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Aachen: Nur Kohl sorgt bei der AMB für Aufsehen

Aachen : Nur Kohl sorgt bei der AMB für Aufsehen

Ein wenig verspätet betrat Helmut Kohl den Saal. Kurzer Applaus, dann nahm der Alt-Bundeskanzler seinen Platz als Aufsichtsrat der AMB Generali Holding AG auf dem Podium ein.

Erst anderthalb Stunden später sollte er auf der Hauptversammlung der Versicherung in Aachen wieder eine Rolle spielen.

„Er hat mit seinem Ehrenwort die Aufklärung eines Finanzskandals verhindert und soll nun über die Finanzen eines solchen Unternehmens wachen?”, erregte sich ein Aktionär.

Prompt beeilte sich Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Kaske klarzustellen, dass es seit Jahren im Konzern üblich sei, Politiker für Beratergremien zu gewinnen.

„Weil wir den Rat von Personen mit Erfahrung im politischen Raum als großen Vorteil für unseren Konzern ansehen. Die Musik im Wirtschaftsrecht wird schließlich heute in Brüssel und Straßburg gespielt.”

Kohl selbst verfolgte die Diskussion um seine Person bis auf einige Lacher weitgehend ungerührt.

Überraschungen hatte Walter Thießen keine parat. Der Vorstandsvorsitzende der AMB Generali erklärte den Aktionären das Konzernergebnis des drittgrößten deutschen Erstversicherers im Geschäftsjahr 2002.

„Ein schwieriges Jahr” sei es gewesen, für die Versicherungsbranche, die AMB und für die Aktionäre - der Verlust von 235 Millionen Euro nach Steuern lässt keine andere Schlussfolgerung zu.

Abschreibungen in Höhe von 2,5 Milliarden Euro, höhere Schadensaufwendungen nach Naturkatastrophen wie dem Elbe-Hochwasser und die schlechte Lage an den Kapitalmärkten sind die drei Faktoren für das schwache Abschneiden.

„Wir müssen sehen, dass das Vertrauen der Kunden erhalten bleibt”, gab Thießen als Rezept aus. Jene Kunden müssen mit weiter sinkenden Überschussbeteiligungen leben.

Thießen verwies auf noch schlechtere Renditechancen beim Festgeld oder gar am Aktienmarkt.

Der Blick auf die Entwicklung des eigenen Papiers sei „natürlich kein erfreulicher”, gestand der Vorstandsvorsitzende.

„Ich denke, wir müssen in solch schwierigen Phasen überdenken, ob wir in allen Geschäftsfeldern richtig positioniert sind”, sagte Thießen und erläuterte nochmals das Sparprogramm der AMB Generali mit 1250 abzubauenden Stellen.

2003 sei „im Wesentlichen geprägt durch die Entwicklung der Kapitalmärkte”. Von den Aktionären musste sich der Vorstand den Vorwurf gefallen lassen, dass die Beteiligung an der Commerzbank als neuem Vertriebsweg angesichts massiver Abschreibungen zu teuer erkauft worden sei.