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Reklamation: Der Lieferant bezahlt

Reklamation: Der Lieferant bezahlt

Köln (an-o) - Der Einkauf im Internet hat Charme: Fast alles kann ein Kunde zurückschicken - ohne Risiko und ohne Angabe von Gründen. Möglich wurde dies durch eine Änderung der Fernabsatzrechte im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) Anfang 2002. Doch laut Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Berlin, ist alles noch komplizierter geworden.

Zwei Wochen hat ein Kunde in der Regel Bedenkzeit. Innerhalb dieser Frist kann er Internetbestellungen problemlos rückgängig machen. Er muss lediglich den Vertrag widerrufen oder die Ware zurücksenden. "Die Frist beginnt erst mit dem Erhalt der Ware", erklärt Verbraucherschützer Ralf Reichertz.

Nur bei Dienstleistungen beginne die Widerrufsfrist sofort. Ausgeschlossen davon sind vor allem verderbliche Waren und individuell nach den Wünschen des Kunden gefertigte Produkte, sagt Reichertz. Ausgenommen seien auch Verträge über Pauschalreisen sowie CDs, DVDs und Videos, falls deren Siegel vom Kunden geöffnet wurde. "Ein schriftlicher, ausdrücklicher Widerruf der Bestellung ist nicht erforderlich", sagt der auf Internet-Anwalt Stefan Müller-Römer, Köln. Gründe muss der Käufer nicht nennen. Auch wenn der Laserdrucker nicht funktioniert, genügt es, ihn innerhalb der Frist kommentarlos zurückzusenden: "Treten Schäden innerhalb des ersten halben Jahres auf, dann geht der Gesetzgeber zu Gunsten des Kunden davon aus, dass der Fehler schon vor der Lieferung bestand", so Helke Heidemann-Peuser vom vzbv.

Nichts per Nachnahme

Wer bei der Rückgabe jedes Risiko ausschließen möchten, sollte laut Müller-Römer zudem nichts per Nachnahme bestellen. Sicherer sei es, per Rechnung nach Erhalt der Ware zu bezahlen. "So hat der Verbraucher es zumindest in der Hand, ob und wann er zahlen möchte." Akzeptabel sei allenfalls noch eine Einzugsermächtigung, meint Verbraucherschützer Reichertz: "Die kann ich rückgängig machen." Der Kunde darf die Ware aber nur ausprobieren.

Über den Rücktransport muss sich der Käufer hingegen wenig Gedanken machen. "Das geht auf Kosten und Risiko des Händler", sagt Reichertz. Den Kaufpreis erhält der Kunde erst zurück, wenn er die Ware zurückgeschickt hat. Das Widerrufsrecht ist bindend. Nur "wenn es ausdrücklich gesetzlich zugelassen ist, kann das Widerrufsrecht durch ein uneingeschränktes Rückgaberecht ersetzt werden", so Müller-Römer. Das sei jedoch von Vorteil für den Kunden, ergänzt Reichertz: Beim Rückgaberecht müsse das Unternehmen die Rücksendekosten voll übernehmen. Das gelte zwar auch beim Widerrufsrecht, jedoch erst ab 40 Euro Bestellwert.

Wichtig ist das Kleingedruckte: Kommt der Händler im Internet nicht seinen gesetzlichen Informationspflichten nach, verlängere sich die Rückgabefrist auf sechs Monate, so Heidemann-Peuser. Zu diesen Informationen zählen Name und Anschrift des Unternehmens, die AGB, Einzelheiten zur Zahlung und Lieferung und nicht zuletzt der komplette Preis inklusive Liefer- und Versandkosten. Zudem müsse das Unternehmen spätestens mit der Lieferung über das Widerrufsrecht belehren. Andernfalls könne der Kunde den Vertrag ohne jede zeitliche Frist widerrufen.