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Aachen: Norbert Walter: 2004 noch keine Wende am Bau

Aachen : Norbert Walter: 2004 noch keine Wende am Bau

Kies und Sand sind immer noch die meist verkauftesten Baustoffe im deutschen Markt. In den vergangenen drei Jahren musste die Branche jedoch einen Produktionsrückgang von 25 Prozent hinnehmen, die Arbeitsplätze gingen um zwölf Prozent auf 30.000 zurück.

Die Stimmung auf der Fachtagung „Forum Kies und Sand 2003” des Bundesverbandes der deutschen Kies- und Sandindustrie (BKS) im Aachener Eurogress war dem entsprechend geteilt.

„Wir müssen uns auf eine Durststrecke einstellen, es gibt aber keinen Grund zu verzagen”, sagte Michael Schulz, Präsident des BKS.

Prof. Dr. Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, sah in seinem Vortrag die allgemeine Wirtschaftslage am Bau ebenfalls ambivalent: „In diesem Jahr wird die Krise ins neunte Jahr gehen, auch 2004 wird nicht das Jahr der Wende sein.” 2005 könne es wieder aufwärts gehen, wenn die drängenden Reformen bis dahin umgesetzt seien.

Das sei allerdings nicht nur Aufgabe der Politik. „Ich unterschreibe das Zitat: Aller Stillstand geht vom Volke aus.” Walter weiter: „Nicht nur Ulla Schmidt, sondern viele von uns selbst stehen Reformen im Weg.”

Eine Bundesregierung aus einer Mitte-Rechts-Koalition ist seiner meinung nach auch nicht unbedingt eine bessere Lösung. „Ein reformierter Schröder kann in den blockierenden Gruppen vielleicht mehr erreichen als eine neue Regierung”, sagte Walter.

Die Fachtagung des BSK sieht sich vor allem auch als einen Motor in der technischen Entwicklung der Branche. Aufsehen erregte Prof. Dr. Norbert Auner mit seiner Idee, Sand zu Silicium umzubauen, um daraus Energie zu gewinnen. Damit könne Sand langfristig den endlichen Energieträger Öl ablösen.

Näher an der Umsetzung ist die Entwicklung eines neuen Flüssigzements, in dem der Kies schwimmt. „Damit läßt sich der Beton gleichmäßiger verteilen, so dass es weniger häufig zu Betonschäden kommt”, erklärte Dr. Hans-Joachim Riechers, technischer Geschäftsführer des BKS.

Hans-Peter Braus, Hauptgeschäftsführer des BKS, hob den Beitrag der Kies- und Sand-Industrie zum Hochwasser- und Landschaftsschutz hervor: „Fünf Millionen Sandsäcke wurden bei der Hochwasserkatastrophe im Sommer gebraucht. Durch den Abbau von Kies und Sand sind in Deutschland 50 Prozent aller Naturschutzgebiete entstanden.” In diesem Zusammenhang vergibt der BKS 2004 erstmals einen bundesdeutschen Wiederherrichtungspreis.