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Aachen: Neue, europaweit einheitliche Regeln für Überweisungen

Aachen : Neue, europaweit einheitliche Regeln für Überweisungen

Europa wächst wieder ein Stück zusammen - zumindest beim bargeldlosen Zahlungsverkehr. Am Montag treten neue europaweite Regeln für Überweisungen in Kraft. Damit erfolgt ein weiterer Schritt zur Umsetzung des einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums Sepa (Single Euro Payments Area).

Künftig werden Zahlungen innerhalb der 31 Teilnehmerstaaten die 27 EU-Mitgliedsstaaten sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz - per Überweisung oder Karte dann so behandelt wie Inlandszahlungen, die bisher unterschiedlichen Abwicklungen zwischen nationalen und grenzüberschreitenden Zahlungen fallen weg. Die Giro- und Geschäftskonten werden automatisch zu „Europakonten” umgestellt.

Für den stationären Handel bietet SEPA nach Ansicht von Ralf Wagemann die Chance, Kartenzahlungen von Kunden aus ganz Europa akzeptieren zu können. Händler erhielten damit „ein zusätzliches Kunden- und Umsatzpotenzial”, versicherte das stellvertretende Vorstandsmitglied der Sparkasse Aachen in einem Gespräch.

Auch für die Privatkunden werde es dank des neuen Sepa-Lastschriftverfahrens einfacher, Waren im Internet europaweit zu bestellen. Zudem dürfte es für sie künftig keine Rolle mehr spielen, ob sie die Miete für eine Ferienwohnung in Deutschland oder auf einer Mittelmeerinsel überweisen möchten.

Michaela Roth vom deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) in Berlin geht davon aus, dass die Überweisungskosten stabil bleiben. Schon jetzt schreibt eine europäische Richtlinie vor, dass eine Auslandsüberweisung nicht teurer sein darf als eine im Inland, wenn sie in Euro ausgestellt ist und den Buchwert von 50.000 Euro nicht übersteigt. Für eine Überweisung in englischen Pfund oder dänischen Kronen müssen Kunden eine herkömmliche Auslandsüberweisung nutzen. Dafür fallen auch in Zukunft hohe Gebühren an.

Die Geldinstitute halten neue Vordrucke bereit, auf denen die internationalen Kontonummer (IBAN - International Bank Account Number) und Bankleitzahl (BIC - Bank Identifier Code) eingetragen sind - also ähnlich der bisherigen „Europa-Standardüberweisung”. Wagemann rät den Geschäftskunden, die die neue SEPA-Lastschrift nutzen wollen, auf jeden Fall, IBAN und BIC ihrer Handelspartner zu erfragen und für die Lastschriftermächtigung ein Formular zu nutzen, das den Sepa-Anforderungen entspricht.

Dies sei zur Zeit allerdings schwierig, da der einheitliche europäische Rechtsrahmen durch die 31 Teilnehmerländer noch bis zum 1. November 2009 in nationales Recht umgesetzt werden muss. Der Handel sollte darauf achten, dass seine Kartenakzeptanzterminals auch chipfähig sind. Wagemann: „Aus Sicherheitsgründen werden Sepa-Zahlungen nur für Karten mit Chip möglich sein.”

Der Markt werde entscheiden, ob die Sepa-Instrumente von den Unternehmen im Tagesgeschäft auch akzeptiert werden, sagt Wagemann. Auf jeden Fall will die Sparkasse, wie andere Institute auch, die bisher bekannten Verfahren im Zahlungsverkehr parallel zu Sepa weiterhin anbieten - „so lange es erforderlich ist”.