1. Wirtschaft

Aachen: Mit intelligenten Zählern Energiefresser aufspüren

Aachen : Mit intelligenten Zählern Energiefresser aufspüren

Stromzähler führen meist ein Schattendasein. Stauben vor sich im Keller hin, unbeachtet. Bis auf das eine Mal im Jahr, wenn der Herr vom zuständigen Energieversorger kommt, um den aktuellen Stand abzulesen. Und diese Zahl wiederum sagt dem Großteil der Verbraucher relativ wenig darüber, wann sie wie viel und vor allem zu viel Strom benutzen.

Anders ist das mit sogenannten intelligenten Stromzählern. Durch sie könnten Privathaushalte fünf bis zehn Prozent Strom sparen, sagt Professor Reinhard Madlener vom Institute for Future Energy Consumer Needs and Behavior am Eon Energieforschungszentrum der RWTH Aachen. Im Gegensatz zu den alten Drehzählern messen die neuen Geräte im Detail, wann wie viele Kilowatt-stunden verbraucht werden. Sie hängen nicht im Keller, sondern beispielsweise in der Küche, so dass man während des Kochens Informationen ablesen kann.

Nach Ansicht des RWTH-Experten bieten intelligente Stromzähler privaten Haushalten genügend Anreize zweifellos vorhandene Energiesparpotenziale zu nutzen - ein Thema das nicht nur finanziell, sondern auch vor dem Hintergrund aktueller energie- und klimapolitischer Diskussionen wichtig ist. Die Bundesregierung schreibt vor, dass den Kunden ab 2010 Zähler intelligente Stromzähler angeboten werden müssen. Damit erfüllt sie Vorgaben der EU-Kommission. In Neubauten und kernsanierten Gebäuden wird es sogar zur Pflicht, diese Zähler einzubauen.

Außerdem soll es statt des Jahresabschlags monatliche Abrechnungen geben. Der Vorteil: Es wird leichter, „Energiefresser” im Haushalt aufzuspüren. Smart Metering, erklärt Madlener, ermöglicht den Verbrauchern, Informationen über ihren Stromkonsum detailliert und unmittelbar abzulesen. „Studien haben gezeigt, dass Smart Metering die Höhe und zeitliche Struktur des Stromkonsums derart ins Blickfeld der Haushalte gerückt hat, dass sie in der Regel ihren Stromverbrauch reduzieren.”

Den Energieversorgern drohe dadurch kein Nachteil. Auch sie, sagt Madlener, würden von einer neuen Zählerinfrastruktur profitieren. Künftige Stromverbräuche ließen sich besser prognostizieren und erleichterten so die Abstimmung von Angebot und Nachfrage. „Strompreise”, sagt Madlener, „müssen für Verbraucher so offenkundig sein, wie Benzinpreise an der Tankstelle.” Ginge es nach ihm, wären die Zeiten des verstaubten Drehzählers im Keller längst vorbei.

Deutsche Versorger sind beim Einsatz der neuen Zähler zögerlich

Professor Madlener und seine Mitarbeiter haben zwischen Mai und Juli 518 Energieversorgungsunternehmen (EVU) in Deutschland mit zum Thema intelligente Stromzähler befragt. Die Studie zeigt, welche Rolle Smart Metering in den Planungen der Unternehmen spielt und welche Ziele sie damit verfolgen.

Demnach gibt es zurzeit kein einziges Unternehmen in Deutschland, dass intelligente Stromzähler bei allen oder dem überwiegenden Teil der Kunden einsetzt. Lediglich 1,5 Prozent der Umfrageteilnehmer bieten die neue Technik schon ausgewählten Kundengruppen an. Zum Beispiel Online-Kunden.

13,8 Prozent der EVU ist noch in der Erprobungsphase oder plant in naher Zukunft ein Pilotprojekt (26,2 Prozent). Interesse am Thema zeigen gut 30 Prozent, kein Interesse am Einsatz von Smart Metering bei Privatkunden immer noch 18,5 Prozent.

Die Ergebnisse zeigten, dass Deutschland der Anwendung von Smart Metering im internationalen Vergleich hinterher hinke. Zahlreiche europäische Länder würden die Entwicklung sogar schon schneller vorantreiben, als von der EU gefordert.