Maastricht/Aachen: Mehr Passagiere, mehr Fracht: Maastricht Aachen Airport im Aufwind

Maastricht/Aachen: Mehr Passagiere, mehr Fracht: Maastricht Aachen Airport im Aufwind

Der Flughafen Beek befindet sich im Aufwind. Das liegt vor allem am türkisch-niederländischen Billiganbieter Corendon, der inzwischen 18 Urlaubsziele anbietet und auf dem Flugfeld in Beek eine Boeing stationiert hat. Der Ferienflieger sieht seine kühnsten Erwartungen übertroffen, was vor allem daran liegen dürfte, dass seine Kunden am Maastricht Aachen Airport kostenlos parken dürfen.

Üblicherweise werden dort nämlich saftige Gebühren fällig. Der Zuspruch ist so groß, dass auch viele Reisende aus dem Norden der Niederlande, Belgien und Deutschland nach Beek kommen und der vorhandene Parkplatz mit 1200 Plätzen inzwischen zu klein geworden ist. Rechtzeitig zur Urlaubssaison hat man einen zweiten Parkplatz mit noch einmal 1000 Plätzen angelegt, sollte der Trend sich fortsetzen, wird gar über den Bau eines noch größeren Parkhauses nachgedacht.

Den Anteil der Fluggäste aus dem Raum Aachen beziffert Sprecherin Hella Hendriks auf knapp 20 Prozent. Besonders gefragt sind Griechenland, Türkei, Spanien und Ägypten. In der Hauptreisezeit soll sogar täglich ein Flug nach Antalya gehen. Insgesamt will man so die Zahl der Passagiere in Beek auf 700.000 im Jahr verdoppeln. Auch Ryanair bietet Flüge ab Maastricht an.

Mehr Gastronomie und Geschäfte

Aufwärtstrend auch im Frachtbereich: Neben den beiden Flugesellschaften Silkways und Skygates konnte der Airport-Betreiber jetzt auch die Emirates SkyCargo als Kunden gewinnen. Zunächst handelt es sich um täglich eine Maschine aus den USA, die in Beek landet und einen Teil der Ladung auswechselt, um dann weiter nach Dubai zu fliegen. Langfristig könne die Zahl dieser Flüge auf 15 pro Woche erhöht werden, berichtet die Tageszeitung „De Limburger“. Dazu muss aber ein zweites Frachtgebäude her, das 70 neue Arbeitsplätze bringen soll. Ende des Jahres soll mit dem Bau begonnen werden, auf dem Dach sollen Hunderte Kollektoren Sonnenenergie gewinnen.

Im Innern schon fast abgeschlossen ist eine Runderneuerung des mehr als 30 Jahre alten Zentralgebäudes. Der Noppenboden ist verschwunden, die Flächen für Gastronomie und Geschäfte in der Abflug- und Ankunftshalle sind vergrößert worden. Besonders markant wird eine Außenfassade aus perforiertem Kupfer, die Motive aus der Region zeigt. Die Renovierung läuft unter dem Schlagwort „Boutique-Flughafen“ (klein, aber fein) und kostet rund fünf Millionen Euro. 1,5 Millionen kommen von der Provinz Limburg, die in den letzten Jahren rund 70 Millionen Euro in den zeitweise vom Ruin bedrohten Flughafen gesteckt hat.

Noch viel mehr Geld, nämlich 160 Millionen Euro, will eine Privatfirma auf einem Gewerbegebiet ganz in der Nähe investieren. Der Immobilienentwickler will drei Logistikzentren mit einer Gesamtfläche von 176.000 Quadratmetern errichten, er berichtet von einer großen Nachfrage nach derartigen Hallen, die damit fast die Hälfte des 55 Quadratmeter großen „Aviation Valley“ bedecken würden. Dort sollen bis zu 700 Arbeitsplätze neu entstehen.

Möglich geworden ist die Aufwärtsentwicklung, weil ein Gericht Anfang Mai die Entscheidung des niederländischen Infrastrukturministeriums bestätigt hatte, dass die 2750 Meter lange Landebahn komplett genutzt werden darf, vorher hatte es Einschränkungen gegeben, die die Landung großer Maschinen erschwerten.

Allerdings handelt es sich nur um eine vorläufige Genehmigung, die Entscheidung in der Hauptsache steht noch aus. Gegenwind für den Flughafen gibt es nämlich ebenfalls und immer noch: Eine Aktionsgruppe gegen die Ausbreitung des Flughafens, die die einstweilige Verfügung gegen die verlängerte Landebahn eingereicht hatte, hat ihren Kampf gegen die mit der Duldung verbundene erhöhte Lärm- und Feinstaubbelastung durch schwerere Flugzeuge keineswegs aufgegeben.

Am 23. Juni will sie in einem landesweiten Aktionstag gegen die Ausbreitung des Luftverkehrs demonstrieren; auch angrenzende Gemeinden wie Meerssen und Geverik wehren sich gegen Feinstaub- und CO2-Ausstoß sowie Motorenlärm. Die Flughafenleitung verweist hingegen darauf, dass man alle Grenzwerte einhalte, wie das zuständige staatliche Institut für 2017 festgestellt habe. Darüber hinaus wolle man mit den Beschwerde führenden Anwohnern im Gespräch bleiben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Jumbo neben der Bahn: Maastricht-Aachen Airport lahmgelegt

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