Mehr Bauland muss her

Studie des Prognos-Instituts : Der Bund scheitert beim Wohnungsbau

In Deutschland werden weiterhin viel zu wenig Wohnungen gebaut, um den Bedarf in Großstädten und beliebten anderen Orten zu decken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Prognos-Instituts im Auftrag von sieben Verbänden, die Wirtschafts- und Mieterinteressen vertreten. Demnach wurde 2017 nur ein Drittel der erforderlichen 80.000 Sozialwohnungen fertiggestellt, im Mietsegment wurde das Soll insgesamt nur zur Hälfte erfüllt.

„Die Bundesregierung hatte sich vorgenommen, in der Legislaturperiode 1,5 Millionen Wohnungen zu schaffen“, sagte der Chef des Mieterbundes, Lukas Siebenkotten, am Donnerstag in Berlin. „Wir wissen heute bereits, dass dieses Ziel nicht mehr erreicht werden kann.“

Tatsächlich hatten sich Union und SPD im Koalitionsvertrag darauf verständigt, möglichst rasch mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen zu wollen. Unter anderem wurde dafür zuletzt das Grundgesetz geändert, das eine finanzielle Förderung des sozialen Wohnungsbaus durch den Bund für die Zukunft sichern soll. 1,5 Milliarden Euro sind dafür vorgesehen, die Länder sollen weitere Mittel zuschießen.

Doch aus Sicht des Verbändebündnisses Wohnungsbau, dessen Mitglieder von mehr Bautätigkeiten profitieren würden, reicht das lange nicht aus. „Mit der bisherigen Fördersumme von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr vom Bund ist der enorme Schwund, den es bei den Sozialmietwohnungen gibt, nicht aufzuhalten“, sagte der Chef der Industriegewerkschaft Bau, Robert Feiger, am Donnerstag. Er forderte sechs Milliarden Euro pro Jahr. Das Problem: Immer mehr Wohnungen fallen rechtlich aus der Sozialbindung, der Nachschub genügt nicht aus.

Die Bundesregierung rechnet vor, dass mit ihren Mitteln und jenen der Länder insgesamt 100.000 zusätzliche Sozialwohnungen entstehen könnten. 2017 wurden statt der von der Bundesregierung geforderten 375.000 neuen Wohnungen lediglich 285.000 gebaut, wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Die Studienautoren von Prognos kommen zu dem Ergebnis, dass vor allem der Mangel an Bauland die Fortschritte abbremst.

Die Knappheit treibt die Preise, zwischen 2011 und 2017 stieg der Preis für einen Quadratmeter im Bundesschnitt um 50 auf 170 Euro. Angespannte Märkte, die laut Prognos in 138 der rund 400 Landkreise und kreisfreien Städte herrschen, sind davon längst abgekoppelt. In Städten wie Düsseldorf, Köln, und Berlin lag der Durchschnittspreis den Angaben zufolge bei 1120 Euro je Quadratmeter. Spitzenreiter ist München mit 2740 Euro.

In kleineren Großstädten, die etwa wegen einer Universität beliebt sind, lag der Wert 2017 bei 500 Euro. Damit gehen entsprechend hohe Mieten einher. In den Metropolen sind nach Prognos-Angaben kaum noch Kaltmieten von unter elf Euro in Neubauwohnungen möglich. Die Verbände fordern daher, dass die Kommunen mehr Bauland ausweisen, Verdichtung zulassen und mehr Verwaltungspersonal einstellen sollten.

Die Städte verweisen jedoch auf Bund und Länder. „Aus kommunaler Sicht sind insbesondere eine Stärkung des Baugebots sowie eine Verbesserung und Stärkung kommunaler Vorkaufsrechte im Baurecht vorzunehmen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg.

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