Maastricht: Maastricht Aachen Airport droht der Absturz

Maastricht: Maastricht Aachen Airport droht der Absturz

Er gilt als der „Hausflughafen“ der Region: der Maastricht Aachen Airport (MAA). In erster Linie die irische Billigfluggesellschaft Ryanair sorgt dafür, dass die Passagierzahlen im Süden der niederländischen Provinz immer höher steigen.

Doch nun droht dem Airport der Absturz — aus finanzieller Sicht, die Alarmglocken läuten unüberhörbar. Dunkle Wolken künden von den mächtigen Turbulenzen — einem Defizit der Betreibergesellschaft. Flughafenchef Sander Heijmans bestätigte die Probleme am Mittwoch im Gespräch mit unserer Zeitung. Er sprach von Verlusten in einer Größenordnung von mindestens zwei Millionen Euro aus dem Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahr 2012/13, die ein sofortiges Handeln notwendig machten.

Heijmans verdeutlichte gemeinsam mit dem MAA-Vorstandsvorsitzenden Jan Tindemans, dass die entscheidende Ursache für die aktuell schwierige Lage im Rückgang des Frachtgeschäfts zu suchen sei. Die Transportraten seien angesichts der Wirtschaftskrise um rund 20 Prozent geschrumpft. Der MAA habe bereits reagiert, indem etwa die Verträge von zehn befristet beschäftigten Mitarbeitern nicht verlängert worden seien. Lag das Frachtaufkommen im vergangenen Jahr noch bei mehr als 90.000 Tonnen, dürften es 2013 aus jetziger Sicht nur noch gut 70.000 Tonnen sein.

Laut Heijmans und Tindemans gebe es drei Lösungsmöglichkeiten für die Finanzmisere: Die Eigentümer von der britischen Investment- und Management-Gesellschaft Omniport, ansässig auf dem Flughafen von Norwich im Osten Englands, engagieren sich. Alternativ sei zu prüfen, ob die Provinz Limburg helfen könne. Und überdies bestehe die Möglichkeit, „dass wir Teile unseres Tafelsilbers verkaufen“, wie Tindemans anfügte.

Die MAA-Verantwortlichen hoffen auf eine Lösung bis zum Sommer, um das Loch in der Bilanz überbrücken zu können. Dazu zählten auch mögliche strukturelle Einschnitte. Hier verwiesen die beiden Manager insbesondere auf den angrenzenden Businesspark. Daran hält der MAA einen Anteil von 40 Prozent. In der gleichen Größenordnung ist die Provinz engagiert. Den Rest teilen sich die beiden niederländischen Baukonzerne Volker Wessels und Dura Vermeer.

Denkbar sei, dass einer der Partner Teile des MAA-Besitzes zusätzlich übernehme, damit die Betreibergesellschaft schnell wieder flüssig werde. Daneben besitzt der Flughafen weitere Gewerbe-Immobilien, die gleichfalls eingesetzt werden könnten.

Laut Egbert Hanssen, Sprecher des Limburger Wirtschaftsministers Twan Beurskens in Maastricht, seien in erster Linie die Eigentümer gefordert, das Defizit aufzufangen. Nach seiner Kenntnis drohe dem MAA in etwa vier bis fünf Monaten die Pleite, wenn der Flughafen keine Unterstützung erhalte. In welcher Weise die Provinz helfen könne, ließ Hanssen offen. Die niederländische Regierung in Den Haag habe bereits ein finanzielles Engagement abgelehnt.

Für positive Stimmung am Maastricht Aachen Airport sorgt weiterhin die Fluggesellschaft Ryanair. Am Mittwoch feierten die Iren ihren 1.111.111. Passagier, der seit dem Jahre 2007 vom MAA aus gestartet ist. Dieses Jahr will Ryanair von dort 500 000 Fluggäste transportieren, was laut Sander Heijmans etwa 80 Prozent des gesamten Volumens entspreche. 15 Verbindungen in ganz Europa, insbesondere Urlaubsziele, stehen bei Ryanair auf dem Flugplan.

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