Aachen: Prof. Manfred Weck erhält den Aachener Ingenieurpreis

Aachen: Prof. Manfred Weck erhält den Aachener Ingenieurpreis

Es begann tatsächlich mit einem Kegelabend. Der junge Manfred Weck traf dabei auf einen Freund, der ihm erzählte, er werde am nächsten Tag nach Aachen fahren, um sich dort für einen Maschinenbau-Studienplatz an der Technischen Hochschule zu bewerben. Ob Weck nicht mitkommen wolle? Der überlegte, besprach sich noch in der Nacht mit seiner Frau — und fuhr mit.

Seine Bewerbung überzeugte offensichtlich; Weck schrieb sich in der Fachrichtung Fertigungstechnik ein und erwarb nach nur drei Jahren im Jahr 1966 das Diplom. Der Rest ist Aachener Ingenieursgeschichte, und die war so prägend, dass Prof. Dr.-Ing. Dr. Ing. E. h. mult. Manfred Weck, der langjährige Direktor des Werkzeugmaschinenlabors (WZL) der RWTH Aachen, am Freitag mit dem Aachener Ingenieurpreis ausgezeichnet wurde.

Damit steht der 79-Jährige in einer Reihe mit Berthold Leibinger, der aus der kleinen schwäbischen Maschinenfabrik Trumpf einen High-Tech-Konzern machte. Oder mit Franz F. Pischinger, der als RWTH-Professor die FEV Motorentechnik GmbH als Spin-off in Aachen gründete, die dann weltweit expandierte. Oder mit Thomas Reiter, der als Astronaut und Ingenieur für den Aufbruch in ferne Welten steht — oder besser: schwebt. Weck ist diese Reihung sichtlich und ohne Koketterie unangenehm. „Wenn irgendetwas an mir besonders ist, dann ist es mein Werdegang“, sagte er. Deshalb habe er sich entschieden, den Preis zu akzeptieren.

Beim Stichwort Werdegang landet man wieder auf der Kegelbahn. Denn eigentlich war vorgesehen, dass Weck nach Mittlerer Reife, Höherer Handelsschule und einer Lehre als Werkzeugmacher auf Dauer in den elterlichen Betrieb, die Firma Gustav Weck in Solingen, einsteigen sollte. Doch er entschloss sich, die Ingenieurschule in Iserlohn und später die TH zu besuchen — nicht unbedingt zur Freude seiner Eltern. Doch der Junior schaffte es, sein Studium in Aachen mit einer „halben Stelle“ im Familienunternehmen, das chirurgische Instrumente herstellte, zu kombinieren.

238 Promotionen betreut

Der weitere Karriereweg war dazu angetan, die Eltern zu besänftigen: Weck promovierte am Werkzeugmaschinenlabor und war dort Oberingenieur unter Prof. Herwart Opitz. Er habilitierte und wurde nach einer Zwischenstation in der Industrie 1973 einer der Nachfolger von Opitz an der RWTH. Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2004 leitete Weck den Lehrstuhl für Werkzeugmaschinen.

Während dieser Zeit baute er gemeinsam mit den weiteren Direktoren Prof. Walter Eversheim, Prof. Wilfried König und Prof. Tilo Pfeifer („Das muss man sich heute einmal vorstellen: so viele gemeinsame Jahre und nie ein ernsthafter Streit!“) das WZL aus und gründete 1980 mit ihnen gemeinsam das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT. 2015 wurde der vielfach Ausgezeichnete in die Hall of Fame der deutschen Forschung aufgenommen. Er steht mit seinem Lebensweg als Forscher und Innovator für die Entwicklung des Maschinenbaus vom Handantrieb zur Digitalisierung.

238 junge Ingenieure haben in 31 Jahren bei Weck promoviert, nicht wenige wurden Vorstände in angesehenen Firmen oder Professoren an anderen Hochschulen. Weck nennt sich selbst einen leidenschaftlichen Lehrer, der immer viel Wert darauf legte, die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit zu publizieren und damit Studierenden und Ingenieuren zur Verfügung zu stellen. „Ich war immer der Praktiker, weniger ein Theoretiker“, sagt er selbst. Das bedeutet: ein Konstrukteur, ein Tüftler, jemand, dem es unbändiges Vergnügen bereitet zu erleben, wie etwas Gestalt annimmt, wie man Lösungen findet und die dann auch umsetzt.

Noch heute lässt ihn eine Problemstellung keine Ruhe. Eine Eigenschaft, von der so mancher Studierende profitiert hat, der seine Fragen bei ihm „ablud“ — in der nicht unrealistischen Hoffnung, der Professor werde schon eine Lösung finden. Versteht sich von selbst, dass Weck eine funktionstüchtige Werkbank besitzt, die im Keller seines Hauses steht und eifrig genutzt wird.

Man kann mit Weck intensiv über die fortschreitende Digitalisierung und die Verantwortung der Ingenieure reden. Man trifft dann auf einen überaus humorvollen, aber auch nachdenklichen Mann, der sich Gedanken darüber macht, wie eine Gesellschaft die Unwucht ausgleichen kann, die durch den Wegfall von vielen „einfachen“ Tätigkeiten entstehen wird. Und der dafür plädiert, immer die Folgen allen Tuns mit zu bedenken. „Wir Ingenieure entwickeln, das ist unsere Aufgabe. Aber auch wir leben nicht im luftleeren Raum.“

Auch Schiffe kann man optimieren

Ob er seinen Nachfolgern einen guten Rat mitgegeben habe? Nein, sagt Weck entschieden, „weg ist weg“. Wobei: Noch heute ist er wöchentlich in seinem Büro anzutreffen — in dem Hochschulgebäude, das seit 2007 seinen Namen trägt. Doch auch sonst wird einem Mann wie Manfred Weck nicht langweilig: Er berät einen Automobilzulieferer in Entwicklungsfragen, er schwärmt von seinem Garten mit einem respektablen Teich voller Koi-Karpfen, wandert, spielt Tennis und Klavier, fotografiert leidenschaftlich gern oder stellt sich auf dem Wasser in jeder Form dem Wind. Denn natürlich: Auch an Segeln und Schiffen gibt es immer etwas zu optimieren. Ob er noch kegelt, ist leider nicht überliefert.

Mehr von Aachener Nachrichten