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Dortmund: Prozess gegen Signal Iduna: Ein Streit mit harten Bandagen

Dortmund : Prozess gegen Signal Iduna: Ein Streit mit harten Bandagen

Gut zwei Stunden waren vergangen, da sprach der Vorsitzende Richter den schönen Satz „Jetzt wird es hier aber ganz schön rutschig“. Dabei war die Verhandlung an diesem Dienstag im Dortmunder Landgericht noch gar nicht bis in die Verästelungen der Details vorgedrungen.

Das sollte noch kommen und wird an den ausstehenden fünf Verhandlungstagen mit Sicherheit intensiv fortgesetzt. Es geht halt um einiges in diesem Verfahren: um viel Geld, um den Ruf eines bundesweit mit einiger Strahlkraft agierenden Immobilienunternehmers und — im Extremfall — sogar um die Zukunft eines Versicherungskonzerns.

Motor einer „Rufmordkampagne“?

Anno August Jagdfeld gegen die Signal Iduna: Das ist einer der größten Schadenersatzprozesse der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Der Aachener Immobilienunternehmer wirft dem Dortmunder Konzern vor, 2009 Teil und sogar Motor einer „Rufmordkampagne“ gegen ihn gewesen zu sein.

Hintergrund ist ein komplexer Streit um einen Immobilienfonds zur Finanzierung des Berliner Luxushotels Adlon. Der heute 71-jährige Jagdfeld hatte 1994 den Fundus Fonds 31 zu diesem Zweck über 223 Millionen Euro aufgelegt. Die Ausschüttungen blieben in der Folge aber deutlich hinter den Erwartungen zurück, die Investoren murrten.

Daraufhin bildete sich eine Schutzgemeinschaft von Anlegern, in der zeitweise auch die Signal-Iduna-Versicherung, die der zweitgrößte Investor in dem Adlon-Fonds war, vertreten war. Als Sprecher trat ein mittlerweile gestorbener Berliner Rechtsanwalt auf. Er attackierte Jagdfeld öffentlich massiv. Später zeigte er den Investor sogar wegen Untreue an. Es kam zur Anklage, das Landgericht Aachen und später auch das Oberlandesgericht Köln lehnten allerdings 2013 bzw. 2014 die Eröffnung eines Verfahrens ab.

Jagdfeld beklagt, er selbst und seine Geschäfte, aber auch seine Familie hätten unter den Folgen massiv zu leiden gehabt. Im ersten Teil des Zivilverfahrens Ende 2016 — die Klage datiert aus dem Jahr 2014 — hatte Jagdfeld den Schaden noch auf 536 Millionen Euro taxiert. Diese Summe sei nunmehr auf mindestens eine Milliarde Euro gestiegen, teilte ein Vertreter der Jagdfeld Gruppe mit.

Das spielte allerdings am Dienstag vor Gericht keine Rolle, denn dort geht es im Kern „nur“ darum festzustellen, ob die Signal Iduna für die Aussagen des Anwalts in Haftung genommen werden kann. Sollte dies irgendwann einmal bejaht werden (wahrscheinlich in letzter Instanz, den beiden Seiten hatten bereits angekündigt, den Rechtsweg voll ausschöpfen zu wollen), ginge es in der Folge dann um eine konkrete Summe. Auch das könnte dann durch mehrere, vielleicht alle Instanzen gehen.

Ende 2016 hatte Richter Willi Pawel der Klage noch wenig Chancen auf Erfolg eingeräumt und eine Vergleichszahlung von 20 Millionen Euro vorgeschlagen. Die Signal hatte abgelehnt. Nachdem Jagdfelds Anwälte inzwischen weiter zum Sachverhalt vorgetragen haben, lud die Kammer mehrere Zeugen, darunter ehemalige und aktuelle Vorstände des Versicherungskonzerns.

Den Anfang machte am Dienstag der ehemalige Leiter des Bereichs Finanzen und Beteiligungen der Signal Iduna, der seit 2017 in Ruhestand ist. Seine Befragung gab einen Vorgeschmack auf die kommenden Tage. Es geht um Details in Briefen, Faxen und Mails; es geht um Zuständigkeiten; es geht um angebliche Aussagen wie „Den Jagdfeld machen wir fertig“. Dessen Anwälte müssen und wollen so letztlich den Nachweis erbringen, dass die Signal Iduna den Berliner Anwalt ins Feuer geschickt hat.

Die Signal habe seinen Ruf zerstört, hat Anno August Jagdfeld mal gesagt. Das Vertrauen der ehemaligen Geschäftspartner ist komplett aufgebraucht. Das wurde auch am Dienstag mehr als deutlich. Nun wird mit harten Bandagen gestritten, bis zum Ende. Wann das sein wird, ist heute noch nicht abzusehen.