Insolvenz: Oebel schließt weitere Filialen

Insolvenz : Oebel schließt weitere Filialen

Als bei Oebel die Insolvenz beantragt wurde, gab es 153 Betriebe, jetzt sind es noch 100. Das Unternehmen muss die Gehälter nun wieder selbst erwirtschaften. Gibt es Chancen für eine Sanierung?

Als die Aachener Unternehmensgruppe Oebel im Hochsommer Insolvenz anmelden musste, waren knapp 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 153 Filialen betroffen. Das war die Ausgangslage. Damals wurde Dirk Wegner von der Bonner Wirtschaftskanzlei dhpg als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. Aus dem vorläufigen ist nun ein endgültiger Insolvenzverwalter geworden, so hat es das Amtsgericht Aachen in der letzten Woche verfügt.

Jurist Wegener soll weiter die Oebel-Unternehmensgruppe sanieren. Die Chancen lotet er bereits seit dem 9. Juli aus, dem Tag, an dem Oebel die Insolvenz anmelden musste. Der Wille, den Betrieb weiterzuführen und neue Investoren zu finden, ist erklärt.

Erkennbar ist, dass Oebel seinen Betrieb verschlanken muss. Am Montag teilte Wegener mit, dass zwölf weitere Filialen vorwiegend im Kölner Raum geschlossen wurden. Die Gründe sind unterschiedlich: mal liefen vor längerer Zeit gekündigte Mietverträge aus, mal fehlen Fachkräfte zum Brotverkauf, weil etliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unsicheren Zeiten gekündigt haben. In der Städteregion sind bereits fünf Filialen dauerhaft geschlossen. Acht weitere sind derzeit geöffnet, warten allerdings auf einen Käufer, berichtet die zuständige Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG). Insgesamt, so teilt es eine Sprecherin des Insolvenzverwalters mit, seien noch etwa 100 Filialen im Betrieb. Jede dritte existiert nicht mehr.

Brotverkäufer Oebel war mit seinen Gesellschaften im Hochsommer in den Strudel der Kronenbrot-Insolvenz gekommen. Bis dahin führten die Brüder Lothar und Wolfgang Mainz die Geschäfte. So war es auch schon beim Großbäcker Kronenbrot, auch da waren sie bis zur ersten Insolvenz 2016 in der Geschäftsführung. Am Ende des Sanierungs-Verfahrens bei Kronenbrot wurde Oebel abgespalten, der ehemalige Familienbetrieb Kronenbrot ging an den Londoner Vermögensverwalter Signal Capital Partners aus London, der die Immobilien, den Fuhrpark und die Maschinen in separaten Gesellschaften ins Steuerparadies Luxemburg auslagerte, die von der neuerlichen Insolvenz verschont blieben.

Als Kronenbrot im Sommer erneut zahlungsunfähig war, stoppte der aktuelle Insolvenzverwalter Biner Bähr die Auslieferung der Brotwaren an Oebel: zu hoch waren die Außenstände. Die Filialkette hatte mit Kronenbrot eine Mindestabnahme im zweistelligen Millionen-Bereich vereinbart. Die Zahlungsmoral sei eher zäh gewesen, berichten mehrere Insider.

Oebel hatte im Juli ein paar Tage geschlossen, um dann die meisten Filialen wieder zu öffnen. Ein Backwarenhersteller aus Prüm liefert seitdem die Ware. Das auf drei Monate befristete Insolvenzausfallgeld für die Mitarbeiter ist inzwischen ausgelaufen. Statt der Arbeitsagentur muss nun der Insolvenzverwalter versuchen, die Gehälter aus den eigenen Mitteln erwirtschaften.

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