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München/Düsseldorf: Nicht gleich auf den Zug: Experten raten bei Bahn-Aktie zum Abwarten

München/Düsseldorf : Nicht gleich auf den Zug: Experten raten bei Bahn-Aktie zum Abwarten

Die frühere Bundesbahn wird zum börsennotierten Unternehmen: Noch im Herbst soll es Aktien der Bahn AG geben, auf einer Werbetour will der Vorstand bei internationalen Investoren die Aktie vorstellen. Allerdings sind nur 10 bis 20 Prozent aller Anteilsscheine für Privatanleger reserviert.

Und nicht alle Experten sind ausgesprochen optimistisch, was die Gewinnmöglichkeiten von Sparern anbetrifft - nicht nur wegen der schlechten Erfahrungen mit früheren Börsengängen von ehemaligen Staatsunternehmen. Die aktuelle Stimmung an der Börse könnte ein weiterer Hemmschuh sein.

Lediglich ein Anteil von 24,9 Prozent der Bahn-Tochter DB Mobility & Logistics, der Verkehrs- und Logistiksparte, soll an der Börse gehandelt werden. Drei Viertel der Anteile bleiben also in den Händen der Konzernholding und damit im Staatsbesitz.

Vor allem das macht Finanzexperten skeptisch: „Wir glauben, dass die Deutsche Bahn AG weiterhin ein sehr politisches Unternehmen bleiben wird”, sagt Lothar Gries, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) in München. „Die Bahn wird auch nach der Privatisierung kein privatwirtschaftliches Unternehmen sein. Das kann sehr hemmend wirken für das Potenzial der Aktie.”

Er rät interessierten Anlegern daher, zunächst einmal den Kursverlauf der Aktie abzuwarten und nicht gleich einzusteigen. Mindestens ein bis eineinhalb Jahre sollte man das Papier beobachten, empfiehlt Gries. Das lehre auch die Erfahrung aus der Entwicklung nach Privatisierungen von Staatskonzernen wie der Telekom oder der Post.

Auch Peter Lischke, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Berlin, fühlt sich an den Börsengang der Deutschen Telekom erinnert und rät daher zur Vorsicht: „Man sollte nicht gleich auf den Zug aufspringen, sondern zunächst einmal gucken, wie sich das Unternehmen und der Kurswert entwickeln.”

Marco Cabras, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf, sieht im Teilbörsengang ebenfalls das größte Risiko: „Die Anleger sind auf Gedeih und Verderb dem ausgesetzt, was der Staat möchte.” Zumindest zwei Daten sind aber inzwischen bekannt: Der Börsengang soll nach Unternehmensangaben am 27. Oktober erfolgen, der Beginn der Zeichnungsphase für Privatanleger in Deutschland ist für den 13. Oktober geplant.

Die Preisspanne für die Aktie ist allerdings noch nicht veröffentlicht worden. Die Geheimniskrämerei dürfte auch damit zu tun haben, dass die Bedingungen für einen Börsengang aufgrund der Entwicklung auf dem Aktienmarkt derzeit nicht die besten sind: „Das Marktumfeld ist schlecht”, sagt Cabras. Deswegen könne es seiner Einschätzung nach sein, dass der Börsengang noch in letzter Minute verschoben werde, damit der Start der Aktie nicht zum Flop gerät.

Ein spezielles Aktienprogramm wird es den Planungen zufolge für die mehr als 200 000 Mitarbeiter der Bahn geben. Sie sollen die Papiere ihres Unternehmens zu einem günstigeren Preis erhalten. Es komme zwar auf die genauen Konditionen dieses Mitarbeiterprogramms an, sagt Aktionärsschützer Gries. Grundsätzlich ist er aber trotz des möglichen Rabatts skeptisch: „Ich würde als Mitarbeiter die Aktien nicht zeichnen.”

Viele Analysten großer Bankhäuser dürfen oder wollen sich derzeit nicht offiziell zur Bahn-Aktie äußern. Hinter vorgehaltener Hand sind aber ebenso skeptische Stimmen aus dem Marktumfeld zu hören. Manche bezweifeln gar, dass die Bahn überhaupt „börsenfähig” ist.

Andere sind optimistischer: „Das Modell scheint sehr aussichtsreich zu sein”, sagt Cabras. Besonders interessant sei, dass es bei der Bahn für den Anleger kein Auslandsrisiko gebe. „Das Unternehmen ist einzig und allein in Deutschland aktiv.” Es gebe somit keine Risiken durch Währungsschwankungen oder durch Tochterunternehmen im Ausland.

Auch die steigenden Rohstoffpreise ließen auf eine gute Zukunft für den Schienenverkehr hoffen, sagt Cabras. Trotz aller Risiken und schlechter Erfahrungen mit der Privatisierung von Staatskonzernen ist er daher zuversichtlich, dass die Bahn-Aktie eine Erfolgsgeschichte werden kann: „Ich hoffe, dass man aus den Fehlern bei der Telekom gelernt hat und es einen fairen Preis gibt, so dass der Privatanleger nicht der Gelackmeierte ist.”