Mayersche und Thalia: Stationärer Buchhandel mit positiver Entwicklung

Buchhändler mit leichtem Zuwachs : Mayersche und Thalia trotzen der Online-Konkurrenz

Sie sind Europas führender Buchhändler und bauen als fusioniertes Unternehmen ihre Marktführerschaft aus. Thalia und Mayersche verzeichnen Umsatzplus über alle Vertriebskanäle hinweg.

Seit vier Monaten gehören sie nun offiziell zusammen, nachdem die Kontrollbehörden der Fusion zugestimmt haben. Und nun steuern die Buchhändler Thalia und Mayersche als gemeinsames Unternehmen ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2019 an, dessen Gesamtumsatz nach Aussage von Thalia-Chef Michael Busch deutlich oberhalb der Milliardengrenze liegen wird.


Umsätze: Am Dienstag präsentierte Busch gemeinsam mit Hartmut Falter, dem Geschäftsführer und Inhaber der Mayerschen, den Rückblick auf das Jahr 2018, in dem beide Buchhandlungen noch völlig getrennt voneinander bilanzierten. Thalia steigerte demnach seinen Gesamtumsatz im stationären Geschäft um sechs Prozent, was auch darauf zurückzuführen sei, dass im vorigen Jahr 13 weitere Buchhandlungen durch Zukäufe unter das Thalia-Dach kamen und zusätzlich fünf neue Filialen an vier Standorten eröffnet wurden. Ohne diese Expansion legte auf gleicher Fläche wie 2017 der Sortimentsbuchhandel bei Thalia immerhin noch um zwei Prozent zu.


Filialen und Mitarbeiter: Die Mayersche erzielte in den ersten neun Monaten dieses Jahres über alle Vertriebskanäle hinweg ein Umsatzplus von 3,5 Prozent und hat 2019 in Heinsberg und Goch zwei neue Läden eröffnet. Thalia ist Deutschlands größte Buchhandelskette mit rund 5000 Mitarbeitern, 280 Filialen in Deutschland, 25 in Österreich und der Beteiligung an 35 Buchhandlungen in der Schweiz. Die Mayersche war bis zur Fusion die Nummer vier im deutschen Buchhandel und hat aktuell rund tausend Beschäftigte und 56 Filialen. „Es bleibt dabei: Es wird wegen der Fusion keine Entlassungen geben“, bekräftigt Falter.


Partnerschaftsmodell:
Als die Fusionspläne von Mayerscher und Thalia Anfang des Jahres bekannt wurden, hatte Falter noch von einer Hochzeit gesprochen. Jetzt werben er und Busch mit ihrem Partnerschaftsmodell, das sie im kommenden Jahr ausbauen und anderen Buchhandlungen anbieten wollen. „Wir sind in eine WG gezogen“, sagt Falter. „Jetzt geben wir uns eine Hausordnung und machen schon mal Gästezimmer schön.“ Anders als bei den meisten Hochzeiten behalten beide Partner ihren jeweiligen Namen; deshalb passt das Bild von der Wohngemeinschaft auch besser. Falter: „Die Marken bleiben autark. Mayersche bleibt Mayersche, Thalia bleibt Thalia.“ Busch ergänzt: „Das ist unsere Vorstellung von Partnerschaft. Wer dazu kommen will, muss seine Marke nicht aufgeben.“ Interesse von anderen Buchhandlungen bestehe durchaus; Namen nennt Busch noch nicht.


Stationär und online: Falter und Busch sind davon überzeugt, dass der stationäre Buchhandel mit seiner Nähe zum Kunden, intensiver Beratung und vielfältigen, schnellen Bestellwegen eine gute Zukunft habe. Sie setzen auf „lokale Stärke von eingeführten Buchhandlungen“. E-Commerce, der bei Thalia 2018 um rund fünf Prozent gewachsen ist, sehen beide nicht als Bedrohung für den Sortimentsbuchhandel – im Gegenteil: Er unterstütze die Läden. Denn immer öfter bestellen und bezahlen Kunden online und können ihr reserviertes Buch jederzeit abholen; das sei auch ökologisch der beste Weg. Unter diesen Aspekt fallen auch erste Tests mit Fahrradkurieren.


Ausbildung und Non-Books: Der Anteil der Lehrlinge beträgt bei Thalia 20 Prozent. „Es ist etwas schwerer geworden, Auszubildende zu finden“, sagt Falter. Er habe aber vor zwei Wochen 50 Neue begrüßen können. Der stationäre Buchhandel brauche guten Nachwuchs. „Wenn die Zahl der Besucher in den Buchhandlungen leicht sinkt, die Kundenzahl aber stabil bleibt, liegt das an guter Qualität der Beratung“, sagt Busch. Derzeit tauschen sich Thalia und Mayersche intensiv über ihre jeweiligen Erfahrungen im sogenannten Non-Book-Segment aus; dazu gehören Kalender, Karten, Spielwaren, Notizbücher, Lesebrillen oder Taschen.


Inhalt und Kampagne: Worauf kommt es beiden Geschäftsführern abgesehen von den Bilanzzahlen an? „Wir wollen relevante Inhalte für Menschen und Gesellschaft vermitteln“, sagt Busch. „Und das müssen wir mit den Menschen in unseren Buchhandlungen persönlich tun.“ Busch will „der Oberflächlichkeit, die sich in unserer Gesellschaft ausbreitet, etwas Substanzielles entgegensetzen. Für unsere freiheitliche, demokratische Gesellschaft, für Bildung und Fortschritt ist das tiefe Eintauchen in Inhalte unerlässlich.“ Deshalb führt Thalia auch die „Welt, bleib wach“-Kampagne fort. Dazu gehört ein sogenanntes Buch der Bücher mit mehr als hundert guten Gründen, „warum Lesen heute Sinn - und immer neu Lust auf mehr macht“ – geschrieben von Prominenten aus Kultur, Wissenschaft und Politik.

(pep)