Ausbildungsmarkt: Noch nie waren so viele Stellen unbesetzt

Ausbildungsmarkt : Noch nie waren so viele Stellen unbesetzt

Im vergangenen Jahr hat es auf dem Ausbildungsmarkt in der Region wieder weniger unversorgte Bewerber gegeben. Die Chance für junge Leute sind exzellent.

Anton Woit hat scheinbar alles richtig gemacht: Nach dem Abitur absolvierte der heute 23-Jährige bei einem Aachener Unternehmen, das in den Bereichen Messebau und Events agiert, eine verkürzte Ausbildung zum Schilder- und Lichtreklamehersteller – für ihn die ideale Mischung zwischen Handwerk und der Arbeit am PC. „Ich habe mich gleich für eine Ausbildung entschieden, um direkt ins Berufsleben einzusteigen“, erklärt er. „Viele, die vom Studium kommen, stellen sich den Job anders vor, kommen damit nicht klar und müssen sich dann wieder neu orientieren.“

„Die Ausbildung hat bei uns seit jeher einen hohen Stellenwert“, bekräftigt Mario Handels, Betriebsleiter Produktion bei der Walbert-Schmitz GmbH & Co. KG. Das erkläre auch die zahlreichen Recruiting-Maßnahmen – von Erkundungstagen, der engen Zusammenarbeit mit Schulen, der Ansprache über das „Azubi-Mobil“ bis hin zu diversen Social-Media-Aktivitäten. „Wir versuchen mit allen Möglichkeiten, Azubis zu gewinnen und sie dann auch zu halten.“

Intensive Begleitung und Förderung stehen auf dem Plan, geworben wird auch mit Einblicken in verschiedene Abteilungen des Unternehmens sowie mit Auslandspraktika.

Ein attraktives Bewerbermarketing – das rät den Unternehmen der Region auch Ulrich Käser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Aachen-Düren. „Der Markt wird das in Zukunft noch mehr verlangen. Die Ausbildung ist ein Grundstein für die Fachkräftedeckung. Und da gibt es meiner Einschätzung nach noch viel zu tun“, sagt Käser mit Blick auf die Jahresbilanz auf dem Ausbildungsmarkt 2017/2018. „Bis zum Stichtag am 30. September 2018 konnten nicht alle Bewerber einen Ausbildungsplatz finden, gleichzeitig blieben noch in keinem Jahr so viele Ausbildungsplätze insgesamt unbesetzt.“

682 Plätze blieb leer

Für das Ausbildungsjahr 2017/2918, also vom 1. Oktober 2017 bis zum 30. September 2018, registrierte die Arbeitsagentur Aachen-Düren 6965 Ausbildungsstellen – das sind 161 mehr als im Vorjahreszeitraum (2,4 Prozent). Davon blieben 682 Ausbildungsstellen bis zum Stichtag unbesetzt: Diese Zahl bewegt sich damit um 8,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahres (30.09.2017: 631 unbesetzte Ausbildungsstellen).

Demgegenüber stand ein Rückgang um 202 auf insgesamt 8103 Bewerber (-2,4 Prozent). Von den gemeldeten Bewerbern waren zum selben Zeitpunkt noch 245 unversorgt. Damit lag die Zahl deutlich niedriger als im Vorjahr (-34,0 Prozent).

Insgesamt stellt sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt rein rechnerisch wie folgt dar: Im Gesamtagenturbezirk Aachen-Düren kamen auf einen Bewerber durchschnittlich 0,86 Ausbildungsstellen (Vorjahr: 0,82). Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen meldet zum 30. September 4501 eingetragene Ausbildungsverhältnisse im Kammerbezirk und damit 1,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Auffällig sei der Kreis Düren mit einem Rückgang von 9,9 Prozent. „Das ist wirklich viel“, so IHK-Geschäftsführerin Heike Krier. „Und das betrifft auch klassische Berufe der Region, wie Industriekaufleute.“ Konstant sei die absolute Zahl der Ausbildungsbetriebe. Diese liege seit Jahren bei etwa 3020. „Bei jedem dritten Unternehmen bleiben jedoch Ausbildungsplätze frei. Eine erhebliche Zahl von Betrieben erhält zeitweise gar keine Bewerbungen“, berichtet Krier. „Wir brauchen dringend einen Bewusstseinswandel: Viele ergreifen ein Studium, weil sie die Alternativen nicht sehen.“ Dabei hätten die jungen Leute mit einer Ausbildung heutzutage „Chancen wie nie“, so die IHK-Geschäftsführerin.

Ebenfalls einen Rückgang von 1,7 Prozent auf insgesamt 2148 eingetragene Ausbildungsverhältnisse meldet die Handwerkskammer (HWK) Aachen. „Dem Handwerk geht es gut“, konstatiert HWK-Geschäftsführer Georg Stoffels. Aber: „Es werden händeringend Auszubildende gesucht.“ Auch er plädiert für Maßnahmen, die die Attraktivität der Ausbildung erhöhen, etwa ein Azubi-Ticket für NRW, das mit dem Semesterticket für Studierende gleichzusetzen wäre. „Wir dürfen die beiden Bildungssysteme nicht gegeneinander ausspielen, vielmehr müssen sie enger miteinander verknüpft werden“, fordert Stoffels. Es sei beispielsweise wünschenswert, dass ein Meister eine Zulassung zum Masterstudium erhalte. „Wir müssen auf eine größere Durchlässigkeit der Bildungssysteme setzen.“

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