Aachen: Marketingpreis: Sieger mit jeder Menge Herzblut

Aachen: Marketingpreis: Sieger mit jeder Menge Herzblut

Als Städteregionsrat Helmut Etschenberg das Blatt Papier aus dem Umschlag zog, waren die beiden völlig aus dem Häuschen. Alexander Samsz und Mario Wagner reckten die geballten Fäuste und sprangen in die Luft.

Samsz von der Agentur Nonplusultra und Wagner von der IG Aachener Portal, die das Aachener Comic-Fest Comiciade veranstaltet hatten, räumten den Aachener Marketingpreis in der Kategorie Standort-Marketing ab. Zur Preisverleihung in der Aachener Mercedes-Benz-Niederlassung kamen mehr als 300 Gäste. Moderiert wurde die Preisverleihung von Amien Idries, Redakteur unserer Zeitung.

Emotionales Marketing: Gerd Hoffe von Anker Teppichböden (rechts) und Thomas Riesmeier von der Markenagentur Kywi gewinnen in der Kategorie „Marketing aus dem Kammerbezirk“. Foto: Andreas Steindl

Der Jubel der Sieger ließ erahnen, mit wie viel Engagement und Leidenschaft sie das Comic-Fest auf die Beine stellten. „Da waren ganz viele Leute mit sehr viel Herzblut dabei“, sagte Jurymitglied Christoph Scheller, FH-Professor für Grafik-Design. Die Preisträger hätten mit wenigen Mitteln und überschaubarem Budget eine erfolgreiche Veranstaltung etabliert, sagte er. „Sie haben es auch geschafft, neue Leute zum Comic zu bringen“, sagte Scheller.

Unternehmertum und Marketing sind für Theo Lieven eng miteinander verbunden. Foto: Andreas Steindl

Für Samsz und Wagner war die Auszeichnung eine riesige Überraschung. „Wir sind völlig überrascht. Dabei zu sein ist schon wie ein Sieg. Dass wir jetzt den Preis haben, ist der Oberhammer“, sagte Samsz. Auch, weil es in ihrer Kategorie starke Konkurrenz gab. Ebenfalls nominiert waren die Stadt Aachen und der Aachener Tourist Service mit der Aktion „Mein Karl“ und der Karlsverein-Dombauverein Aachen mit der Spendenaktion „7 für 14“.

Überglücklich waren auch die Sieger in der Kategorie „Marketing aus dem Kammerbezirk“. Gerd Hoffe von Anker Teppichböden und Thomas Riesmeier von der Markenagentur Kywi überzeugten die Jury mit ihrem Markenrelaunch. Das Dürener Unternehmen ist europäischer Marktführer im gehobenen Segment textiler Bodenbeläge. Um sich vom rückläufigen Absatz und Preisverfall in der Branche abzukoppeln, positionierte das Unternehmen die Marke Perlon Rips neu. Dabei nutzten sie emotionale Faktoren wie Farbe, Design und Raumgestaltung. Sie hätten ihr Produkt als „Handwerksstück“ mit „hoher Wertigkeit“ positioniert, sagte Jurymitglied Daniel Wentzel, RWTH-Professor für Wirtschaftswissenschaften: „Sie haben das Produkt völlig neu durchdacht und neu vermarktet.“ Solch ein Marketing sei in der Teppich-Branche außergewöhnlich: „Das Produkt lebt von der Funktion. Wir haben es emotionalisiert“, sagte Hoffe. Mit Erfolg: Der Absatz von Anker wuchs um acht Prozent, die Branche hingegen büßte zehn Prozent ein.

Bei der ersten Verleihung des Aachener Marketingpreises im vergangenen Jahr hatte der ehemalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen mehr Einfallsreichtum in Sachen Marketing für Aachen angemahnt. Bernd Büttgens, Sprecher der Stadt Aachen, sieht Aachen in dieser Beziehung auf einem guten Weg. Das Karlsjahr mit der Heiligtumsfahrt habe auch überregional für Aufsehen gesorgt. Günter Bleimann-Gather, Präsident des Marketing Clubs, sagte, dass Aachen sich stärker als Wissenschaftsstandort profilieren müsse. „Wir haben hier tolle Innovationen und Produkte. Aber Aachen wird überregional noch nicht als Kompetenz- und Technologiezentrum wahrgenommen“, sagte er. Da müsse man ansetzen.

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