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Antrag genehmigt: Mehr Schub für den Airport Maastricht

Antrag genehmigt : Mehr Schub für den Airport Maastricht

Die zuständige Infrastrukturministerin Cora von Nieuwenhuizen in Den Haag hat schneller entschieden als erwartet: Der Maastricht Aachen Airport in Beek darf die ganze Länge (2750 Meter) der Landebahn nutzen, bislang war die Genehmigung auf 2500 Meter beschränkt. Das bedeutet, dass ab sofort mehr und schwerere Flugzeuge auf dem Regionalflughafen starten und landen dürfen.

Darüber freuen sich vor allem der Eigentümer, die Provinz Limburg, und die Betreibergesellschaft, die hoffen, dass der Flughafen nun aus den roten Zahlen kommt.

Kritik überwiegt dagegen bei den Anwohnern, die seit Jahren über Lärmbelästigungen klagen, und der Tourismusbranche, die um den Erholungscharakter des Hügellandes im Süden der Niederlande fürchten. Allerdings müssten die bestehenden Obergrenzen und Regelungen eingehalten werden, schreibt die Ministerin in einem Brief an das Parlament, die Zweite Kammer.

Fracht- gegen Ferienflieger

Hintergrund des Beschlusses ist die Tatsache, dass der internationale Flughafen Schiphol aus allen Nähten platzt und dort Frachtflüge zugunsten von Ferienrouten gestrichen werden mussten. Seitdem ist man händeringend auf der Suche nach Ausweichmöglichkeiten. Ein kleiner Teil der beim drittgrößten Flughafen Europas bei Amsterdam wegfallenden Verbindungen kann also jetzt nach Beek verlagert werden, nachdem eine Umweltverträglichkeitsprüfung wegen Fehlern bei Emissionsberechnungen länger als vorgesehen gedauert hatte.

Allerdings müsse man erst die Kapazitäten ausbauen, etwa 50 Mitarbeiter zu den vorhandenen 120 einstellen, bevor neue Langstreckenflüge beispielsweise nach Übersee angesetzt werden können, sagt MAA-Direktor Jos Roeven. Er hofft, das Frachtvolumen von 90.000 Tonnen in diesem Jahr auf 170.000 in 2018 fast verdoppeln zu können, langfristig würden 700.000 Passagiere pro Jahr angestrebt, dazu brauche man wahrscheinlich aber weitere Abfertigungsgebäude.

Die Flughafenleitung will aber auch Rücksicht auf die Umgebung nehmen, so soll im Januar ein Informationsabend für alle Interessierten abgehalten werden. Die Luftfahrtgesellschaft Corendon hat bereits angekündigt, rund zehn Millionen Euro in den Regionalflughafen zu investieren.

Sie bietet zurzeit drei Flüge in südliche Urlaubsregionen an, will die Zahl aber im nächsten Jahr auf 13 Destinationen ausbauen, darunter Kreta, Rhodos, Kos, Korfu, Antalya, Ibiza, Tunesien, die Algarve und Sizilien. Um möglichst früh starten und spät landen zu können, so dass die Touristen möglichst lange von ihrem Urlaub haben, soll zunächst eine Boing 737-800 in Beek stationiert werden. Das Angebot richtet sich auch an Erholungssuchende aus Belgien und Deutschland. Auch der Billigflieger Ryanair hat zugesagt, im nächsten Jahr drei Urlaubsziele ab Maastricht/Aachen anzubieten.

Anwohner Wim Derks aus Ulestraten ist enttäuscht über die Entscheidung aus Den Haag. Schon jetzt seien die schwersten und damit lautesten Maschinen gegen Mitternacht und kurz nach 6 Uhr morgens in der Luft: „Das ist absurd in einem so dicht besiedelten Gebiet“, sagte er der Tageszeitung „De Limburger“. Die Direktorin des Fremdenverkehrsverbandes Süd-Limburg, Anya Niewerra, berichtet von großer Sorge in der Tourismusbranche. Die Besucher kämen ja schließlich, um die Landschaft und die Ruhe zu genießen: „An manchen Stellen kann man den Piloten zuwinken.“

Ruud Bessems vom Verband der Hoteliers verweist darauf, dass 20.000 Menschen in der Tourismusbranche in Süd-Limburg arbeiten: „Unsere Gäste werden durch Frachtflugzeuge geweckt statt durch Vögel.“ Auch die Bürgermeister von Gulpen-Wittem, Nicole Ramackers, und Vaals, Reg van Loo, hatten in Briefen an die Ministerin ihre Bedenken geäußert: „Wir machen uns Sorgen über die Lebensqualität unserer Einwohner und den Tourismus“, schrieben sie nach Den Haag.