Insolvenzantrag bei Kronenbrot: Nicht nur der Ofen steht in Flammen

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Am Tag, an dem der Insolvenzantrag – nicht zum ersten Mal – gestellt wurde, brannte es in der Firma Kronenbrot. Dämmmaterial an einem Backofen war – auch nicht zum ersten Mal – in Flammen geraten.

Gegen 18.20 Uhr rückte am Mittwoch ein Großaufgebot der Feuerwehr am Standort Linden-Neusen. aus. 60 Leute waren vor Ort, der Einsatz der Löschzüge dauerte dreieinhalb Stunden. Es mussten noch die Metallplatten des Ofens demontiert und die Isolierung unter Atemschutz abgetragen werden. Personen kamen nicht zu Schaden, über die Höhe des Sachschadens liegen noch keine Erkenntnisse vor.

Keine Vorgespräche

Ob Personen bei der nächsten Insolvenz des Traditionsunternehmens zu Schaden kommen, lässt sich bislang nicht sagen. Während die Feuerwehr löschte, herrschte bei der Belegschaft viel Aufregung. „Man weiß nicht, wie es weitergeht“, sagt Manja Wiesner, die Geschäftsführerin der Gewerkschaft NGG in Köln. Der Schritt kommt auch für die Arbeitnehmervertretung „ziemlich überraschend“. Vorgespräche gab es nicht.

Die Geschäftsführung hatte die Notbremse gezogen, nachdem sie zu dem Schluss kam, dass „das Unternehmen den notwendigen Wandel in seiner jetzigen Form aus eigener Kraft nicht mehr schaffen kann, zumal am Markt Überkapazitäten existieren“. Die Bäckerei-Gruppe hat drei Standorte, die besten Perspektiven werden Witten (150 Mitarbeiter) bei einer Neuausrichtung eingeräumt. Die Standorte Köln (300) und Würselen (530) dagegen sind gefährdet.

Es brennt also bei Kronenbrot in jeder Beziehung. Am Tag, nachdem der Antrag beim Amtsgericht in Essen eingereicht wurde, tauchen die Beteiligten erst einmal ab. Der Betriebsrat will sich vorerst öffentlich nicht äußern. Und der vorläufige Insolvenzverwalter möchte sich einen zunächst einen Überblick verschaffen, wie viel Masse noch im Unternehmen ist. Dr. Biner Bähr, Partner bei der der weltweit operierenden Kanzlei White&Case, äußert sich vorerst nur schriftlich, nachdem er erstmals mit der Geschäftsführung zusammen getroffen war.

Der Jurist beschreibt einen „großen Verdrängungswettbewerb“ im Backwarenmarkt, weil der Lebensmitteleinzelhandel flächendeckend Aufback-Stationen aufgebaut hat. Zudem würden generell Grau- und Schwarzbrot, die Hauptprodukte Kronenbrots, weniger nachgefragt. Biner Bähr bleibt naturgemäß noch vage: „Mit der Geschäftsführung werde ich alles daran setzen, dieses Traditionsunternehmen so weit wie möglich zu erhalten.“ So weit wie möglich. Der Fachanwalt für Insolvenzecht betreute unter anderem die Insolvenzen des Kaufhauskonzerns Hertie oder des Energieversorgers Teldafax. 

Kronenbrots Belegschaft ist bislang nur durch Aushänge oder Mails informiert worden. Heute nachmittag – zum Schichtwechsel – werden die Mitarbeiter in Würselen bei einer Versammlung in Kenntnis gesetzt. Für viele von ihnen sind das traurige Deja-vu-Tage.

Schon 2016 meldete Deutschlands fünftgrößter Backwarenhersteller Insolvenz an, das Unternehmen wurde an einen Londoner Vermögensverwalter verkauft. „Die Verunsicherung in der Firma hat nie abgenommen“, sagt Gewerkschaftsfrau Wiesner. Sie hält die Probleme des Unternehmens auch für „hausgemacht“. „Die Belegschaften dürfen nicht die Leidtragenden der Versäumnisse der Eigentümer und der Geschäftsführung sein“, sagt sie. Die Mitarbeiter  hätten damals durch Sanierungstarifverträge ihren Beitrag geleistet, die Firma zu retten, erinnert sie .

Die 530 Angestellten in Würselen werden viele brennende Fragen haben. Kurzfristig ist wichtig: Werden die Gehälter wie üblich Mitte des Monats ausgezahlt?

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