Würselen: Nach der Insolvenz hofft Kronenbrot auf bessere Zeiten

Würselen : Nach der Insolvenz hofft Kronenbrot auf bessere Zeiten

Für den Pförtner geht es an diesem sonnigen Morgen Schlag auf Schlag. Gerade erst hatte er die Schranke für den anrollenden Lkw hochfahren lassen, da meldet sich bereits der nächste Schwertonner an. Das weiß-rote Logo auf der Seitenfront des Sattelschleppers glänzt im Sonnenlicht, in der Luft liegt der Duft frischgebackener Brote. Eines wird in jedem Fall schnell klar: Bei Kronenbrot herrscht Hochbetrieb.

Ein Stockwerk über dem Gelände des Traditionsunternehmens sitzt Steffen Kroner. Der 39-Jährige ist gut gelaunt, nimmt einen Schluck Kaffee aus seiner Tasse und lacht. Kroner, seit 1. Februar neuer Kronenbrot-Geschäftsführer, weiß, dass es in den vergangenen Monaten an der Frohnhofstraße eher wenig zu lachen gab.

Blicken optimistisch nach vorne: Kronenbrot-Geschäftsführer Steffen Kroner (links) und Vertriebsleiter Hans Wydra.

Hinter der Würselener Großbäckerei liegen schwere Zeiten, Zeiten der tiefroten Zahlen, Zeiten der Hoffnungslosigkeit, vor allem aber Zeiten der Ungewissheit. „Nun ist der Zeitpunkt gekommen, nicht mehr zurück, sondern nach vorne zu schauen“, sagt Kroner. „Wir sind wieder da.“

Vor einem Jahr sah es fast so aus, als sei Kronenbrot bald nicht mehr da. Das Traditionsunternehmen litt massiv unter Preissteigerungen bei den Rohstoffen und einem harten Margen- und Wettbewerbsdruck. Ende April 2016 stellte Kronenbrot beim Amtsgericht Aachen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenregie. Der Plan: sich aus eigener Kraft aus dem Sumpf befreien.

Wenig später mussten die damalige Geschäftsführung und ihr Sanierungsexperte ernüchternd feststellen: Der Plan war gescheitert. Im Sommer folgten ein förmliches Insolvenzverfahren und die Suche nach einem Investor. Investmentfonds unter Führung des Londoner Vermögensverwalters Signal Capital Partners übernahmen schließlich Anfang des Jahres das Unternehmen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

„Das vergangene Jahr war für uns ein schweres und sehr intensives Jahr“, sagt Kroner rückblickend. Der neue Geschäftsführer spricht bewusst von „uns“. Denn bereits seit Juli vergangenen Jahres ist Kroner in die Zahlen und Probleme der Großbäckerei involviert. Der 39-Jährige arbeitet seit zwölf Jahren für eine Münchener Unternehmensberatung, die dem Londoner Vermögensverwalter seit Sommer beratend zur Verfügung steht.

Als Kroner gefragt wurde, ob er das operative Geschäft der sanierungsbedürftigen Firma übernehmen wolle, habe er nicht lange überlegen müssen: „Kronenbrot hat eine Zukunft, davon bin ich überzeugt“, sagt er. „Das Problem war: Zuletzt fehlte dem Unternehmen ein Kapitän.“ Nun liegt es an Kroner, die Großbäckerei wieder in ruhigeres Fahrwasser zu manövrieren.

Damit das gelingt, sind die Uhren fast vollständig auf Null gestellt: Die Kronenbrot KG Franz Mainz ist Geschichte, Kronenbrot ist nun eine GmbH. „Wir haben die Zöpfe der alten Kronenbrot KG durchschnitten“, sagt Kroner. Will heißen: Die Familie Mainz, die Ende des 19. Jahrhunderts den ersten Grundstein des Unternehmens gelegt hatte, führt das Unternehmen nicht mehr. Einzig die Backshop-Kette Oebel, bislang Tochtergesellschaft von Kronenbrot und nicht von der Insolvenz betroffen, wird noch von Lothar Mainz geleitet, gehört aber nicht mehr zur Kronenbrot-Gruppe.

Die Tradition, für die das Unternehmen bis heute steht, möchte Kroner mit der Neuaufstellung allerdings nicht beerdigen. „In der Vergangenheit war nicht alles schlecht. Das Unternehmen besitzt zum Beispiel äußerst loyale Mitarbeiter“, sagt er. „Und fast alle der rund 1000 Mitarbeiter haben wir halten können.“

Einer von ihnen ist Hans Wydra. Der 67-jährige Vertriebsleiter ist Kronenbrot seit mehr als 20 Jahren als Mitarbeiter treu. Das vergangene Jahr sei stressig und intensiv gewesen, sagt er. Stress, den sich Wydra auch gut und gerne hätte sparen können. Doch in Ruhestand gehen? „Nein“, sagt er. „Das kam nicht in Frage.“ Kronenbrot sei eine Herzensangelegenheit für ihn. „Und ich möchte nochmals dazu beitragen, dass wir wieder einen Schritt nach vorne machen. Wir greifen wieder an“, sagt er.

Mehr Investitionen

Alle drei Standorte in Würselen, Köln und Witten konnten behalten werden, dafür verzichtete die Belegschaft auf einen Teil ihres Gehaltes. Lieferanten und Kunden wie Discounter und große Lebensmittelhändler seien Kronenbrot trotz der zuletzt schwierigen Situation treu geblieben, die Auftragslage sei zudem weiterhin sehr gut, berichtet Kroner.

Zu signifikanten Wachstumssprüngen dürfte es im laufenden Jahr aber noch nicht kommen: „Wir sind gerade erst von der Intensivstation runter“, sagt er. „Die Umsätze sind für dieses Jahr aber gut abgesichert. Wir sind auf dem Weg der Normalisierung und wollen nun Investitionen durchführen. In Maschinen, in Instandhaltung und in Personal“, sagt Kroner. „Das sind alles Dinge, die jahrelang versäumt wurden. Und es sind Investitionen, die wir einfach machen müssen, um dem Konkurrenzdruck gewachsen zu sein.“

Kronenbrot möchte wieder sichtbarer werden, gerade auch für junge Menschen. Man sei auf der Suche nach Auszubildenden und Fachkräften, sagt der neue Geschäftsführer. „Wir werden aktiv den Kontakt zu den Hochschulen in Aachen suchen. Denn wir wollen zeigen, dass wir gerade für junge Menschen ein attraktiver Arbeitgeber sind.“

Für Kroner — auch das steht fest — wird die Zukunft jedoch nicht ewig Kronenbrot heißen. „Für mich persönlich ist das ein mittelfristiges Projekt“, sagt er. Ziel sei es, auf lange Sicht einen ausgewiesenen Fachmann aus der Brotbranche als Geschäftsführer einzustellen. „Aber bis dahin“, sagt Kroner, „haben wir noch eine Menge vor. Und das werden wir auch zeigen.“

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