Aachen: Paion will zu einem neuen Höhenflug aufbrechen

Aachen: Paion will zu einem neuen Höhenflug aufbrechen

Das börsennotierte Aachener Biotechnologie-Unternehmen Paion AG sieht sich nach einer harten Restrukturierung — mit schmerzlichen Einschnitten bei der Mitarbeiterzahl von 26 auf 14 — auf einem erfolgversprechenden Weg.

Bei der Hauptversammlung am Mittwoch in Aachen stellte Vorstandsvorsitzender Wolfgang Söhngen, der das Unternehmen gemeinsam mit seiner Frau Mariola leitet, die Bilanz für 2012 vor und erläuterte den Aktionären die strategische Neuausrichtung. Dieses Konzept stieß auf breite Zustimmung.

2013 werde Paion „alle geschäftlichen und finanziellen Ressourcen auf die Entwicklung unseres Anästhesie-Geschäfts mit dem kurzfristig wirksamen Remimazolam als Leitsubstanz konzentrieren“, machte der Chef vor den Anteilseignern deutlich. Die müssen derzeit darben, angesichts der weiterhin dividendenlosen Zeiten und eines trotz des aktuellen Booms an den Finanzmärkten ziemlich niedrig dümpelnden Aktienkurses. Der spiegele aber keineswegs das Potenzial des Unternehmens wider, setzen die Verantwortlichen bei Paion auf bald wieder steigende Werte.

Für neuen Optimismus und entsprechende Kurs-Phantasie soll auch eine hochkarätige Neubesetzung im Aufsichtsrat sorgen: Für den Aachener Grünenthal-Chef Harald F. Stock, der sein Mandat wegen der Sorge um mögliche Interessenkollisionen abgegeben hatte, rückte ein früheres Vorstandsmitglied des Pharmakonzerns Schering nach, die Niederländerin Karin Dorrepaal. Sie war 2004 die erste weibliche Spitzenmanagerin eines DAX-Konzerns und schied dort mit dessen Übernahme durch die Bayer AG aus.

Wolfgang Söhngen sprach von einem „finanziell erfolgreichen Jahr“ mit einem „Rekordumsatz“ von 26,8 Millionen Euro und einem Nettogewinn von 16 Millionen Euro. Verantwortlich für dieses starke Resultat war indes ein Sondereffekt durch den Verkauf der Rechte an dem von Paion weit vorangetriebenen Schlaganfall-Medikament Desmoteplase an den schwedischen Lundbeck-Konzern. Dieser „Treibstoff“ habe dazu beigetragen, dass die Finanzierung von Paion bis zum ersten Quartal 2015 gesichert sei, sagte Söhngen.

Im neuen Hoffnungsträger Remimazolam steckt nach seiner Einschätzung „sehr viel Dynamik“ und ein „interessantes Marktpotenzial“. Insbesondere der japanische Partner Ono habe „viel Geld in die Hand genommen“, um mit klinischen Tests die Marktreife zu beschleunigen, die für 2015 erwartet werde. Auch der chinesische Lizenznehmer Yichang mache in Richtung praktische Anwendung gute Fortschritte. Entscheidende Erkenntnisse aus den fernöstlichen Studien könnten kostensparend für das geplante deutsche und europäische Zulassungsverfahren eingesetzt werden, betonte die Paion-Spitze, die das neue Arzneimittel als „wirkliche Errungenschaft und Durchbruch“ feierte.

Beispielhaft verwies der Vorstandschef auf Darm- und Magenspiegelungen als kräftig wachsendes Einsatzgebiet. Neben der Entlastung der Patienten, die nach Eingriffen früher nach Hause oder ambulant behandelt werden könnten, winkten Kliniken und Kostenträgern spürbare Einsparungen, ist Söhngen überzeugt.