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25 Millionen Euro bewilligt: NRW stemmt sich gegen das Innenstadt-Sterben

25 Millionen Euro bewilligt : NRW stemmt sich gegen das Innenstadt-Sterben

Shoppen und Essen gehen - darauf setzten viele Bürger früher in ihrer Freizeit. Doch in Corona-Zeiten sind weniger Menschen in den Citys unterwegs. Um das Innenstadt-Sterben auszubremsen, steuert NRW nun stärker gegen als bisher.

Damit verödete Innenstädte wieder auf Vordermann gebracht werden, legt das Land eine weitere Finanzspritze bereit. Man habe rund 25 Millionen Euro bewilligt, sagte Kommunalministerin Ina Scharrenbach (CDU) am Donnerstag in Düsseldorf. Es geht um den Innenstadtfonds, der im Sommer 2020 aufgelegt wurde - nun steigt sein Volumen an bewilligten Geldern auf rund 94 Millionen Euro. Davon wurden 21 Millionen Euro ausgezahlt - dieser Wert ist noch nicht höher, weil die Finanzmittel großteils über mehrere Jahre fließen, etwa für Mieten. Der Innenstadt-Fonds läuft bis Ende 2023.

Wegen der Online-Konkurrenz sind alteingesessene Geschäfte in Innenstädten seit langem unter Druck, die Folgen der Corona-Krise haben den Strukturwandel beschleunigt. Neben den Mietfinanzierungen ermöglicht der Innenstadt-Fonds auch um Umbauten, damit Händler in bislang leerstehenden Räumen ein Geschäft aufmachen. „Es ist in vielen Kommunen gelungen, Leerstände anzumieten und günstiger weiterzuvermieten“, sagte Scharrenbach. Als Beispiel nannte sie die Kleinstadt Vreden im Münsterland, wo 17 von 21 leerstehenden Gewerbeimmobilien vermietet werden konnten.

Auch das Anpflanzen von Bäumen wird finanziert, damit Betonwüsten grüner werden. Außerdem werden Experten finanziert, die sich vor Ort mit dem Innenstadt-Thema befassen und Ansprechpartner sind. Zudem gibt es Unterstützung in Sachen Digitalisierung.

Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) betonte die Dringlichkeit von digitalem Fortschritt. „In der Innenstadt müssen wir den Handel in eine neue Dimension führen“, sagte er. Vor Ort sollte nur eine begrenzte Menge an Waren in einer Art „Mustermesse“ vorgehalten werden, über das Internet sollten die Gewerbetreibenden ihren Kunden dann aber schnell Waren aus einem großen Sortiment zuschicken können. Man müsse „den Eventcharakter des Präsenzhandels erhalten und weiterentwickeln“, so Pinkwart.

Peter Achten vom Handelsverband NRW wies auf die schwierige Lage großer Teile des Einzelhandels hin. Seit Beginn der Corona-Pandemie 2020 seien Klamottenläden, Schuhgeschäfte und andere Einrichtungen fast jeden zweiten Verkaufstag geschlossen oder von Einschränkungen betroffen gewesen. Laut einer Branchenumfrage schätzt fast jeder zweite Einzelhändler seine aktuelle Geschäftslage als schlecht ein und nur jeder sechste als gut. „Das sind beängstigende Zahlen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des NRW-Handelsverbandes. Vor dem Hintergrund solcher Zahlen seien bessere Rahmenbedingungen, zu denen die „Innenstadtoffensive“ führen soll, sehr wichtig.

Ein düsteres Bild zeichnete auch Kurt Wehner vom Gastgewerbe-Verband Dehoga. Seine Branche befinde sich „in einer dramatischen Situation“, in der mehr als 50 Prozent der Unternehmen ihre Existenz bedroht sähen. „Die letzten Liquiditätsreserven sind endgültig weg.“

Vor den Hintergrund von solchen alarmierenden Aussagen wird deutlich, dass der Innenstadt-Fonds zwar eine willkommene Unterstützung ist. Klar ist aber auch, dass es nur ein eher kleiner Beitrag sein kann, um die Folgen eines gravierenden, in Corona-Zeiten verschärften Strukturwandels abzumildern.

Handelsverband-Vertreter Achten war dennoch voll des Lobes über die NRW-Hilfen, die „beispielgebend“ seien für andere Bundesländer. Die staatlich finanzierten Digital-Coaches etwa hätten viel Gutes bewirkt, sagte Achten. „Gerade in Pandemiezeiten, wo die herkömmlichen Absatzkanäle oftmals gelitten haben, haben die Digitalcoaches vielen Unternehmen geholfen, andere Zugänge zum Kunden zu finden.“

Aus Reihen der Opposition kam Kritik am jetzigen Kurs der schwarz-gelben Regierung. „Es ist gut, dass die Landesregierung sich den Innenstädten widmet“, erklärte der Stadtentwicklungssprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Johannes Remmel. „Doch einfach nur die Mittel zu erhöhen, wird dem notwendigen Transformationsprozess nicht gerecht.“ Eine dauerhafte Unterstützung der Kommunen sei nötig.

(dpa)