwerke enthalten, die RWE bereits in die Sicherheitsreserve geschickt hat, sowie 2700 Stellen, die die Beschlüsse der Kohlekommission kosten. Der Abbau soll sozialverträglich erfolgen, darauf nageln die Gewerkschaften Konzerne und Bund fest.

Für die Aktionäre

Für RWE und seine Aktionäre war das Tauschgeschäft mit Eon ein großer Erfolg: Rein rechnerisch hat RWE seinen operativen Gewinn auf über drei Milliarden Euro verdoppelt. Während die Eon-Aktie nicht vom Fleck kommt, hat die von RWE seit der Ankündigung des Deals um 60 Prozent zugelegt.

RWE hatte, angeheizt durch die Klimadebatte, plötzlich eine Wachstums-Story zu erzählen, Eon bleiben das stabile, aber etwas langweilige Netzgeschäft und das hart umkämpfte Vertriebsgeschäft.

Für die Innogy-Vorstände

Keiner der sechs Innogy-Vorstände darf in den Eon-Vorstand wechseln. Hildegard Müller (Vorstand Netze) werde in Kürze verkünden, dass sie die Change-of-control-Klausel nutzen und wegen des Eigentümerwechsels vorzeitig aus dem Innogy-Vorstand ausscheide, heißt es in Konzernkreisen. Gleiches gelte für Ökostrom-Vorstand Hans Bünting. Sie können sich auf Millionen-Abfindungen freuen, da ihre Verträge noch bis März 2022 laufen.

Der Innogy-Finanzchef Anders Bernhard Günther soll bleiben und unter Führung von Leonhard Birnbaum die Integration vollenden. Die Konzernsprecher sagten dazu, dies sei Sache des Innogy-Aufsichtsrats. Der tagt in Kürze und kürt einen neuen Chef, voraussichtlich Eon-Chef Johannes Teyssen.

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