Maastricht/Aachen: Maastricht Aachen Airport: Frachtflieger sollen Auftrieb bringen

Maastricht/Aachen : Maastricht Aachen Airport: Frachtflieger sollen Auftrieb bringen

Hilfe von oben: Die Verantwortlichen des mit bescheidenen Fracht- und Passagierzahlen vor sich hindümpelnden Flughafens Maastricht Aachen hoffen auf Aufwind durch die Überlastung des drittgrößten Flughafens Europas, Schiphol bei Amsterdam.

Dieser platzt mit 64 Millionen Passagieren, mehr als 57.000 Beschäftigten und fast 500.000 Flugbewegungen im Jahr 2016 aus allen Nähten und sucht dringend nach Entlastungsmöglichkeiten. Der kleine internationale Verkehrsflughafen Maastricht Aachen Airport, etwa zehn Kilometer von Maastricht und 30 Kilometer von Aachen entfernt, käme da gerade recht, mit seinen gerade mal 180.000 Passagieren und knapp 20.000 Flugbewegungen. Er wird im Passagierverkehr von Billig- und Charterfluggesellschaften hauptsächlich für Urlaubsziele im Mittelmeerraum genutzt, größere Bedeutung hat der Frachtverkehr. Das Problem allerdings: die Länge der Landebahn.

Die ist mit 2750 Metern zwar auch für größere Flugzeuge lang genug, darf aber nach geltender Genehmigung nur auf 2500 Metern genutzt werden. Auf der bis zum Ende nutzbaren Landebahn könnten schwerere und mit mehr Treibstoff beladene Flugzeuge starten und landen, weiter entfernt gelegene Ziele wären erreichbar. Nur: Die Zeit droht den Befürwortern davonzulaufen. Für die Freigabe der letzten 250 Meter bedarf es nämlich einer Umweltverträglichkeitsprüfung, deren Ergebnis sich aber verzögert hat und nun erst Anfang November vorliegen soll.

Die Provinz Limburg, die schon viele Millionen Euro in ihren Flughafen gepumpt hat, befürchtet, dass durch die Verzögerung Hunderte von Arbeitsplätzen gefährdet seien. Internationale Carrier, die Interesse an einer Verlagerung angemeldet hätten, könnten dann abspringen und sich stattdessen nach Lüttich oder Brüssel orientieren. Flughafendirektor Jos Roeven plädiert für eine Duldung in einer Übergangsphase. Die Deadline für den Winterbetrieb sei bei den meisten Fluglinien der 29. Oktober: „Wenn wir es bis dahin nicht schaffen, sind wir sie quitt.“ Ohnehin habe man die Zahl des gesetzlich erlaubten Flugmöglichkeiten noch nicht erreicht.

Pläne zur Vergrößerung des 1944 als alliierter Luftwaffenstützpunkt entstandenen Flugplatzes stoßen immer wieder auf heftigen Widerstand, da die Einflugschneise über den Ortskern mehrerer Dörfer und Städte in den Niederlanden und im benachbarten Belgien führt. Da sich der Luftfrachtverkehr hauptsächlich nachts abspielt, befürchtet man eine übermäßige Lärmbelastung. Die unmittelbar benachbarte Gemeinde Meerssen dringt außerdem darauf, dass neue Messapparaturen aufgestellt werden, um die Lärm- und Feinstoffemissionen genauer aufzeichnen zu können. Auch aus der ebenfalls direkt neben dem Flughafen liegenden Gemeinde Beek steigen die Zahl der Beschwerden in letzter Zeit stark an, ebenso aus Maastricht, Eijsden-Margraten, Gulpen-Wittem sowie dem gesamten Heuvelland. Vor allem die Klagen über nächtliche Frachtflüge haben explosionsartig zugenommen.

Die Umweltorganisation Milieudefensie Meersen hat bereits angekündigt, Widerspruch gegen eine Genehmigung der vollständigen Landebahn einzureichen, sollte diese erteilt werden. Sie begründet dies damit, dass die Belange des Tourismus und der Anwohner nicht genügend berücksichtigt würden.

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